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Die Bitcoin-Strategie (BTC) von Strategy hat sich in den vergangenen Wochen spürbar verändert. Das Unternehmen beschafft sich Kapital nicht mehr nur über die Ausgabe neuer Aktien, sondern greift im Rahmen seiner neuen Finanzierungsstrategie auch auf einen Teil seiner Bitcoin-Reserve zurück. Standard Chartered sieht hier Erklärungsbedarf gegenüber Anlegern.
Michael Saylor, Mitgründer und Chairman von Strategy, veröffentlichte gestern erneut eine kryptische Botschaft auf X. „Orange Punkte zeigen nur einen Teil des Bildes“, schrieb er zu einer Grafik von Saylortracker.com. Frühere Beiträge von Saylor gingen häufig neuen Ankündigungen zu Bitcoin-Käufen voraus. Seit Kurzem betreffen sie jedoch auch Bitcoin-Verkäufe.
Die Botschaft kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Strategy von seinem jahrelang wiederholten Grundsatz abrückt, niemals Bitcoin zu verkaufen. Anfang dieses Monats veräußerte das Unternehmen Bitcoin im Wert von 216 Millionen Dollar. Der Gesamtbestand sank damit auf 843.775 BTC, wie aus einer Meldung an die US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht.
Kurz zuvor hatte Strategy mitgeteilt, dass Bitcoin künftig auch zur Absicherung der Dividende auf die STRC-Vorzugsaktien eingesetzt werden kann. Zudem erhöhte das Unternehmen die jährliche Dividende auf diese Aktien auf 12 Prozent und erklärte, die Dollarreserve sei inzwischen auf 2,55 Milliarden Dollar gestiegen.
Nach Einschätzung von Geoff Kendrick, Leiter der Kryptoforschung bei Standard Chartered, sorgt der Kurswechsel vorerst für Verunsicherung. „Die jüngsten Schritte von Strategy und Saylors Kommunikation dazu trüben kurzfristig das Bild für Bitcoin“, schreibt er in einer Analyse.
Kendrick sieht die neue Strategie nicht grundsätzlich kritisch. Im Gegenteil: Er hält es für sinnvoll, dass Strategy seine enorme Bitcoin-Reserve produktiver nutzt, indem sie als Sicherheit für STRC dient. Der Analyst bemängelt jedoch, dass das Unternehmen zu wenig erklärt, wie dieses Modell konkret funktionieren soll. Dadurch blieben Anleger seiner Ansicht nach mit Fragen zur Rolle künftiger Bitcoin-Verkäufe zurück.
Diese Unklarheit könnte laut Kendrick das Vertrauen in STRC belasten. Fällt der Kurs der Aktie, wird es für Strategy schwieriger, neues Kapital aufzunehmen. Zugleich steigt dann die Wahrscheinlichkeit, dass das Unternehmen erneut Bitcoin verkaufen muss. „Eine nachvollziehbare Erklärung der neuen Strategie, bei der Bitcoin als Sicherheit für STRC dient, ist entscheidend, um dem Markt zu vermitteln, dass größere Verkäufe unwahrscheinlich sind.“
Trotz der offenen Fragen bleibt Standard Chartered für Bitcoin optimistisch. Die Bank rechnet weiterhin damit, dass der Bitcoin-Kurs bis zum Jahresende 100.000 Dollar erreichen kann.
Für die Aktionäre von Strategy verlief das vergangene Jahr unterdessen schwierig. Die Stammaktie MSTR schloss am Freitag bei 94,64 Dollar und damit mehr als 70 Prozent unter ihrem höchsten Stand der vergangenen 52 Wochen. Am 30. Juli legt das Unternehmen die Zahlen für das zweite Quartal vor. Nach Einschätzung von Analysten dürften sie auch zeigen, ob Anleger am neuen Kurs von Strategy festhalten.
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