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Der New Yorker Stadtrat hat eine umfassende Untersuchung gegen die bekannten Prognosemärkte Polymarket und Kalshi eingeleitet. Auch Coinbase und Gemini Titan stehen im Fokus.
Die Behörden wollen unter anderem klären, ob die Unternehmen Verbraucher mit ihrem Marketing in die Irre führen und ob Werbung möglicherweise auf Minderjährige ausgerichtet war.
Die Untersuchung fällt in eine Phase, in der Prognosemärkte rasant wachsen. Auf diesen Plattformen können Nutzer auf den Ausgang von Ereignissen handeln, etwa Wahlen, Sportveranstaltungen, Zinsentscheidungen oder Konjunkturdaten. Ein Kontrakt, der beispielsweise zu 70 Cent gehandelt wird, spiegelt grob eine Markterwartung von 70 Prozent wider, dass ein Ereignis eintritt.
Der Markt ist inzwischen zu einer Milliardenbranche gewachsen. Allein Polymarket und Kalshi verarbeiteten im Juli zusammen ein Handelsvolumen von rund 50,6 Milliarden Dollar. Einen Monat zuvor waren es noch 44,8 Milliarden Dollar. Besonders während der Fußball-Weltmeisterschaft legten die Handelsvolumina deutlich zu.
Die Stadtratsvorsitzende Julie Menin schickte am 11. August Schreiben an die vier Unternehmen. Darin stellt sie mehr als 60 Fragen, unter anderem zu ihren Einnahmen in New York, zur Zahl der Nutzer aus der Stadt und zur Organisation ihres Marketings. Die Unternehmen haben 14 Tage Zeit, um zu antworten.
Vor allem Polymarket steht in der Kritik. Eine frühere Untersuchung des Wall Street Journal wertete mehr als 1.100 Werbevideos von Creators aus, die für die Plattform tätig waren. Demnach nutzten rund 70 Prozent Testseiten, auf denen für die Videos Scheintransaktionen durchgeführt wurden.
Menin verlangt zudem Aufklärung über Werbung, die möglicherweise junge Erwachsene und Minderjährige erreicht hat. Polymarket teilte mit, mit den Ermittlern zusammenzuarbeiten, und hatte bereits zuvor eine Überprüfung seiner Werbeinhalte angekündigt.
Der Stadtrat kann selbst keine strafrechtliche Verfolgung einleiten, Unternehmen aber per Vorladung zur Herausgabe von Unterlagen verpflichten. Zudem werden eine strengere Durchsetzung, Aufklärungskampagnen und öffentliche Anhörungen geprüft.
Die Untersuchung folgt kurz auf eine Klage, die Generalstaatsanwältin Letitia James gegen Kalshi eingereicht hat. Nach ihrer Darstellung betreibt das Unternehmen illegal eine Glücksspiel-App. Kalshi weist den Vorwurf zurück und argumentiert, die Plattform ähnele eher einer Wertpapierbörse. Nutzer wetteten nach Angaben des Unternehmens gegeneinander und nicht gegen einen Buchmacher. Das ist ein kleiner, nach Ansicht von Kalshi aber relevanter Unterschied.
Die US-Derivateaufsicht Commodity Futures Trading Commission (CFTC) stellt sich dagegen auf die Seite von Kalshi und erklärt, Prognosemärkte fielen unter ihre Aufsicht. Damit geht es in dem Streit längst um weit mehr als Marketing. New York und Washington prallen grundsätzlich bei der Frage aufeinander, ob diese schnell wachsenden Märkte vor allem Glücksspielplattformen oder regulierte Finanzmärkte sind.
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