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Die amerikanische Zentralbank (Federal Reserve) bekommt am Freitag einen neuen Vorsitzenden, doch das Fest im Weißen Haus droht bereits vor der ersten Sitzung getrübt zu werden. Kevin Warsh wird von Präsident Donald Trump vereidigt mit dem Wunsch, die Zinsen zu senken, doch der Markt rechnet inzwischen mit dem Gegenteil.

Warsh erbt ein Inflationsproblem

Laut dem FedWatch-Tool der CME Group preist der Markt nun eine Wahrscheinlichkeit von 42 Prozent für eine Zinserhöhung bis Jahresende ein. Vor dem Ausbruch des Krieges zwischen den USA und Iran war das Bild noch völlig anders. Anleger rechneten damals mit weiteren Zinssenkungen im Jahr 2026, im Einklang mit den drei Senkungen, die die Fed 2025 durchführte.

Auf der Vorhersageplattform Polymarket lag die Wahrscheinlichkeit für keine Zinssenkungen Anfang März noch bei 10 Prozent. Einen Monat nach Ausbruch des Krieges war sie bereits auf 34 Prozent gestiegen, und nach den höheren Inflationszahlen der vergangenen Woche hat sich das Bild endgültig gewandelt.

Warsh folgt auf Jerome Powell und wird der elfte Vorsitzende der Federal Reserve im modernen Zeitalter. Aufgrund seiner finanziellen Erklärungen wird er auch der reichste, der je diesen Posten bekleidet hat.

Allerdings erbt er nicht die Wirtschaft, die er sich vorgestellt hatte. Die Inflation ist in den letzten zwei Monaten unerwartet stark gestiegen, angeheizt durch den Krieg zwischen den USA und Iran sowie die Störungen rund um die Straße von Hormus. Die Ölpreise sind dank des Konflikts bereits um 50 Prozent gestiegen, was sich auf Transport, Lebensmittel und Produktion auswirkt.

Die Inflation liegt nun bei 3,5 Prozent und führende Ökonomen erwarten, dass die Zahl im zweiten Quartal auf 4 Prozent zusteuert. Das ist meilenweit entfernt vom Ziel der Fed von 2 Prozent, ein Ziel, das seit über fünf Jahren nicht erreicht wurde.

Anleihenmarkt zeigt Sorgen auf

Der Anleihenmarkt verdeutlicht, wie groß die Inflationssorgen derzeit sind.

Die Rendite auf amerikanische 30-jährige Staatsanleihen durchbrach vergangenen Freitag die Grenze von 5 Prozent, das höchste Niveau seit fast einem Jahr. Die 10-Jahres-Rendite stieg in einer Woche um fast 24 Basispunkte auf etwa 4,6 Prozent.

Das trifft den Geldbeutel der einfachen Amerikaner direkt. Die 10-Jahres-Rendite bestimmt die Höhe von Hypotheken, Autokrediten und Kreditkartenzinsen. Nicht die Entscheidungsträger, sondern der Markt setzt diesen Zinssatz fest.

Ed Yardeni, der einst den Begriff ‚Bond Vigilantes‘ für rebellische Anleiheinvestoren prägte, sieht bereits die Gefahr heraufziehen. „Warsh wird die FOMC-Sitzung im Juni leiten, aber wer sitzt tatsächlich am Steuer der Geldpolitik? Wir würden sagen, es sind die Bond Vigilantes“, schrieb er am Montag.

Trump setzt auf deutlichen Rückgang der Inflation

Trump nominierte Warsh im Januar mit der klaren Erwartung, dass die Fed die Wirtschaft wieder mit Zinssenkungen ankurbeln würde. So ironisch es auch klingt, gerade eine striktere Politik könnte langfristig das bringen, was das Weiße Haus will. Verschwinden die Inflationssorgen, sinken die langfristigen Zinsen von selbst. Hypotheken werden günstiger und Unternehmen können leichter Kredite aufnehmen.

Der Präsident hofft selbst darauf, dass das Problem auf der anderen Seite der Welt gelöst wird. Ein Ende des Krieges mit Iran würde seiner Meinung nach den Ölfluss wieder in Gang bringen. „Sobald dieser Krieg vorbei ist, und das wird nicht mehr lange dauern, sinken die Ölpreise und der Aktienmarkt steigt“, sagte er vergangene Woche zu Reportern.

Trump wies dabei auf hunderte Schiffe hin, die voll beladen mit Öl bereitstehen, um auszulaufen. „Sobald diese auf den Markt kommen, haben wir eine Flut an Öl und die Inflation wird deutlich sinken.“

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