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Die größten ausländischen Geldgeber Washingtons trennen sich von US-Schuldtiteln. Japan, China und das Vereinigte Königreich reduzierten ihre Bestände im Juni am stärksten, wie neue Zahlen des US-Finanzministeriums zeigen.

Jedes Land hat dafür eigene Gründe. Zusammengenommen zeigt sich jedoch eine Verschiebung, die bereits jetzt für bedenklich hohe Zinsniveaus sorgt.

Japan und China verkaufen Staatsanleihen

Ausländische Investoren hielten Ende Juni US-Staatsanleihen im Wert von 9,299 Billionen Dollar, nach 9,371 Billionen Dollar einen Monat zuvor. Das entspricht einem Rückgang um 72,1 Milliarden Dollar und ist der dritte Rückgang in vier Monaten.

Japan baute am stärksten ab. Der Bestand sank um 26,4 Milliarden Dollar oder 2,3 Prozent auf 1,116 Billionen Dollar. Tokio bleibt damit dennoch seit 2019 der größte ausländische Halter.

Der Hintergrund ist vor allem der Wechselkurs. Der Yen fiel in diesem Jahr gegenüber dem Dollar auf den tiefsten Stand seit vier Jahrzehnten, woraufhin Japan Berichten zufolge mit rund 60 Milliarden Dollar intervenierte.

Eine solche Intervention funktioniert vergleichsweise schlicht. Die Notenbank verkauft Dollar und kauft dafür Yen; das Geld stammt teilweise aus dem Verkauf von Schuldtiteln.

Washington unterstützte das – allerdings nicht aus Gefälligkeit. Japanische Verkäufe bringen zusätzliche Anleihen an den Markt und treiben die US-Renditen nach oben, genau das will Finanzminister Scott Bessent vermeiden.

Am 30. Juli griff Tokio bei 163,73 Yen je Dollar ein, die Vereinigten Staaten schlossen sich an. Innerhalb von zwei Tagen flossen Schätzungen zufolge 85 Milliarden Dollar ab.

Der Effekt blieb begrenzt. Der Kurs liegt inzwischen wieder über dem Niveau, bei dem die USA einstiegen, und nur noch rund vier Yen von der ersten Intervention entfernt.

Um diese Verkaufswelle einzudämmen, weitete Bessent bereits eine Notfazilität bei der US-Notenbank aus. Ausländische Notenbanken können dort Dollar gegen Staatsanleihen als Sicherheit leihen, damit sie diese Papiere nicht verkaufen müssen.

China stieß Anleihen im Wert von 25,9 Milliarden Dollar ab, ein Rückgang um 4 Prozent auf 633,4 Milliarden Dollar. Das ist der niedrigste Stand seit 2008.

Peking interveniert nicht zugunsten der eigenen Währung, setzt aber eine seit Jahren sichtbare Strategie fort. Das Land diversifiziert seine Reserven und kauft dafür vor allem Gold.

Das Vereinigte Königreich verzeichnete einen Rückgang seiner Bestände um 8,7 Milliarden Dollar auf 939,9 Milliarden Dollar. Diese Zahl sagt weniger aus, als sie vermuten lässt, denn London ist ein Verwahrplatz, an dem Investoren aus aller Welt ihre Papiere halten.

Von einer Flucht kann dennoch keine Rede sein. Auf Transaktionsbasis kauften ausländische Anleger im Juni netto sogar US-Staatsanleihen im Wert von 6,8 Milliarden Dollar, zudem flossen 181,4 Milliarden Dollar in US-Aktien.

Gold verdrängt Schuldtitel von der Spitze

Gold überholte in diesem Frühjahr erstmals seit Jahrzehnten US-Staatsanleihen als wichtigste Reserveanlage der Notenbanken.

Ende 2025 entfielen 27 Prozent aller weltweiten Reserveaktiva auf Gold, nach 20 Prozent ein Jahr zuvor. Der Anteil von US-Schuldtiteln sank von 25 auf 22 Prozent, wie die Europäische Zentralbank (EZB) berechnete.

Der Auslöser liegt im Jahr 2022. Als die Vereinigten Staaten russische Dollarreserven einfroren, wurde anderen Ländern vor Augen geführt, wie verwundbar Vermögenswerte in westlicher Hand sein können.

„Geopolitische Spannungen treiben die starke Goldnachfrage der Notenbanken weiter an“, schrieb EZB-Präsidentin Christine Lagarde in dem Bericht.

Vor allem China, Indien, Polen und die Türkei bauten seither ihre Goldbestände aus. Der Goldpreis verdoppelte sich in zwei Jahren nahezu und erreichte im Januar ein Rekordhoch von mehr als 5.500 Dollar je Feinunze. Danach setzte eine Korrektur ein.

Die Spirale, in der Washington steckt

Die Verkäufe kommen für den US-Anleihemarkt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die US-Staatsverschuldung nähert sich 40 Billionen Dollar, die Zinslasten steuern in diesem Jahr auf 1 Billion Dollar zu und liegen damit über dem gesamten Verteidigungshaushalt.

Die Rendite dreißigjähriger Staatsanleihen liegt bei rund 5,32 Prozent, dem höchsten Niveau seit 2007. Jeder Verkauf aus Tokio oder Peking bringt zusätzliches Papier an den Markt, und ein höheres Angebot bedeutet höhere Renditen, um weiterhin Käufer zu finden.

Die kurzfristigen Zinsen folgen vor allem der US-Notenbank. Die langfristigen Zinsen reagieren deutlich weniger darauf und preisen vor allem Inflation, Fiskalpolitik und Unsicherheit ein.

Diese langfristigen Zinsen sind der Grundpreis des Geldes. Steigen sie, wirkt sich das auf alles aus, was langfristig finanziert wird, von Hypotheken bis zu Unternehmenskrediten.

Wirft eine risikofreie Staatsanleihe 5 Prozent ab, ist das die Rendite, auf die man verzichtet, wenn man sich für etwas anderes entscheidet. Die Bewertungen von Gold und Bitcoin (BTC) hängen vollständig davon ab, was Käufer zu zahlen bereit sind; sie erwirtschaften schließlich keine laufenden Gewinne. Damit wird es teurer, diese Assets zu halten.

Bei Aktien läuft es über den Diskontsatz, also den Prozentsatz, mit dem künftige Gewinne auf ihren heutigen Wert abgezinst werden. Steigen die Zinsen, wiegen Gewinne in zehn Jahren weniger schwer, und die Bewertungen teurer Wachstumsaktien geraten am stärksten unter Druck.

Auch die Hürde für Investitionen steigt. Sie müssen schließlich mehr abwerfen als eine risikofreie Staatsanleihe, während zugleich die Finanzierungskosten steigen.

Der Markt blickt vorerst über diese Zinsen hinweg, weil die Gewinnzahlen im KI-Komplex außergewöhnlich stark sind. Gleichzeitig wächst jedoch der Druck auf traditionelle Unternehmen.

Die enormen KI-Investitionen tragen ebenfalls zu den höheren Zinsen bei. Für die US-Regierung ist daraus zugleich eine Spirale geworden, aus der es kaum noch einen Ausweg gibt.

Höhere Zinsen bedeuten höhere Zinslasten, also ein größeres Defizit, damit mehr Anleihen und erneut höhere Zinsen.

Stoppen kann diese Spirale nur die Notenbank, mit Yield Curve Control: Die Federal Reserve begrenzt dann die Renditen und kauft selbst die Papiere, die zu diesem Preis niemand haben will. Das würde allerdings genau jene Inflation anheizen, die Fed-Chef Kevin Warsh nach fünf Jahren wieder auf 2 Prozent zurückführen will.

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