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Stablecoin-Schwergewicht Circle hat an der Wall Street einen schweren Handelstag erlebt. Die Aktie des USDC-Emittenten brach gestern um mehr als 17 Prozent ein. Auslöser war ein neues Stablecoin-Projekt von über 140 Unternehmen, darunter Schwergewichte wie BlackRock, Visa und Mastercard. Wird daraus eine ernsthafte Gefahr für Circle?
Circle, seit inzwischen einem Jahr an der Börse, geriet gestern nach der Ankündigung von Open USD (OUSD) stark unter Druck. Gegen Nachmittag, kurz nach Handelsbeginn an der Wall Street, wurden die Pläne vorgestellt. Die CRCL-Aktie fiel daraufhin von 72,25 Dollar auf unter 63 Dollar.

So niedrig notierte das Papier zuletzt am 24. Februar. Am Montag hatte CRCL noch bei 75,96 Dollar geschlossen. Seitdem ist fast ein Fünftel des Börsenwerts verloren gegangen, auf Monatssicht beläuft sich das Minus sogar auf mehr als 40 Prozent.
Vom Hoch bei 140 Dollar Mitte Mai ist der Kurs inzwischen um mehr als 55 Prozent gefallen. Der Börsenwert sank damit von fast 35 Milliarden Dollar auf knapp 16 Milliarden Dollar. Das Rekordhoch von fast 263 Dollar wurde wenige Wochen nach dem Börsengang erreicht.
Open USD ist ein neuer Dollar-Stablecoin, der noch in diesem Jahr starten soll. Das Projekt ist als gemeinsame, neutrale Infrastruktur angelegt und nicht als Produkt eines einzelnen Unternehmens. Genau das macht OUSD auf Anhieb zu einem ernstzunehmenden Wettbewerber für Circle.
Das Geschäftsmodell von Circle beruht fast vollständig auf den Zinsen aus den Dollarreserven hinter USDC. Diese Reserven liegen größtenteils in kurzlaufenden US-Staatsanleihen, auch weil der US-amerikanische GENIUS Act Emittenten verpflichtet, ausschließlich in solche sicheren Instrumente zu investieren. 2024 entfielen 99 Prozent des Umsatzes auf diese Zinserträge.
USDC ist mit einem Marktwert von 73 Milliarden Dollar der zweitgrößte Stablecoin der Welt, nur Tethers USDT ist mit 145 Milliarden Dollar größer. Zusammen decken beide nahezu das gesamte Stablecoin-Volumen ab.
Hinter OUSD steht ein Bündnis aus mehr als 140 Unternehmen. Mehrere Namen sind bereits seit Längerem im Stablecoin-Geschäft aktiv. Klarna brachte im November einen eigenen Coin auf den Markt, Mastercard übernahm Anfang des Jahres den Infrastrukturanbieter BVNK, und Stripe setzt schon länger stark auf die Technologie.
Ein Name auf der Liste trifft Circle jedoch besonders empfindlich: Coinbase. Die Kryptobörse war über Jahre der wichtigste Vertriebspartner von USDC und erhielt im vergangenen Jahr 908 Millionen Dollar für diese Zusammenarbeit. Die Vertriebsvereinbarung muss im August verlängert werden.
Es gibt allerdings auch Gegenstimmen. Die Investmentbank William Blair wertet die Verkaufswelle als Überreaktion und hält an ihrer Kaufempfehlung für die Circle-Aktie fest.
Nach Einschätzung der Bank bleibt Circle dank seines Vorsprungs, seiner tiefen Liquidität und seiner etablierten Zahlungsinfrastruktur gut positioniert. Die Analysten von Jefferies äußerten sich noch kritischer und sehen in OUSD ein Angebot, für das es bislang kaum einen klaren Bedarf gibt.
Owen Lau von Clear Street verweist auf frühere Konsortium-Stablecoins, die kaum Traktion entwickelten. Das Paxos-Projekt USDG, das mit ähnlichen Versprechen angetreten war, wuchs seit Ende 2024 lediglich auf 3 Milliarden Dollar. USDC kommt auf 73 Milliarden Dollar.
Circle-Chef Jeremy Allaire betonte kurz nach der Ankündigung, USDC sei weiterhin der vertrauenswürdigste und am breitesten genutzte Stablecoin der Welt.
Visa, BlackRock und Coinbase bringen gemeinsam Open USD als neuen Stablecoin für weltweite Zahlungen auf den Markt – mit Unterstützung von mehr als 140 Unternehmen.
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