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Die erste Pressekonferenz von Kevin Warsh als Vorsitzender der Federal Reserve bot den Investoren mehr Orientierung als die Zinsentscheidung selbst. Der Zinssatz blieb unverändert, aber der Ton und die angekündigten Änderungen waren die eigentliche Nachricht. Unter dem Strich entschied sich Warsh für eine eher strenge als lockere Linie und setzte die Zentralbank auf einen neuen Kurs.
Ein lockerer, also expansiver Ton hätte auf bevorstehende Zinssenkungen hingedeutet. Ein strenger, falkenhafter Ton betont hingegen den Kampf gegen die Inflation, notfalls mit höheren Zinsen. Die Botschaft von Warsh tendierte deutlich zu Letzterem.
Er betonte, dass die Inflation bereits seit über fünf Jahren über dem Ziel von zwei Prozent liegt. Hartnäckig hohe Preise belasten die Amerikaner, sagte er, aber die Vergangenheit muss kein Vorbote für die Zukunft sein. Ihm zufolge ist das Zinskomitee einig darin, Preisstabilität zu gewährleisten. Diese Betonung des Kampfes gegen die Inflation, ohne jegliche Zusage zu Senkungen, wurde vom Markt als strenge Botschaft interpretiert.
Dieses Bild wurde durch die neuen Prognosen verstärkt. Das durchschnittliche Mitglied des Ausschusses sieht den Zinssatz Ende dieses Jahres bei 3,8 Prozent und Ende nächsten Jahres bei 3,6 Prozent. Da der Zinssatz derzeit in einer Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent liegt, deutet dies auf eine mögliche Zinserhöhung in diesem Jahr hin, gefolgt von einer leichten Senkung im nächsten Jahr. Damit bestätigte die Fed, dass Senkungen vorerst weiter entfernt sind, als der Markt zuvor hoffte. Die Inflation soll laut Prognosen in diesem Jahr bei 3,6 Prozent liegen.
Neben dem Tonfall fielen vor allem die Veränderungen auf. Die heutige Erklärung zur Geldpolitik ist kürzer und einfacher und lässt einen Teil der älteren Ausdrucksweise weg. Laut Warsh vermittelt der Text nun vor allem die Fakten.
Wichtiger ist, dass die sogenannte ‚Forward Guidance‘ fehlt. Diese Vorschau, in der die Zentralbank Hinweise auf ihre nächsten Schritte gibt, passt laut Warsh nicht zur aktuellen Situation. Das ist ein bedeutender Bruch, denn die Märkte stützten sich stark auf diese Signale, um abzuschätzen, was die Fed tun würde. Ohne diese Vorschau wird die Geldpolitik weniger vorhersehbar.
Hinzu kommt, dass Warsh selbst keine eigene Zinserwartung in die Prognosen einbrachte, anders als seine Kollegen. Das passt zu seiner bereits länger bekannten Kritik an der Gestaltung dieser Projektionen. Die anderen Mitglieder ermutigte er jedoch, ihre Erwartungen weiterhin einzureichen.
Die größte Ankündigung war ein neues Vorhaben. Warsh richtet fünf unabhängige Arbeitsgruppen ein, die sich jeweils auf ein zentrales Feld der Fed-Politik konzentrieren. Ein Führungswechsel sei laut ihm ein natürlicher Moment, um Mission und Arbeitsweise zu überprüfen.
Die Arbeitsgruppen befassen sich mit der Kommunikation der Fed, der Bilanz der Zentralbank, der Nutzung von Datenquellen, Produktivität und Arbeitsplätzen in Zeiten neuer Technologien wie KI und der Art und Weise, wie die Fed die Inflation betrachtet. Jede Gruppe erhält den gleichen Auftrag: von Grund auf beginnen, scharfe Fragen stellen, die aktuelle Praxis überprüfen und Vorschläge machen. Die Gruppe zur Kommunikation soll unter anderem Vorschläge zu den Zinserwartungen machen, die Warsh gerade in Frage gestellt hat.
Laut Warsh teilen alle Arbeitsgruppen dasselbe Ziel: eine Federal Reserve, die klar in ihrer Mission ist, für ihre Aufgabe geeignet und auf die Zukunft ausgerichtet. In den kommenden Wochen folgen weitere Informationen zu diesem Vorhaben.
Für Investoren und auch für den Kryptomarkt sind zwei Dinge wichtig. Der strenge Ton und die Zinserwartungen deuten darauf hin, dass eine Zinssenkung vorerst nicht in Sicht ist und eine Erhöhung in diesem Jahr sogar möglich bleibt. Das kann die Risikobereitschaft dämpfen. Gleichzeitig macht der Wegfall der Vorschau die Geldpolitik weniger vorhersehbar, sodass der Markt stärker auf jede neue Zahl und jede Aussage von Warsh reagieren kann.
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