Stablecoins wachsen rapide und gewinnen zunehmend an Einfluss im Finanzsystem. Das bereitet der großen internationalen Bank Standard Chartered Sorgen, die vor weitreichenden Folgen jenseits des Kryptomarkts warnt.
Stablecoins untergraben traditionelle Banken
Geoff Kendrick, Leiter der digitalen Forschung bei Standard Chartered, sieht in Stablecoins eine direkte Bedrohung für Bankeinlagen. In einem neuen Bericht, der von Cointelegraph eingesehen wurde, erklärt er, dass für jeden in Umlauf gebrachten Dollar in Stablecoins etwa 33 Cent an Spareinlagen aus dem Bankensystem abfließen.
Insbesondere regionale US-Banken sind davon betroffen. „Stablecoins stehen in direkter Konkurrenz zu Bankeinlagen“, schreibt Kendrick. „Das setzt vor allem kleinere Banken unter Druck, da sie stark auf Zinserträge aus Spareinlagen angewiesen sind.“
Die größte Bedrohung besteht in den Vereinigten Staaten. Dort werden die meisten Stablecoins ausgegeben, und gerade die regionalen Banken sind besonders anfällig. Große Investmentbanken würden hingegen relativ wenig von dieser Entwicklung betroffen sein.
Geld fließt ab und kehrt nicht zurück
Die Bedenken wachsen, weil Stablecoin-Emittenten ihre Reserven kaum bei Banken hinterlegen. Tether, das Unternehmen hinter USDT, hält schätzungsweise nur 0,02 Prozent seiner Reserven als Bankeinlagen. Circle, das USDC herausgibt, schneidet mit 14,5 Prozent etwas besser ab.
Dennoch verschwindet das Geld, das von Bankkonten in Stablecoins fließt, weitgehend aus dem Bankensystem und kehrt kaum zurück.
Laut Analyst Geoff Kendrick kommt etwa ein Drittel der Nachfrage nach Stablecoins aus entwickelten Märkten. Das bedeutet, dass echtes Sparvermögen aus dem traditionellen Finanzsystem abgezogen wird.
Sollte der Stablecoin-Markt auf eine Größe von 2 Billionen Dollar anwachsen, könnten bis 2028 nach Einschätzung von Standard Chartered bis zu 500 Milliarden Dollar an Bankeinlagen aus entwickelten Ländern verschwinden.
Zum Vergleich: Der aktuelle Marktwert aller Stablecoins liegt bei rund 316 Milliarden Dollar. USDT und USDC machen zusammen etwa 82 Prozent dieses Gesamtwerts aus.
Bankenlobby fordert Verbot von Stablecoin-Zinsen
Um dieses Risiko zu mindern, will die US-Bankenlobby unter Führung der American Bankers Association (ABA) unbedingt ein Verbot von Zinsen auf Stablecoins in das CLARITY Act aufnehmen.
Das CLARITY Act ist ein Vorschlag für ein US-Gesetz, das klare Regeln für die Aufsicht über Kryptowährungen schaffen soll. Es soll klären, welche Kryptowährungen unter bestehende Finanzvorschriften fallen und ob die Securities and Exchange Commission (SEC) oder die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) darüber entscheiden darf.
Die Banken befürchten, dass ohne ein Zinsverbot sonst Billionen von Dollar an Spareinlagen aus dem traditionellen Bankensystem abfließen könnten. Im Gegensatz sehen Kryptounternehmen das Verbot als unnötige und schädliche Einschränkung.
Eine endgültige Entscheidung steht noch aus. Die Behandlung des CLARITY Act wurde erneut verschoben, da sich der Senat derzeit auf andere Themen wie den Wohnungsmarkt konzentriert.
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