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Der Markt für Pokémon-Karten ist zu einem Milliardengeschäft geworden. Gehandelt wird aber noch immer per Post, die Prüfung dauert oft Wochen. Krypto-Unternehmen wittern eine Chance: Sie lagern die Karten in Tresoren ein und machen sie digital handelbar.

Doch dieser Ansatz stößt auf ein Hindernis, das sich mit Technik allein nicht lösen lässt.

Pokémon-Karten schlagen Bitcoin und Aktienmarkt

Der Wert von Pokémon-Karten ist in diesem Jahr um rund 28 Prozent gestiegen. Der S&P 500 legte im selben Zeitraum um etwa 13 Prozent zu, während Bitcoin (BTC) 29 Prozent verlor.

Der Hype zeigt sich überall. Influencer Logan Paul verkaufte im Februar eine seltene Pikachu-Illustrator-Karte für 16,5 Millionen Dollar. Bei Target stieg der Absatz von Sammelkarten im vergangenen Jahr um fast 70 Prozent.

Wie groß der Markt genau ist, weiß niemand. Schätzungen reichen von 10 bis 15 Milliarden Dollar, weil der Handel über Händler, Kartenläden und Conventions stark zersplittert ist.

Krypto-Firmen bringen Karten in den Tresor

Der Engpass liegt im Handel selbst. Sammler warten Wochen auf eine Prüfung, zahlen hohe Gebühren auf Marktplätzen und müssen ihre Karte anschließend physisch verschicken.

Eine neue Gruppe von Plattformen setzt darauf, dass Blockchain, die Technologie hinter der Kryptowelt, diesen Prozess verkürzt. Die Karte kommt in einen gesicherten Tresor und erhält einen digitalen Eigentumsnachweis, der schnell und günstig den Besitzer wechseln kann.

Dieses Verfahren heißt Tokenisierung: Ein Vermögenswert wird in einen handelbaren digitalen Nachweis überführt. Bei anderen klassischen Anlagen wie Gold, Staatsanleihen und Aktien kommt das bereits zunehmend zum Einsatz.

Deadstock, ein Angebot des in Abu Dhabi ansässigen Unternehmens ATH Labs, betreibt auf der Blockchain Arbitrum einen geschlossenen Test mit Pokémon-Karten, die vom Prüfunternehmen PSA die Bestnote erhalten haben.

Jede Karte im Tresor erhält genau einen Token. Dieser Nachweis kann immer wieder den Eigentümer wechseln, während die Karte selbst im Lager bleibt.

Nur wer seine Karte tatsächlich in den Händen halten will, lässt sie aus dem Tresor holen.

Für den Nachschub hat Deadstock eine Vereinbarung mit Japan Trading Card Center geschlossen. Die Plattform darf als einzige den Bestand dieses großen japanischen Marktplatzes tokenisieren.

ATH-Labs-Mitgründer Dominic Jang sieht darin den entscheidenden Vorteil. „Sie verfügen in Asien über den größten direkten Beschaffungskanal.“

Das Problem heißt eBay

Dennoch steht Deadstock vor einem Henne-Ei-Problem. Verkäufer gehen dorthin, wo die meisten Käufer sind, und Käufer dorthin, wo das größte Angebot liegt.

Wer beides nicht hat, kommt kaum dazwischen. Ein Token kann innerhalb einer Sekunde den Besitzer wechseln. Das garantiert aber nicht, dass auf der Gegenseite tatsächlich jemand bereitsteht.

eBay bestimmt in diesem Markt noch immer die Preise. Dort wechselten im vergangenen Jahr einzelne Sammelkarten im Wert von 2,62 Milliarden Dollar den Besitzer, ungeöffnete Boxen und Packs nicht eingerechnet.

Diese Handelshistorie ist wertvoller, als es zunächst scheint. Seltene Karten werden mitunter monatelang nicht verkauft. Ohne aktuelle Abschlüsse weiß niemand, welcher Preis angemessen ist.

Courtyard, die bekannteste Plattform für tokenisierte Pokémon-Karten, kam in den vergangenen 30 Tagen auf ein Volumen von rund 139 Millionen Dollar. Hochgerechnet auf ein Jahr entspricht das mehr als 1,6 Milliarden Dollar.

Nach Angaben des Analysehauses House of Chimera stammt ein großer Teil davon aus dem Öffnen digitaler Packs und direkten Rückkaufaktionen, nicht aus dem Handel zwischen Sammlern.

ATH Labs dreht die Frage lieber um. Auf einem klassischen Marktplatz wird dieselbe Karte immer wieder verschickt, der Verkäufer zahlt Provision, und der Käufer muss darauf vertrauen, dass das beschriebene Exemplar auch tatsächlich stimmt.

Bei Deadstock wird die Karte geprüft, bevor sie ins System kommt. Danach bleibt sie im Tresor.

Jang setzt darauf, dass Sammler diese Sicherheit höher gewichten als die Markttiefe von eBay. „Sie bekommen sofort genau das, was sie gekauft haben.“

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