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Ein chinesisches Gericht hat einen Mann zu zehn Jahren und neun Monaten Haft verurteilt, nachdem er 107 Bitcoin (BTC) gestohlen hatte, indem er sich eine Wiederherstellungsphrase einer Krypto-Wallet auswendig gelernt hatte. Der bemerkenswerte Fall zeigt, wie anfällig selbstverwaltete Krypto-Wallets sein können, und bestätigt gleichzeitig, dass chinesische Gerichte Bitcoin trotz strenger Regulierung als Eigentum betrachten.

Der Diebstahl ereignete sich im Jahr 2023, doch der Fall wurde erst kürzlich endgültig abgeschlossen, nachdem ein höheres Gericht das frühere Urteil bestätigte.

Wiederherstellungsphrase merken reichte aus, um Bitcoin zu stehlen

Der Fall begann im Juli 2023, als ein Bitcoin-Besitzer, identifiziert als Feng, seinen Bekannten Zhang um Hilfe bat, um 117 Bitcoin auf eine neue Wallet zu übertragen.

Da Zhang zuvor bei einer ähnlichen Transaktion geholfen hatte, durfte er bei der Erstellung der neuen Wallet anwesend sein. Dabei notierte Feng eine zwölf Wörter umfassende Wiederherstellungsphrase. Diese Wörter bilden den Schlüssel zu einer Krypto-Wallet, wenn ein Gerät verloren geht oder ersetzt werden muss.

Den Anklägern zufolge konnte sich Zhang elf der zwölf Wörter vollständig merken. Vom letzten Wort kannte er nur den ersten Buchstaben. Mithilfe verschiedener Kombinationen gelang es ihm schließlich doch, Zugriff auf die Wallet zu erhalten.

Kurz darauf transferierte er 107 Bitcoin auf Wallets, die er selbst kontrollierte.

Blockchain-Analyse führt Polizei zum Verdächtigen

Feng stellte am nächsten Tag fest, dass seine Bitcoin verschwunden waren, und beauftragte sofort ein spezialisiertes Blockchain-Sicherheitsunternehmen. Anschließend wurde der Diebstahl der Polizei gemeldet.

Ermittler untersuchten Blockchain-Transaktionen, Wallet-Daten und IP-Adressen, die mit den verdächtigen Überweisungen in Zusammenhang standen. Schließlich führten die gesammelten Daten zu Zhang.

Während des Prozesses gestand Zhang, die Bitcoin transferiert zu haben. Er behauptete, dies getan zu haben, um die Kryptowährungen vor möglichem Diebstahl durch Dritte zu schützen. Das Gericht glaubte dieser Erklärung nicht.

Die Ermittlungen ergaben nämlich, dass ein Teil der Erträge in traditionelles Geld umgewandelt wurde. Mehr als 660.000 Yuan, umgerechnet etwa 97.000 Dollar, wurden laut Behörden auf das Bankkonto eines Freundes von Zhang überwiesen.

China erkennt Bitcoin als Eigentum an

Der Fall ist bemerkenswert, weil China seit Jahren hart gegen den Kryptohandel vorgeht und viele Kryptoaktivitäten verboten hat. Bitcoin hat dort keinen Status als gesetzliches Zahlungsmittel.

Trotzdem stellte die Staatsanwaltschaft fest, dass Bitcoin als Eigentum angesehen werden kann. Laut Anklagebehörde repräsentiert die digitale Währung wirtschaftlichen Wert, und Besitzer haben exklusive Kontrolle über private Schlüssel und Wiederherstellungsphrasen.

Daher erfüllt Bitcoin laut chinesischem Strafrecht die Definition von Eigentum und kann als solches strafrechtlich geahndet werden.

Da China keinen offiziellen Bitcoin-Kurs anerkennt, berechneten die Behörden den Schaden nicht auf Basis des Marktwertes der 107 Bitcoin, sondern auf Grundlage der tatsächlich erzielten Erträge in Fiatgeld.

Endgültige Freiheitsstrafe von gut zehn Jahren

Das Bezirksgericht Licang verurteilte Zhang am 28. April 2025 wegen Diebstahls. Neben einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren und neun Monaten wurde ihm eine Geldstrafe von 100.000 Yuan auferlegt.

Zhang legte Berufung ein, jedoch erfolglos. Am 10. November 2025 bestätigte ein höheres Gericht in Qingdao das vorherige Urteil, womit die Strafe endgültig wurde.

Der Fall stellt eine deutliche Warnung für Kryptobesitzer dar. Eine Wiederherstellungsphrase ist der wichtigste Zugangsschlüssel zu einer selbstverwalteten Wallet. Sobald jemand anderes diese Wörter kennt oder rekonstruieren kann, kann diese Person vollständige Kontrolle über die darin gespeicherten Kryptowährungen erlangen.

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