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Der US-Anleihemarkt bleibt nervös. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen ist auf rund 4,73 Prozent gestiegen und liegt damit nahe dem höchsten Stand seit mehr als einem Jahr. Die Marke von fünf Prozent rückt damit allmählich näher.

Der bekannte Marktstratege Ed Yardeni hält Panik dennoch für verfrüht. Nach Einschätzung seines Analysehauses kann die US-Wirtschaft Zinsen zwischen vier und fünf Prozent verkraften. Zugleich nimmt die Anspannung zu: Sorgen über die Staatsverschuldung, die Inflation und die enormen Summen, die Technologiekonzerne für KI-Investitionen aufnehmen, belasten den Markt.

US-Renditen nähern sich wichtiger Schwelle

„Für Panik ist es noch zu früh“, schreiben Strategen um Ed Yardeni. Zugleich beobachten sie genau, ob sogenannte „Bond Vigilantes“ neue Turbulenzen auslösen könnten.

Yardeni prägte den Begriff in den achtziger Jahren selbst. Gemeint sind Anleiheinvestoren, die Staatsanleihen verkaufen, wenn sie der Ansicht sind, dass eine Regierung zu viel Geld ausgibt oder zu wenig gegen Inflation unternimmt. Durch solche Verkäufe fallen die Anleihekurse und die Renditen steigen, wodurch sich die Finanzierungskosten für den Staat erhöhen.

Eine ähnliche Lage gab es im Sommer 2023. Damals stieg die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen binnen weniger Monate von rund vier auf fünf Prozent. Auf diesem Niveau wurden Staatsanleihen für Käufer schließlich attraktiv genug, sodass der Anstieg zum Stillstand kam.

Yardeni hält es für möglich, dass sich dieses Muster wiederholt. Je näher die Rendite an fünf Prozent heranrückt, desto interessanter werden US-Staatsanleihen für Anleger, die Rendite suchen.

Vorerst sieht er daher keinen Grund zur Panik. Da die Rendite inzwischen aber an den oberen Rand seiner erwarteten Spanne rückt, verfolgt er den Anleihemarkt zunehmend aufmerksam.

KI und US-Regierung konkurrieren um dasselbe Kapital

Nicht nur die hohe US-Staatsverschuldung treibt die Renditen nach oben. Nach Einschätzung Yardenis setzt auch die massive Investitionswelle rund um künstliche Intelligenz den Anleihemarkt zusätzlich unter Druck.

Große Technologiekonzerne benötigen Hunderte Milliarden Dollar für Rechenzentren, Chips und Energieversorgung. Einen Teil davon beschaffen sie sich über die Ausgabe neuer Unternehmensanleihen. Gleichzeitig muss die US-Regierung weiterhin enorme Summen aufnehmen, um ihre Haushaltsdefizite zu finanzieren.

Washington und Silicon Valley konkurrieren damit immer stärker um dasselbe Kapital. Anleger haben mehr Auswahl, wem sie Geld leihen, und können deshalb höhere Zinsen verlangen.

Hinzu kommt die Unsicherheit über die Inflation. Der Krieg mit Iran hat den Ölpreis steigen lassen; weitere Anstiege könnten die Teuerung erneut anfachen. Das könnte die Federal Reserve zwingen, die Zinsen länger hoch zu halten oder sogar erneut anzuheben.

Für Yardeni liegt das Risiko vor allem in dieser Kombination. Die US-Regierung nimmt viel Geld auf, Technologiekonzerne benötigen enorme Summen für KI, und höhere Ölpreise könnten die Inflation erneut antreiben. Wenn diese Entwicklungen gleichzeitig anhalten, könnte der Druck auf die US-Renditen weiter zunehmen.

Hohe US-Zinsen treffen auch den Rest der Welt

Die Folgen steigender Renditen bleiben nicht auf die Vereinigten Staaten beschränkt. US-Staatsanleihen gelten weltweit als wichtige Messgröße für Finanzierungskosten. Steigen die Renditen in den USA, kann es dadurch auch für Regierungen, Unternehmen und Haushalte in anderen Ländern teurer werden.

Zudem macht ein höheres US-Zinsniveau den Dollar für internationale Anleger attraktiver. Kapital fließt in Richtung Vereinigte Staaten, wodurch andere Währungen unter Druck geraten können. Das erschwert es etwa Japan, den Yen zu stützen, und China, den Yuan stabil zu halten.

Nach Einschätzung Yardenis sind die sogenannten „Bond Vigilantes“ daher nicht nur in den USA aktiv. Auch anderswo verkaufen Anleger Staatsanleihen aus Sorge über hohe Schulden und anhaltende Inflation. Besonders das Vereinigte Königreich und Japan fallen seinem Analysehaus zufolge wegen ihrer hohen Verschuldung im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung auf.

Vorerst hält Yardeni eine Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen zwischen vier und fünf Prozent noch für beherrschbar. Mit rund 4,73 Prozent nähert sie sich jedoch zunehmend dem oberen Rand dieser Spanne. Entscheidend ist, was passiert, wenn die Marke von fünf Prozent tatsächlich in Reichweite kommt.

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