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Der rasante Anstieg von Stablecoins könnte unerwartete Auswirkungen auf die Staatsfinanzen der USA haben. Laut der britischen Bank Standard Chartered könnte das Wachstum in den kommenden Jahren zu einer zusätzlichen Nachfrage nach US-Staatsanleihen in Höhe von 1 Billion Dollar führen. Wie funktioniert das?
Standard Chartered geht davon aus, dass der globale Markt für Stablecoins von derzeit etwa 300 Milliarden Dollar auf 2 Billionen Dollar im Jahr 2028 anwachsen wird, wie aus einem aktuellen Forschungsbericht hervorgeht. Dieses starke Wachstum könnte erhebliche Auswirkungen auf den Markt für US-Staatsanleihen haben.
Mehr als 99 Prozent des Stablecoin-Marktes werden von digitalen US-Dollar dominiert. Die Herausgeber wie Tether (für USDT) und Circle (für USDC), die zusammen etwa 82 Prozent des Marktanteils ausmachen, decken ihre Coins unter anderem mit Anleihen ab.
Aufgrund dieser Dominanz des Dollars führt ein starkes Wachstum des Stablecoin-Marktes automatisch auch zu einem starken Anstieg der Nachfrage nach sogenannten Treasury Bills, auch T-Bills genannt. Dabei handelt es sich um kurzfristige US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von null bis drei Monaten.
Laut den Analysten Geoffrey Kendrick und John Davies von Standard Chartered könnte dieses Wachstum zu einer zusätzlichen Nachfrage nach T-Bills im Umfang von 800 Milliarden bis 1 Billion Dollar führen.
Marktführer Tether hält laut dem aktuellsten Reservebericht mehr als 83 Prozent seiner Reserven in US-T-Bills. Damit gehört das Unternehmen zu den größten Haltern von kurzfristigen US-Staatsanleihen weltweit. Neben diesen Anleihen hält Tether auch Barmittel, Gold und Bitcoin (BTC), um seinen Stablecoin zu stützen.
Wenn diese zusätzliche Nachfrage tatsächlich entsteht, könnte das erhebliche Konsequenzen für das US-Finanzministerium haben. Die Nachfrage nach kurzfristigen Staatspapieren könnte sogar das Angebot übersteigen.
Laut der Bank könnte die Regierung darauf reagieren, indem sie mehr kurzfristige Schulden ausgibt und dafür weniger langfristige Anleihen, wie etwa dreißigjährige Staatsanleihen.
Die Analysten Geoffrey Kendrick und John Davies berechneten sogar, dass die USA die Ausgabe von dreißigjährigen Anleihen bis zu drei Jahre lang vorübergehend einstellen könnten, wenn 900 Milliarden Dollar von langen auf kurze Laufzeiten verschoben werden.
Eine solche Verschiebung hätte dann Auswirkungen auf den gesamten Zinsmarkt. Wenn weniger langfristige Anleihen ausgegeben werden, könnten die langfristigen Zinsen sinken. Gleichzeitig wird die Regierung dann abhängiger von kurzfristiger Finanzierung.
Das bringt jedoch Risiken mit sich. Kurzfristige Schulden müssen häufiger refinanziert, d. h. immer wieder mit neuen Krediten finanziert werden. Wenn Investoren zu einem bestimmten Zeitpunkt weniger bereit sind, T-Bills zu kaufen, kann dies zu Unruhe auf den Finanzmärkten führen.
Darüber hinaus erwartet Standard Chartered, dass das Wachstum von Stablecoins bis 2028 bis zu 500 Milliarden Dollar an Bankeinlagen abziehen könnte. Dieses Geld würde dann von traditionellen Banken über Stablecoin-Emittenten in Staatsanleihen fließen.
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