Die Suche nach einem neuen Vorsitzenden der US-Notenbank ist einen Schritt näher gerückt. Nach wochenlangen Gesprächen in Washington wurde die Liste der Anwärter deutlich verkürzt.
Trump-Regierung kürzt Kandidatenliste für die Fed-Spitze
Die Regierung von Donald Trump hat die Liste der Kandidaten für den neuen Vorsitz der Federal Reserve (Fed) von elf auf fünf Namen reduziert, meldet CNBC. Die Auswahl erfolgte nach einer Reihe von Interviews unter Leitung von Finanzminister Scott Bessent.
Die verbliebenen Anwärter sind:
- Michelle Bowman – derzeitige Vizevorsitzende der Fed für Aufsicht
- Christopher Waller – amtierender Fed-Gouverneur
- Kevin Hassett – Direktor des National Economic Council
- Kevin Warsh – ehemaliger Fed-Gouverneur
- Rick Rieder – CIO Fixed Income bei BlackRock
Die endgültige Entscheidung wird erst nach Thanksgiving erwartet, das auf den 27. November fällt. Es dauert etwas länger, auch weil Bessent derzeit an IWF/Weltbank-Treffen beteiligt ist und Trump auf einer Asienreise begleitet. Möglicherweise wird der ausgewählte Kandidat zunächst als Gouverneur nominiert, je nachdem, welche Amtszeit zuerst frei wird.
Rick Rieder von BlackRock, dem weltweit größten Vermögensverwalter, soll in den Gesprächen Eindruck gemacht haben. Seine Erfahrung außerhalb der Fed und sein starkes Standing an der Wall Street würden ihn zu einem ernstzunehmenden Favoriten machen.
Politischer Druck auf die Fed nimmt zu
Der amtierende Vorsitzende der Fed ist Jerome Powell, der 2018 von Donald Trump ernannt wurde. Seine zweite Amtszeit endet am 15. Mai 2026. Seit Trumps Wiederwahl kritisiert Trump Powell offen.
Der Präsident drängt seit Längerem auf Zinssenkungen, unter anderem wegen der enormen Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten, die derzeit bei rund 38 Billionen Dollar liegt. Diese Schulden lasten beim aktuellen Zinsniveau schwer auf den Staatsfinanzen. Gegen Trumps Wunsch setzte Powell erst im September die erste Zinssenkung des Jahres durch.
Zudem erhöht Trump den Druck auf die Federal Reserve weiter. Nach Kritik am amtierenden Vorsitzenden Jerome Powell geriet im August auch Fed-Gouverneurin Lisa Cook unter Beschuss.
Trump behauptet, dass Lisa Cook in Hypothekenbetrug verwickelt gewesen sei. Das wirft jedoch Sorgen über den politischen Einfluss auf eine Institution auf, die traditionell unabhängig agiert. Der Fall um Cook folgte zudem auf den Abgang von Adriana Kugler, die durch den Trump-Getreuen Stephen Miran ersetzt wurde. Sollte Cook tatsächlich ausscheiden, bekäme Trump erneut Einfluss auf das stimmberechtigte Federal Open Market Committee (FOMC).
Unterdessen richtet der Markt den Blick auf Ende Oktober, wenn die Federal Reserve erneut über den Leitzins entscheidet. Die Erwartungen am Terminmarkt bleiben optimistisch. So wird die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte derzeit auf 98,3 Prozent geschätzt.
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