Heute um 14:30 Uhr wird das US-Arbeitsministerium den Arbeitsmarktbericht für den Monat März veröffentlichen. Diese Zahlen haben schon öfter für Turbulenzen auf dem Kryptomarkt gesorgt, aber was können wir heute konkret erwarten?
Kaum Wachstum erwartet
Ökonomen rechnen mit etwa 59.000 neuen Arbeitsplätzen im März. Vor einigen Jahren wäre das eine alarmierend niedrige Zahl gewesen, aber für den aktuellen Arbeitsmarkt ist das bereits überdurchschnittlich.
Die US-Wirtschaft hat im vergangenen Jahr so gut wie keine neuen Arbeitsplätze geschaffen, wodurch die Erwartungen deutlich gesunken sind. Die Erwartungen für die Arbeitslosenquote bleibt unverändert bei 4,4 Prozent.
Im Februar gingen noch 92.000 Arbeitsplätze verloren, teilweise aufgrund eines Streiks von über 30.000 Mitarbeitern des Gesundheitsdienstleisters Kaiser Permanente und des ungünstigen Winterwetters.
„Wir müssen neu definieren, was eine gute oder schlechte Beschäftigungsquote ist“, sagte Guy Berger, Chefökonom bei Homebase, einer Plattform für Personalmanagement. Der Arbeitsmarkt befindet sich in einer Zwickmühle: Unternehmen stellen kaum ein, entlassen aber auch kaum jemanden.
Diese Stagnation hat strukturelle Ursachen. Die Geburtenrate sinkt, die Bevölkerung altert und die Einwanderung ist nahezu zum Erliegen gekommen. Die Federal Reserve Bank von St. Louis schätzt, dass monatlich nur 15.000 bis 87.000 Arbeitsplätze erforderlich sind, um die Arbeitslosigkeit stabil zu halten. Im vergangenen Jahr lag diese Schwelle noch bei 153.000.
Gesundheitswesen hält Wirtschaft am Laufen
Ohne den Gesundheitssektor hätte die US-Wirtschaft im vergangenen Jahr netto mehr als eine halbe Million Arbeitsplätze verloren. Gesundheitsdienstleister, darunter auch häusliche Pflege und Kinderbetreuung, schufen durchschnittlich 56.000 Arbeitsplätze pro Monat. Alle anderen Sektoren zusammen verloren durchschnittlich 43.000 Arbeitsplätze pro Monat.
Am Mittwoch bestätigte der Lohnabrechnungsdienstleister ADP dieses Bild. Der Privatsektor wuchs im März um 62.000 Arbeitsplätze, etwas über den Erwartungen, aber fast das gesamte Wachstum kam aus dem Gesundheitssektor. ADP-Chefökonomin Nela Richardson merkte an, dass es sich bei vielen dieser Arbeitsplätze um niedrig bezahlte Positionen in der häuslichen Pflege ohne vollwertige Sozialleistungen handelt.
Konflikt mit Iran erschwert Zinssenkung
Normalerweise sind schwache Arbeitsmarktzahlen eine gute Nachricht für risikoreiche Anlagen wie Bitcoin (BTC). Wenn die Wirtschaft kämpft, dreht die Zentralbank den Geldhahn auf, indem sie die Zinsen senkt.
Kredite werden günstiger, mehr Geld kommt in Umlauf und sichere Anlagen werfen relativ gesehen weniger Rendite ab. Es entsteht ein „Risk-on“-Klima, in dem Anleger bereit sind, mehr Risiken einzugehen. Genau davon profitieren Kryptowährungen und Aktien.
Diese Logik greift jedoch derzeit nicht. Der Konflikt mit Iran hat die Ölpreise seit Beginn des Konflikts um etwa 60 Prozent steigen lassen, was sich direkt auf die Inflation auswirkt. Höhere Treibstoffkosten verteuern alles, von Transport bis Nahrung. Solange die Inflation steigt, kann die Fed die Zinsen nicht senken, ohne das Feuer weiter anzufachen.
Fed-Chef Jerome Powell bezeichnete den aktuellen Zinssatz von 3,50 bis 3,75 Prozent diese Woche als „einen guten Punkt, um abzuwarten, wie sich das entwickelt.“
Anschließend legte er die heikle Situation dar, in der sich die Zentralbank befindet:
„Es besteht ein Abwärtsrisiko für den Arbeitsmarkt, was für niedrige Zinsen spricht, aber es besteht ein Aufwärtsrisiko für die Inflation, was genau das Gegenteil nahelegt. Es besteht ein Spannungsverhältnis zwischen diesen beiden Zielen.“
Sowohl die europäischen Börsen als auch die Wall Street sind heute wegen des Karfreitags geschlossen, aber auf dem Kryptomarkt kann natürlich sofort auf die neuen Zahlen reagiert werden.
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