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Die US-Finanzmärkte stehen nach Einschätzung von Aufsehern vor einem tiefgreifenden technologischen Wandel. Michael Selig, Vorsitzender der Aufsichtsbehörde CFTC, rechnet damit, dass Aktien, Anleihen und andere klassische Vermögenswerte in großem Umfang auf Blockchain-Netzwerke verlagert werden könnten.
Nach Ansicht von Selig kann Tokenisierung Transaktionen nahezu in Echtzeit abwickeln und das Finanzsystem effizienter machen. Zugleich treiben US-Behörden konkrete Schritte voran, um Handel über Blockchain-Netzwerke zu ermöglichen. Die SEC öffnete in der vergangenen Woche unter Auflagen etwa die Tür für den Handel mit tokenisierten US-Aktien.
Bei der Tokenisierung wird ein bestehender Vermögenswert digital durch einen Token auf einer Blockchain abgebildet. Das ist etwa bei Aktien, Anleihen und anderen Finanzprodukten möglich.
Selig sagte am Dienstag auf der U.S. Treasury Market Conference, Aufseher müssten ihre Märkte auf eine „massive Tokenisierung“ vorbereiten. Auch Blockchain, künstliche Intelligenz (KI), Finanzhandel über Blockchain-Netzwerke und rund um die Uhr geöffnete Märkte erforderten aus seiner Sicht Anpassungen bestehender Regeln.
Ein zentraler Vorteil liegt Selig zufolge darin, dass Transaktionen deutlich schneller abgeschlossen werden können. Auch Sicherheiten könnten nahezu unmittelbar zwischen Clearingstellen, Intermediären und Endkunden verschoben werden.
Er vergleicht den möglichen Umbruch mit dem Wechsel vom Parketthandel zum elektronischen Handel.
Der Übergang von Handzeichen auf dem Börsenparkett zum elektronischen Handel habe das Finanzsystem vorangebracht. Ähnliches könne die Tokenisierung aus seiner Sicht für sämtliche Anlageklassen leisten, sagte Selig.
Die Aussagen fallen in eine Phase, in der auch die SEC konkrete Schritte unternimmt. Die US-Börsenaufsicht führte in der vergangenen Woche eine befristete „Innovation Exemption“ für sogenannte Tokenized Securities Venues ein.
Diese Handelsplätze dürfen unter bestimmten Voraussetzungen digitale Versionen von Aktien, die an großen US-Börsen notiert sind, über Blockchain-Infrastruktur handeln.
Daran sind klare Einschränkungen geknüpft. Tokenisierte Aktien müssen Anlegern dieselben Rechte einräumen wie herkömmliche Aktien, darunter Stimmrechte und Dividendenansprüche. Tokenisiert ein unabhängiger Dritter eine Aktie, muss das zugrunde liegende Unternehmen zudem die Möglichkeit erhalten, Einspruch einzulegen.
SEC-Chef Paul Atkins bezeichnet die Ausnahme als Schritt, um die US-Kapitalmärkte ins digitale Zeitalter zu führen. Die Regelung ist befristet und läuft fünf Jahre nach ihrer Veröffentlichung aus. In dieser Zeit will die Aufsicht Erfahrungen mit dieser neuen Handelsform sammeln und klären, welche dauerhaften Regeln erforderlich sind.
Damit ist Tokenisierung immer weniger eine Entwicklung, die nur innerhalb des Kryptomarkts stattfindet. US-Aufseher prüfen inzwischen, wie Blockchain Teil der Infrastruktur hinter traditionellen Finanzprodukten werden kann.
Selig will dabei nicht nur Spielraum für Tokenisierung schaffen. Die CFTC bereitet sich ihm zufolge auch auf Finanzmärkte vor, die dauerhaft geöffnet sind, sowie auf eine größere Rolle von Stablecoins als Sicherheiten im Derivatemarkt.
Wie weitreichend der Wandel am Ende ausfällt, hängt auch von weiteren regulatorischen Vorgaben ab. Die SEC betont, dass ihre derzeitige Ausnahme befristet ist und für Handel, der vollständig über Blockchain-Netzwerke läuft, langfristig belastbarere Regeln nötig sind.
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