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Die Wall Street rückt in diesem Monat ein großes Stück näher an die Blockchaintechnologie heran. Die Depository Trust & Clearing Corporation (DTCC), die nahezu den gesamten Wertpapierhandel in den USA abwickelt, startet ein Pilotprojekt für den Handel mit tokenisierten Aktien, ETFs und US-Staatsanleihen. Damit wird ein Markt im Wert von 114 Billionen Dollar erstmals teilweise on-chain abgebildet.
Der Test gilt als das bislang größte institutionelle Tokenisierungsprojekt. Mehr als 50 große Finanzakteure sind beteiligt, darunter BlackRock und Circle. Verläuft der Test erfolgreich, soll im Oktober eine breitere kommerzielle Einführung folgen.
Die DTCC bildet seit Jahrzehnten das Rückgrat der US-Finanzmärkte. 2025 verarbeitete der Konzern Transaktionen im Gesamtwert von 4,7 Billiarden Dollar. Zudem verwahrt die Tochtergesellschaft Depository Trust Company (DTC) für Finanzinstitute in mehr als 150 Ländern Wertpapiere im Wert von rund 114 Billionen Dollar.
Im Rahmen des Pilotprojekts werden Aktien aus dem Russell-1000-Index, große ETFs und US-Staatsanleihen tokenisiert. Diese Wertpapiere können damit neben der klassischen Infrastruktur auch über Blockchaintechnologie abgewickelt werden.
Genau das unterscheidet den Test von früheren Experimenten. Während sich Tokenisierung bislang vor allem auf weniger liquide Vermögenswerte wie Immobilien oder private Kreditprodukte konzentrierte, setzt die DTCC nun auf einige der meistgehandelten Finanzprodukte der Welt.
Ein wichtiger Grund für den jetzigen Start ist ein sogenannter No-Action-Letter, den die US-Börsenaufsicht SEC der DTCC Ende 2025 erteilte. Dadurch erhält die Organisation drei Jahre Spielraum, tokenisierte Wertpapiere zu testen, ohne unmittelbar unter die bestehenden Vorschriften für Verwahrer und Transfer Agents zu fallen.
Auch die New York Stock Exchange (NYSE) und NYSE American haben ihre Regeln angepasst. Seit Mai 2026 dürfen Wertpapiere im Rahmen des DTCC-Programms offiziell auch in tokenisierter Form gehandelt werden. Dadurch können klassische und tokenisierte Transaktionen innerhalb desselben Marktsystems parallel abgewickelt werden.
Der Schritt der DTCC gilt vielen Marktteilnehmern als wichtiger Wendepunkt für die Finanzbranche. Tokenisierung wird seit Jahren als Möglichkeit gesehen, Wertpapiere schneller und effizienter abzuwickeln. Zudem könnten die Kosten sinken, weil weniger Intermediäre benötigt werden.
Dass ausgerechnet die Organisation hinter nahezu der gesamten US-Wertpapierabwicklung diese Technologie nun im Produktivbetrieb testet, zeigt, dass Blockchain zunehmend als Bestandteil der bestehenden Finanzinfrastruktur verstanden wird. Sie gilt damit nicht mehr nur als Experiment innerhalb der Kryptobranche.
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