Eine Reihe deutlicher Kommentare zum rasanten Wachstum des KI-Sektors sorgt erneut für Unruhe an den Finanzmärkten. Obwohl die Investitionen in KI-Hardware und Rechenzentren weiter steigen, fragen sich mehrere Analysten, ob dieses Wachstum wirklich tragfähig ist. Die zentrale Frage lautet, ob der Markt nicht schon wieder einem zu rosigen Szenario hinterherrennt.
Nvidia reagiert auf Burry-Kritik an einer KI-Blase
Die Spannungen nahmen in dieser Woche zu, als Nvidia stillschweigend ein sieben Seiten langes Memo an große Analysten verschickte, in dem das Unternehmen direkt auf die Kritik des bekannten „Big Short“-Investors Michael Burry eingeht. Er wurde berühmt, weil er während der US-Immobilienkrise 2008 ein Vermögen verdiente.
Nach früheren Berichten von Barron’s verweist das Memo auf mehrere Beiträge von Burry auf X, in denen er wiederholt vor einer neuen Blase warnt.
Die Diskussion fällt in eine Phase, in der Nvidia an der Börse unter Druck steht. Aufgrund der wachsenden Konkurrenz – insbesondere durch Google, das zunehmend eigene KI-Chips einsetzt – hat Nvidia in den vergangenen Wochen rund 250 Milliarden Dollar an Marktwert verloren. Der deutliche Kursrückgang folgt auf Hinweise, dass die Nachfrage nach KI-Chips schneller wächst, als Nvidia liefern kann, sodass Kunden häufiger auf Alternativen ausweichen.
Burry argumentiert, dass die aktuelle KI-Welle an den Telekom-Boom der späten Neunzigerjahre erinnert. Seiner Ansicht nach treffen Unternehmen ähnliche Annahmen über Wachstum und Hardwareeinsatz, mit denen milliardenschwere Investitionen begründet werden. In einem Beitrag auf Substack schrieb er: „Nvidia hat ein Memo an die Wall Street geschickt, um meine Argumente zu Aktienvergütungen und Abschreibungen zu widerlegen. Ich stehe zu meiner Analyse.“
In dem Memo korrigiert Nvidia unter anderem Burrys Berechnung der Aktienrückkäufe. Nach Angaben des Unternehmens wurden seit 2018 Aktien im Wert von 91 Milliarden Dollar zurückgekauft – und nicht 112,5 Milliarden Dollar, wie Burry behauptet. Nvidia wirft ihm vor, die Steuer auf zugeteilte Mitarbeiteraktien zu Unrecht mitgerechnet zu haben, während die Aktienvergütung nach Darstellung des Unternehmens im Rahmen dessen liegt, was bei anderen großen Tech-Konzernen üblich ist.
Debatte über die Lebensdauer von Nvidia-Chips
Nvidia geht zudem auf die Kritik an den Abschreibungszeiträumen ein. Burry deutet an, dass Kunden die Lebensdauer der Nvidia-GPUs überschätzen, um hohe Investitionen zu rechtfertigen. Nvidia erklärt, Kunden würden ihre Chips in der Regel über vier bis sechs Jahre abschreiben und ältere Modelle wie die A100 aus dem Jahr 2020 würden nach wie vor intensiv genutzt.
Außerdem reagiert Nvidia auf Burrys Warnung vor sogenannter „circular financing“, bei der Unternehmen durch strategische Beteiligungen die Nachfrage nach ihren eigenen Produkten künstlich stützen könnten. Nach Angaben des Konzerns betrifft dies jedoch nur einen kleinen Teil des Umsatzes.
Burry vergleicht Nvidia in seiner Analyse mit Cisco, einem großen US-Anbieter von Netzwerktechnik, der während der Dotcom-Blase zu einer Schlüsselfigur der massiven Investitionswelle in Internetinfrastruktur wurde.
Kurz vor dem Platzen dieser Blase stellte sich schließlich heraus, dass ein Großteil der verlegten Glasfaserkabel überhaupt nicht genutzt wurde. Nach Ansicht Burrys stellt sich heute die Frage, ob die Pläne für KI-Infrastruktur nicht auf ähnlich optimistischen Annahmen beruhen.
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