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Die Vereinigten Staaten haben im Jahr 2025 erstmals über 1.000 Milliarden Dollar an Zinsen auf ihre Staatsschulden gezahlt. Damit übersteigen die Zinskosten die Ausgaben für Verteidigung und Gesundheitsprogramme wie Medicare. Ökonomen sprechen von einem historischen Wendepunkt in der Geschichte der US-Staatsfinanzen.
Laut Zahlen des US-Kongresses haben sich die jährlichen Zinskosten im Vergleich zu 2020 fast verdreifacht. Damals zahlte die Regierung noch 345 Milliarden Dollar an Zinsen. Der rasche Anstieg ist auf zwei Faktoren zurückzuführen: eine deutlich höhere Staatsverschuldung und die starken Zinserhöhungen der letzten Jahre.
Die US-Staatsverschuldung ist inzwischen auf etwa 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gestiegen. Dieses Niveau wurde zuletzt kurz nach dem Zweiten Weltkrieg erreicht. Prognosen des Congressional Budget Office zeigen, dass die Schuldenquote bis 2030 weiter steigen und möglicherweise das historische Rekordniveau von 1946 übertreffen könnte.

Ein wachsender Teil des jährlichen Budgets fließt somit in Zinszahlungen. Etwa die Hälfte der neuen Kredite, die die USA aufnehmen, wird inzwischen benötigt, um bestehende Schulden zu finanzieren. Das macht das System verwundbar: Steigen die Zinsen weiter, erhöhen sich die Kosten automatisch.
Haushaltswächter warnen vor einer sogenannten Schuldenspirale. Wenn Anleger an der Tragfähigkeit der US-Finanzlage zweifeln, könnten sie höhere Zinsen fordern. Das zwingt die Regierung zu noch mehr Kreditaufnahme, was die Zinslast weiter erhöht.
In sozialen Medien und Finanzkommentaren wird inzwischen auf historische Beispiele entgleisender Staatsfinanzen verwiesen. Dabei fällt häufig das Wort ‚Weimar‘, ein Verweis auf die Hyperinflation in Deutschland in den 1920er Jahren. Ökonomen betonen, dass dieser Vergleich übertrieben ist, aber erkennen an, dass die Situation für eine moderne Wirtschaft beispiellos ist.
Gleichzeitig entwickelt sich eine unerwartete Dynamik an der Schnittstelle zwischen Staatsfinanzen und der Kryptobranche. Mit der Einführung des sogenannten GENIUS Act im Jahr 2025 sind Herausgeber digitaler Dollar-Token, sogenannte Stablecoins, verpflichtet, ihre Münzen vollständig mit Dollar oder kurzfristigen US-Staatsanleihen zu decken.
Das bedeutet, dass Stablecoin-Unternehmen zu großen Käufern von US-Staatsanleihen werden. Schätzungen von Banken wie Standard Chartered gehen davon aus, dass dies in einigen Jahren zu einer zusätzlichen Nachfrage nach Schatzpapieren in Höhe von etwa 1.600 Milliarden Dollar führen könnte.
Der US-Finanzminister Scott Bessent sprach zuvor von einer „strukturellen Stärkung der Nachfrage nach Staatsanleihen“ dank der Stablecoins. Damit werden digitale Münzen Teil der Finanzierung des US-Staates.
Diese zusätzliche Nachfrage entsteht zu einem Zeitpunkt, an dem traditionelle ausländische Käufer weniger aktiv werden. Zentralbanken in Ländern wie China haben in den letzten Jahren ihre Bestände an US-Anleihen abgebaut. Herausgeber von Stablecoins könnten diese Lücke teilweise füllen.
Kritiker merken an, dass die USA dadurch zunehmend von finanziellen Konstruktionen abhängig werden, die erst kürzlich entstanden sind. Befürworter sehen darin hingegen einen pragmatischen Ansatz, um den Markt für Staatsanleihen zu erweitern.
Kurzfristig sorgen hohe Zinsen und große Anleiheemissionen für Konkurrenz zu risikobehafteten Anlagen wie Aktien und Bitcoin. Geld kann schließlich relativ sicher mit attraktivem Ertrag angelegt werden.
Langfristig könnte die Situation jedoch den gegenteiligen Effekt haben. Je mehr die Sorgen über Schulden und Kaufkraft zunehmen, desto mehr wächst das Interesse an Alternativen außerhalb des traditionellen Finanzsystems. Für Bitcoin verstärkt dies die Erzählung vom ‚digitalen Gold‘: knapp, unabhängig und nicht direkt mit Staatsschulden verbunden.
Tether hält nach Angaben von Unternehmenschef Paolo Ardoino 150.000 Bitcoin im Wert von 11,5 Milliarden Dollar. Das ist deutlich mehr, als aus dem jüngsten Reservebericht hervorgeht.
Tether meldet einen Quartalsgewinn von 1,5 Milliarden Dollar und zusätzliche Reserven von knapp 8 Milliarden Dollar. USDT bleibt dominant, doch in der Kryptobranche bleiben Fragen zur Transparenz offen.
Scott Bessent betrachtet Kryptowährungen und Stablecoins als Instrumente, um den US-Dollar zu stärken und den weltweiten Einfluss der USA auszubauen.
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