Die Spannungen in der Straße von Hormus führen zu neuer Besorgnis an der Wall Street. Händler sprechen bereits von der sogenannten „NACHO-Trade“, einem neuen Begriff, der für „Not A Chance Hormuz Opens“ steht. Damit bringen Investoren ihre wachsende Überzeugung zum Ausdruck, dass die wichtige Seeroute vorerst nicht vollständig wiedereröffnet wird.
Die Unruhe folgt auf neue Konfrontationen zwischen den USA und Iran. Gleichzeitig bleiben die Ölpreise hoch, und die Versicherungskosten für Schiffe in der Region steigen erheblich. Laut Analysten beginnt der Markt, sich auf eine lang anhaltende Energiekrise einzustellen, was potenzielle Auswirkungen auf Inflation, Zinsen und die Weltwirtschaft haben könnte.
Was steckt hinter der NACHO-Trade?
Die NACHO-Trade basiert auf einem zentralen Gedanken: Investoren glauben immer weniger an eine schnelle Lösung des Konflikts um die Straße von Hormus. Diese enge Meerenge zwischen Iran und Oman ist von enormer Bedeutung für den weltweiten Ölhandel. Ein Großteil des globalen Ölexports passiert täglich diese Route.
Während Investoren zuvor noch auf schnelle diplomatische Lösungen oder einen vorübergehenden Waffenstillstand hofften, schwindet dieses Vertrauen nun. Jede neue Äußerung von Donald Trump über einen möglichen Deal oder die Wiedereröffnung der Route sorgte früher für sinkende Ölpreise. Inzwischen reagieren die Märkte darauf deutlich weniger stark.
Laut Marktanalyst Zavier Wong von eToro erkennen Händler jetzt, dass hohe Ölpreise keine vorübergehende Schockreaktion mehr darstellen, sondern Teil des aktuellen wirtschaftlichen Klimas sind.
Das zeigt sich zugleich in mehreren Märkten. Brent-Öl liegt nach wie vor deutlich über den Niveaus vor der Eskalation im Nahen Osten. Auch Versicherer verlangen weiterhin extrem hohe Prämien für Schiffe, die durch die Straße von Hormus fahren.
Öl über 100 Dollar schürt neue Inflationsängste
Zwar steht der Ölpreis mittlerweile etwas niedriger als der Höchststand von 126 Dollar pro Barrel Ende April, doch Brent-Öl handelt weiterhin über 100 Dollar. Das nährt Sorgen vor einer neuen Inflationswelle.

Für die Zentralbanken ist das ein großes Problem. Höhere Energiepreise erschweren Zinssenkungen, da teures Öl oft in Transportkosten, Lebensmittelpreise und Verbraucherausgaben einfließt.
Analysten von State Street Global Advisors warnen, dass die Märkte erst dann wieder von Zinssenkungen ausgehen, wenn ein „greifbares Friedensabkommen“ vorliegt. Solange die Unsicherheit um die Straße von Hormus anhält, erwarten viele Händler, dass die Inflation hartnäckig hoch bleibt.
Damit entsteht eine bemerkenswerte Situation an der Wall Street. Einerseits bleiben die Aktienmärkte nahe an Rekordhöhen. Andererseits preisen Öl-, Zins- und Versicherungsmärkte zunehmend Risiken ein.
Laut Ökonom Vasileios Gkionakis von Aviva Investors könnte eine langanhaltende Blockade der Straße von Hormus letztlich zu einem hartnäckigen Inflationsschock und einer globalen wirtschaftlichen Abschwächung führen.
Versicherungsmarkt gibt deutliches Signal
Nicht nur der Ölpreis zeigt, wie angespannt die Lage ist. Auch der Versicherungsmarkt schlägt Alarm.
Die sogenannten Kriegspämien für Schiffe, die durch die Straße von Hormus fahren, stiegen Anfang des Jahres auf etwa 2,5 Prozent des gesamten Schiffswerts pro Reise. Vor dem Konflikt lag dieser Prozentsatz bei etwa 0,1 Prozent.
Obwohl die Prämien mittlerweile etwas gesunken sind, liegen sie laut Daten von eToro immer noch etwa achtmal höher als vor dem Krieg.
Laut Wong sagt das viel darüber aus, wie professionelle Akteure die Situation einschätzen. „Versicherer verdienen ihr Geld mit der Risikoeinschätzung. Sie behandeln dies offensichtlich nicht als eine Krise, die morgen vorbei ist“, so der Analyst.
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