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Die Milliardeninvestitionen in künstliche Intelligenz gelten vielen Anlegern als Beleg dafür, dass die KI-Revolution gerade erst begonnen hat. Der Vermögensverwalter GQG Partners sieht das deutlich anders. Nach Einschätzung des Unternehmens sind gerade die enormen Ausgaben für Chips und Rechenzentren ein klares Signal dafür, dass sich der Markt in einer klassischen Blase befindet.
GQG Partners verwaltet rund 160 Milliarden Dollar und zählt damit zu den größeren Vermögensverwaltern weltweit. Portfoliomanager Brian Kersmanc sieht in der aktuellen KI-Rally auffällige Parallelen zu früheren Investitionswellen. Dazu gehören etwa der Telekom-Boom der neunziger Jahre und der Schieferölboom vor gut zehn Jahren.
Viele Optimisten verweisen auf Rekordbestellungen bei KI-Chips und Speicherchips sowie auf den massiven Ausbau von Rechenzentren als Beleg dafür, dass die Nachfrage nach KI strukturell weiter wächst. Kersmanc wertet genau das jedoch als Hinweis auf das Gegenteil.
„In einer Blase gibt es kurzfristig häufig reale Nachfrage, einen massiven Kapitaleinsatz und die Überzeugung, dass die Nachfrage unbegrenzt weiter wächst. Große Chipbestellungen sind deshalb kein Beweis gegen eine Blase. Sie können im Gegenteil eines der stärksten Anzeichen dafür sein.“
Laut GQG wird derzeit in großem Stil auf Basis von Erwartungen investiert, die bislang kaum belegt sind. Unternehmen gehen davon aus, dass KI langfristig enorme Einnahmen generieren wird. Ob diese Investitionen tatsächlich ausreichende Renditen abwerfen, ist jedoch weiterhin offen.
Der Vermögensverwalter sieht inzwischen mehrere Anzeichen dafür, dass sich der Markt verändert. Unternehmen prüfen ihre KI-Ausgaben kritischer und suchen nach günstigeren Lösungen. Zudem experimentieren sie zunehmend mit kleineren Sprachmodellen, die deutlich weniger Rechenleistung benötigen.
Nach Einschätzung von Kersmanc hat zudem der Fortschritt der größten KI-Modelle seit der Einführung von ChatGPT-4 nachgelassen. Dadurch werde es immer schwieriger, die enormen Investitionen in die neuesten Chips und Rechenzentren wirtschaftlich zu rechtfertigen.
Auch Open-Source-KI-Modelle aus China spielen seiner Ansicht nach eine immer größere Rolle. Diese Modelle lassen sich günstiger trainieren und benötigen deutlich weniger teure Infrastruktur. Das könnte die Nachfrage nach den leistungsstärksten KI-Systemen erheblich bremsen.
Setzt sich diese Entwicklung fort, gerät laut GQG die Geschäftsgrundlage hinter den milliardenschweren Investitionen in KI-Infrastruktur unter Druck.
Neben den fundamentalen Bedenken verweist GQG auch auf die Art und Weise, wie große Technologieunternehmen ihre Investitionen in der Bilanz erfassen.
Viele Hyperscaler verbuchen Erlöse aus Chipverkäufen sofort, während die Kosten bei den Abnehmern über mehrere Jahre verteilt werden. Zudem werden große Teile neuer Infrastruktur vorübergehend als „im Bau“ in der Bilanz ausgewiesen.
Aus Sicht von Kersmanc erschwert das Anlegern die Einschätzung, welcher Teil der Investitionen am Ende tatsächlich Rendite bringt.
Hinzu kommt, dass nicht alle angekündigten Rechenzentren tatsächlich gebaut werden. Wegen zunehmender Widerstände in lokalen Gemeinden, unter anderem aufgrund des hohen Energie- und Wasserverbrauchs, verzögern sich Projekte. Einige Vorhaben werden sogar vollständig gestrichen.
Laut GQG entsteht dadurch eine Lage, in der enorme Summen investiert werden, während der spätere wirtschaftliche Ertrag äußerst unsicher bleibt.
Der Vermögensverwalter bleibt deshalb vorsichtig. Kersmanc zufolge gehen Anleger weiterhin davon aus, dass die KI-Nachfrage deutlich stärker wachsen wird, als es die zugrunde liegende wirtschaftliche Realität voraussichtlich rechtfertigen kann.
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