Die größte politische Partei Japans hat grünes Licht für ein ambitioniertes Vorhaben gegeben: ein komplett neues Finanzsystem auf Basis von Künstlicher Intelligenz und Blockchain. Die Liberaldemokratische Partei (LDP) möchte damit den Grundstein für eine Wirtschaft legen, in der AI-Agenten rund um die Uhr eigenständig Transaktionen abwickeln.
Tokio setzt auf die Zukunft
Der Vorschlag mit dem Titel ‚Next-generation AI & Onchain Finance Concept‘ wurde am Dienstag formell vom Policy Research Council der LDP genehmigt. Das Dokument wurde von einem Projektteam unter der Leitung des Parteimitglieds Seiji Kihara erstellt, einem ehemaligen Finanzbeamten mit Erfahrung in der Blockchain-Politik.
Die LDP, seit Jahrzehnten die dominierende politische Kraft in Japan, möchte das Land auf das vorbereiten, was sie als ‚agentic commerce‘ bezeichnen. Das ist eine Wirtschaft, in der AI-Systeme eigenständig Produkte und Dienstleistungen auswählen und bezahlen, ohne dass Menschen involviert sind.
Dem Vorschlag zufolge passt die Blockchain perfekt dazu. Eine Blockchain ist ein digitales Hauptbuch, das von Tausenden von Computern gleichzeitig geführt wird. Niemand kann heimlich eine Transaktion ändern, alles ist für alle überprüfbar, und es können intelligente Regeln programmiert werden, die sich selbst ausführen.
Stablecoins und tokenisierte Einlagen im Fokus
Der Plan basiert auf zwei Säulen: Yen-Stablecoins und sogenannten tokenisierten Einlagen. Beide sind digitale Versionen von Geld auf einer Blockchain, der Unterschied liegt darin, wer sie herausgibt und was dahintersteht.
Stablecoins sind Kryptowährungen, deren Wert an eine reguläre Währung wie den Yen oder den Dollar gekoppelt ist. Sie werden meist von privaten Unternehmen ausgegeben und können auf verschiedenen Blockchains frei verwendet werden.
Tokenisierte Einlagen hingegen sind Guthaben, die man gewöhnlich bei der Bank hat, aber in digitaler Form auf einer Blockchain. Das Geld bleibt im Bankensystem und unterliegt denselben Regeln und Garantien wie ein normales Sparkonto.
Der Vorteil beider Formen ist derselbe: Zahlungen können rund um die Uhr ausgeführt werden, auch am Wochenende, und das in Sekunden statt in Tagen.
Für die tokenisierten Einlagen plant die LDP einen großen Schritt: Auch die Konten, die Geschäftsbanken bei der japanischen Zentralbank führen, sollen auf eine Blockchain übertragen werden. Das würde das gesamte Rückgrat des japanischen Zahlungsverkehrs digitalisieren.
Bei Stablecoins geht es vor allem um rechtliche Klarheit und die Begrenzung von Risiken für das Finanzsystem. Die LDP unterstützt zudem das gemeinsame Stablecoin-Projekt der drei japanischen Megabanken MUFG, SMBC und Mizuho.
Japan erhielt im Oktober letzten Jahres seine erste offiziell regulierte Yen-Stablecoin mit JPYC, die innerhalb von drei Jahren auf zehn Billionen Yen an ausgegebenen Coins anwachsen will.
Fünfjahresplan für die FSA
Der Vorschlag fordert die Financial Services Agency (FSA), die japanische Finanzaufsicht, auf, einen Fünfjahresplan zu erstellen. Öffentliche und private Akteure sollen gemeinsam in die neue Infrastruktur investieren. Zudem möchte die LDP enger mit anderen asiatischen Ländern im Bereich AI und Blockchain zusammenarbeiten.
Kihara dämpfte sofort die Erwartungen. „Es ist wirklich ein ‚Konzept‘, und von hier aus bauen wir es Stück für Stück auf“, schrieb er auf X. „Das Wichtigste ist die Nachverfolgung von jetzt an, und wir werden weiter daran arbeiten.“
Die LDP wird nun mit den beteiligten Parteien Gespräche führen, um das Konzept in tatsächliche Regierungspolitik zu überführen. Der Wind steht günstig: Premierministerin Takaichi hat den Finanzsektor zu einem der strategischen Wachstumsbereiche Japans erklärt.
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