Der französische Finanzminister Roland Lescure forderte am Freitag mehr Euro-Stablecoins und tokenisierte Einlagen bei europäischen Banken. Dies stellt eine bemerkenswerte Kursänderung aus Paris dar, wo zuvor auf die Eindämmung privater digitaler Währungen gedrängt wurde.
Paris ändert die Haltung
„Das ist, was wir brauchen und wollen“, sagte Lescure am Freitag in vorab aufgezeichneten Aussagen für eine Kryptokonferenz in Paris, laut Reuters. Der Minister bezeichnete das relativ geringe Volumen an Euro-Stablecoins im Vergleich zu Dollar-unterstützten Varianten als „nicht zufriedenstellend“.
„Ich ermutige Banken auch dringend, die Einführung von tokenisierten Einlagen weiter zu untersuchen“, fügte Lescure hinzu.
Tokenisierte Einlagen sind Bankguthaben in digitaler Tokenform auf einer Blockchain, die schnellere und kostengünstigere Zahlungen ermöglichen. Ein Stablecoin stammt von einem privaten Unternehmen außerhalb des Bankensystems, während eine tokenisierte Einlage echtes Bankgeld bleibt, nur in digitalem Gewand.
Diese Haltung steht im Gegensatz zu der des Chefs der Banque de France, François Villeroy de Galhau. Er geriet im Januar in Davos mit Coinbase-CEO Brian Armstrong über Stablecoins aneinander.
„Die größte Bedrohung ist die Privatisierung des Geldes und der Verlust der monetären Souveränität“, warnte Villeroy damals.
Auch Lescures Vorgänger Bruno Le Maire verfolgte eine strikte Linie gegen Stablecoins. Er erklärte, dass sie „keinen Platz auf europäischem Boden“ hätten und eine Bedrohung für „die Souveränität der Nationen“ darstellten.
Im Jahr 2023 wurde Le Maire mit einem EU-Dokument in Verbindung gebracht, in dem die Europäische Kommission Pläne offenbarte, um zu verhindern, dass Stablecoins traditionelles Geld in großem Umfang ersetzen.
Dollar dominiert, Euro bleibt zurück
Die Zahlen sprechen für sich. Der globale Stablecoin-Markt erreichte Anfang April erstmals 320 Milliarden Dollar. Davon sind fast 99,7 Prozent Dollar-unterstützt. Der gesamte Euro-Stablecoin-Sektor erreicht lediglich etwa 890 Millionen Dollar, rund 358-mal weniger.
Seit Donald Trump im vergangenen Jahr den GENIUS Act unterzeichnete, der klare Regeln für Dollar-Stablecoins festlegt, investieren Banken weltweit Geld und Ressourcen in die Technologie. Der US-Finanzminister Scott Bessent prognostizierte kürzlich, dass der Markt bis 2030 um das Zehnfache wachsen könnte.
Um diese Dollardominanz zu brechen, haben sich zwölf europäische Banken für einen eigenen regulierten Euro-Stablecoin zusammengetan. Das Banken-Konsortium Qivalis, dem unter anderem die ING angehört, plant eine Einführung in der zweiten Jahreshälfte.
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