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Nach Monaten der Euphorie verliert die KI-Rally an der Wall Street offenbar an Schwung. Halbleiterwerte gerieten am Dienstag deutlich unter Druck, während sich Anleger fragen, ob die milliardenschweren Investitionen in künstliche Intelligenz die hohen Börsenbewertungen weiterhin rechtfertigen.
Der Halbleitersektor, der in diesem Jahr zu den klaren Gewinnern zählte, gab um 4,5 Prozent nach. Auch der Nasdaq 100 schloss im Minus. Der breitere Markt hielt sich dagegen vergleichsweise stabil. Das deutet darauf hin, dass Anleger bei KI-Aktien Gewinne mitnehmen und verstärkt nach Chancen in bislang zurückgebliebenen Sektoren suchen.
Der Chipsektor hat zuletzt das stärkste Quartal seiner Geschichte erlebt. Die sprunghaft gestiegene Nachfrage nach KI-Chips und Rechenzentren trieb die Kurse von Unternehmen wie Nvidia, SK Hynix und Samsung monatelang nach oben.
Nun lässt die Begeisterung offenbar nach. Selbst die Rekordzahlen von Samsung konnten Anleger nicht überzeugen. Analysten zufolge waren die positiven Nachrichten bereits weitgehend in den Kursen eingepreist, weshalb viele Investoren Gewinne mitnahmen.
Nach Einschätzung von Ulrike Hoffmann-Burchardi von UBS ändert das wenig an den Perspektiven für künstliche Intelligenz. Sie rechnet weiterhin damit, dass der Sektor in den kommenden Jahren wächst. Zugleich erwartet sie, dass sich die Börsenrally verbreitert. Davon könnten nicht nur Chipkonzerne, sondern auch andere Branchen profitieren.
Auch Mike Wilson, Aktienstratege bei Morgan Stanley, sieht diese Verschiebung. Seiner Einschätzung nach verliert der starke Lauf der Halbleiterwerte an Dynamik, während Kapital allmählich in Aktien fließt, die in diesem Jahr zurückgeblieben sind.
„Eine derart große Spreizung zwischen den Sektoren lässt sich nicht unbegrenzt aufrechterhalten. Irgendwann fließt das Geld wieder in andere Marktbereiche“, sagte Wilson.
Neben der Verkaufswelle bei KI-Aktien beobachten Anleger auch die geopolitische Lage aufmerksam. Der Ölpreis stieg, nachdem in der Straße von Hormus drei Schiffe angegriffen worden waren. Das verstärkte die Sorgen vor möglichen Störungen der weltweiten Ölversorgung.
Ein höherer Ölpreis könnte die Inflation erneut anheizen und die Notenbanken dazu zwingen, die Zinsen länger hoch zu halten. Diese Unsicherheit zeigte sich auch am Anleihemarkt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg auf rund 4,5 Prozent.
In der kommenden Woche beginnt in den USA die Berichtssaison mit den großen Banken. Kurz darauf folgen die Big-Tech-Konzerne, die die Börse in den vergangenen Monaten nahezu im Alleingang nach oben gezogen haben.
Genau dort sieht Börsenveteran Ed Yardeni das größte Risiko. Die Erwartungen sind hoch, vor allem bei Unternehmen, die stark vom KI-Boom profitieren. Enttäuschen Ergebnisse oder Ausblicke, könnte das Technologieaktien erneut spürbar unter Druck setzen.
Für den breiteren Markt muss das laut Yardeni jedoch nicht negativ sein. Wenn Anleger ihr Kapital weiter in Sektoren umschichten, die in diesem Jahr zurückgeblieben sind, und diese Unternehmen starke Quartalszahlen vorlegen, kann der Aktienmarkt insgesamt seinen Aufwärtstrend fortsetzen.
Am Beispiel SpaceX sieht ING, dass Kurse immer häufiger von Narrativen, Stimmung und Privatanlegern geprägt werden – nicht allein von Kennzahlen.
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