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Eine Woche vor Ablauf der MiCA-Frist zog Binance am 24. Juni seinen Antrag zurück und verließ Europa. Nun prüft die Exchange neue Wege, um doch noch eine MiCA-Lizenz zu erhalten. Laut Co-CEO Richard Teng haben mehrere Aufsichtsbehörden die Kryptobörse aufgefordert, einen Antrag einzureichen.
Teng sagte auf der Reuters NEXT Asia-Konferenz in Singapur, die Gespräche befänden sich noch in einem frühen Stadium. Um welche europäischen Länder es geht, wollte er nicht sagen.
MiCA ist der gemeinsame europäische Regulierungsrahmen für Kryptounternehmen. Seit dem Ende der Übergangsfrist am 1. Juli müssen Kryptounternehmen europäische Kunden grundsätzlich über eine Gesellschaft mit gültiger MiCA-Lizenz bedienen.
Binance zog seinen Antrag in Griechenland am 24. Juni zurück. Laut Berichten wollte die griechische Aufsicht den Antrag ablehnen. Teng bezeichnete den Vorgang als unerwartet:
„Für uns kam das überraschend. Wir hatten einen vollständig regelkonformen Antrag eingereicht, was auch von den Aufsichtsbehörden bestätigt wurde.“
Binance entschied sich schließlich, den Antrag selbst zurückzuziehen. Andernfalls hätten europäische Kunden laut Teng kaum Zeit gehabt, ihre Guthaben zu verlagern.
Nach Angaben von Teng überwiesen 70 Prozent der europäischen Kunden, die Gelder von Binance abzogen, ihre Kryptowerte auf selbstverwaltete Wallets. Dabei verwalten Nutzer ihre Private Keys selbst und behalten damit die vollständige Kontrolle über ihre Coins. Nur 30 Prozent verschoben ihre Guthaben zu einer anderen Exchange mit MiCA-Lizenz.
Teng stellt deshalb den Verbraucherschutz unter MiCA infrage. Selbstverwaltete Wallets fallen weitgehend nicht unter eine direkte Aufsicht, zugleich sind Nutzer selbst für Sicherheit und Wiederherstellungscodes verantwortlich.
Die Folgen zeigten sich in den Kapitalströmen. Binance verzeichnete in der Woche ab dem 29. Juni Nettoabflüsse von 1,23 Milliarden Dollar, mehr als dreimal so viel wie eine Woche zuvor. Gleichzeitig profitierten Wettbewerber mit europäischer Lizenz.
Außerhalb Europas expandiert Binance unterdessen weiter, vor allem in Asien. Die Börse ist unter anderem in Japan, Südkorea, Thailand, Indonesien und Australien aktiv. Über eine Partnerschaft kehrte Binance zudem auf die Philippinen zurück, auch wenn dort für bestimmte Zahlungs- und Kryptodienste noch separate Lizenzen erforderlich sind.
Coinbase hat von der britischen Finanzaufsicht Financial Conduct Authority eine Lizenz für Anlagedienstleistungen erhalten.
Die Kryptobörse Kraken arbeitet über Litauen an einer vollständigen europäischen Banklizenz und wäre damit die erste Kryptobörse mit diesem Status.
Die Abflüsse bei Binance erreichten nach dem erzwungenen Rückzug aus Europa den höchsten Stand seit 2023. Vor allem Ethereum wird in großem Stil abgezogen.
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