Südkorea setzt vorläufig einen Strich durch die nächste Phase seiner digitalen Währung. Die Zentralbank pausiert das CBDC-Projekt, da sich Banken zunehmend auf eigene stablecoins konzentrieren. Die politische Unterstützung scheint zu schwinden und auch die Kosten des Experiments bereiten Sorgen.
Zukunft der digitalen Won unter Druck
Die Entwicklung wirft Fragen über die Zukunft der digitalen Won auf. Kann die CBDC noch auf breite Unterstützung zählen, jetzt, wo sich Banken auf eigene Tokens konzentrieren?
Seit April testete die Bank of Korea eine digitale Version der südkoreanischen Won mit 100.000 Nutzern. Große Ketten wie 7-Eleven beteiligten sich an der Probe. Doch Banken, die beteiligt sind, wie Shinhan und KB Kookmin, sollen unzufrieden sein wegen der hohen Kosten des Projekts.
Eine zweite Testphase war für später dieses Jahr geplant, mit mehr Geschäften und der Hinzufügung von grenzüberschreitenden Zahlungen. Diese ist nun auf möglicherweise nächstes Jahr verschoben. Die Zentralbank wartet laut Quellen ab, was die Regierung mit stablecoins vorhat.
Präsident Lee setzt auf stablecoins
Präsident Lee Jae-myung versprach während seiner Kampagne, dass stablecoins einen Platz im Finanzsystem erhalten würden. Seine Partei reichte diesen Monat einen Gesetzesentwurf ein, der Unternehmen mit mindestens 370.000 Dollar Kapital die Möglichkeit bietet, solche Tokens auszugeben.
Acht Banken arbeiten mittlerweile an einer eigenen stablecoin, gekoppelt an die koreanische Won. Die Hälfte von ihnen nahm auch am CBDC-Pilotprojekt teil. Die Wahl scheint durch die Erwartung motiviert zu sein, dass mit stablecoins mehr Gewinn zu erzielen ist als mit einer zentralen digitalen Währung, die kein Ertragsmodell bietet.
Marktreaktion gemischt
Die Finanzmärkte reagierten geteilt auf die Nachrichten. Das Fintech-Unternehmen KakaoPay sah seine Aktien heute um 7 Prozent fallen. Auch Hecto Financial verlor an Boden. Dagegen verbuchten Banken wie Shinhan (+1,6 Prozent) Gewinne, vermutlich wegen ihrer Beteiligung am stablecoin-Initiative.
Ein südkoreanischer Bankdirektor, zitiert von der Nachrichtenagentur Yonhap, stellte fest, dass die zweite Phase des CBDC-Tests „kurz vor dem Scheitern stand“, noch bevor sie begonnen hatte. Ohne einen klaren Plan für den kommerziellen Einsatz wäre die Teilnahme am Test für Banken einfach nicht lohnend.
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