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Regierungen weltweit müssen immer höhere Zinsen zahlen, wenn sie sich langfristig Geld leihen. Die Rendite dreißigjähriger US-Staatsanleihen erreichte in dieser Woche den höchsten Stand seit 2007. Auch in den Niederlanden, Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Japan ziehen die langfristigen Renditen deutlich an.
Hinter dieser Entwicklung stehen mehrere Sorgen zugleich. Anleger fürchten, dass die Inflation länger erhöht bleibt, während Staaten hoch verschuldet sind und weiter viel Geld ausgeben. Gleichzeitig erfordert die massive Investitionswelle rund um künstliche Intelligenz Hunderte Milliarden an frischem Kapital. Dadurch nimmt der Wettbewerb um Geld am Anleihemarkt zu.
Besonders auffällig ist die Bewegung in den Vereinigten Staaten. Die Rendite dreißigjähriger US-Staatsanleihen ist seit Ende Juni um knapp 0,4 Prozentpunkte gestiegen und erreichte am Dienstag 5,32 Prozent. Das ist der höchste Stand seit 2007.
Auch außerhalb der Vereinigten Staaten steigen die Finanzierungskosten. Die langfristige Rendite in Frankreich liegt auf dem höchsten Niveau seit 2008, die deutsche auf Ständen, die zuletzt 2011 erreicht wurden. In Großbritannien nähert sich die Rendite vergleichbarer Staatsanleihen der Marke von sechs Prozent.
Japan weist in absoluten Zahlen weiterhin niedrigere Zinsen auf, doch auch dort geht die Entwicklung rasch voran. Die Rendite langlaufender japanischer Staatsanleihen liegt nahe einem Rekordhoch.
Obwohl jedes Land mit eigenen Problemen zu kämpfen hat, sehen Anleger mehrere gemeinsame Ursachen. Der Krieg im Nahen Osten hat die Energiepreise steigen lassen und damit neue Inflationssorgen ausgelöst. Dadurch wächst die Wahrscheinlichkeit, dass die Zentralbanken ihre Zinsen länger hoch halten oder erneut anheben müssen.
Hinzu kommen Sorgen über die Staatsfinanzen. Wenn Länder weiter in großem Umfang Kredite aufnehmen und Geld ausgeben, kommen immer mehr Staatsanleihen an den Markt. Anleger können deshalb höhere Renditen verlangen, bevor sie bereit sind, Geld über Jahrzehnte zu verleihen.
Dazu kommt die massive Investitionswelle in künstliche Intelligenz. Große Technologiekonzerne benötigen viel Geld für Rechenzentren, Chips und Energieversorgung und beschaffen sich dafür zunehmend Kapital über den Anleihemarkt.
Damit konkurrieren Staaten nicht nur untereinander um Anlegergelder, sondern auch mit großen Unternehmen.
Vor allem US-Technologiekonzerne emittieren in hohem Tempo neue Anleihen, häufig mit langen Laufzeiten. Alphabet suchte zuletzt sogar außerhalb der Vereinigten Staaten nach zusätzlichem Kapital und brachte Schuldtitel im Volumen von 5 Milliarden australischen Dollar an den Markt.
Für Anleger entsteht dadurch mehr Auswahl. Wenn finanzstarke Unternehmen attraktive Zinsen bieten, müssen Staaten womöglich ebenfalls höhere Renditen in Aussicht stellen, um genügend Käufer zu finden.
Gleichzeitig verändert sich die Anlegerbasis, die traditionell viele langlaufende Staatsanleihen gekauft hat. Pensionsfonds rücken in einigen Märkten schrittweise von Modellen ab, bei denen künftige Pensionsverpflichtungen mit langlaufenden Anleihen abgesichert werden. Regulierung setzt für manche Fonds zudem Anreize, stärker in Aktien zu investieren.
Auch Zentralbanken und andere öffentliche Akteure spielen eine kleinere Rolle. Dadurch werden Staaten stärker von privaten Anlegern abhängig, die stärker auf Rendite achten und schneller höhere Zinsen verlangen.
Für Donald Trump kommt der Anstieg der US-Renditen zu einem heiklen Zeitpunkt. Die Zwischenwahlen rücken näher, und höhere Finanzierungskosten des Staates schlagen letztlich auch auf Unternehmen und private Haushalte durch.
Steigen die langfristigen Marktzinsen, können unter anderem Hypotheken und Unternehmenskredite teurer werden. Das kann Investitionen und den Immobilienmarkt bremsen.
Auch für die US-Regierung selbst wird die Rechnung größer. Bei einer hohen Staatsverschuldung bedeutet ein höheres Zinsniveau, dass neue Kredite und fällig werdende Schulden bei der Refinanzierung teurer werden.
Die Entwicklung wird damit zu einer Herausforderung für Trump und Finanzminister Scott Bessent. Vor allem wenn die Hypothekenzinsen im Vorfeld der Wahlen weiter steigen, könnte die Lage politisch brisanter werden.
Auch Japan steht unter genauer Beobachtung. Anleger befürchten, dass die Bank of Japan zu langsam auf die Inflation reagiert, während höhere Energiepreise für neuen Preisdruck sorgen könnten.
Gleichzeitig fährt die japanische Zentralbank ihre jahrelange Unterstützung des Anleihemarkts zurück. Dadurch muss ein größerer Teil der japanischen Staatsschuld von anderen Anlegern gekauft werden.
Das ist nicht nur für Japan wichtig. Das Land war jahrelang eine Quelle extrem günstigen Kapitals. Wenn japanische Anleihen attraktivere Renditen bieten, könnten japanische Anleger weniger Anlass haben, ihr Kapital in US-amerikanische und europäische Anleihen zu investieren.
Dennoch sehen nicht alle Marktteilnehmer steigende Renditen ausschließlich als Bedrohung. Kelsey Berro von JPMorgan Asset Management erkennt gerade bei langlaufenden Anleihen wieder mehr Substanz, insbesondere weil die Realzinsen gestiegen sind.
Für Regierungen bleibt die Lage weniger komfortabel. Sie waren über Jahre daran gewöhnt, sich über Jahrzehnte günstig Geld zu leihen. Da Anleger für dieselben Kredite nun immer höhere Zinsen verlangen, wird der weltweite Schuldenberg spürbar teurer.
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