Laut einem Bericht der Financial Times versucht die Regierung von Donald Trump, Spannungen zu entschärfen, die durch Vorwürfe entstanden sind, dass der Vatikan unter Druck gesetzt wurde, eine weniger kritische Haltung gegenüber der amerikanischen Militärpolitik einzunehmen.
Anlass ist ein umstrittenes Treffen im Januar zwischen Kardinal Christophe Pierre, damals päpstlicher Nuntius in Washington, und hochrangigen Beamten des US-Verteidigungsministeriums.
Ungewöhnlicher diplomatischer Konflikt
Die Zeitung schreibt, dass dieses Treffen zu einem Zeitpunkt stattfand, als der Vatikan zunehmend besorgt über den Kurs Washingtons war. Papst Leo XIV. hatte sich öffentlich kritisch über die erneute Popularität von Krieg als politisches Mittel geäußert. In diesem Klima sei das Treffen im Pentagon laut Analysten völlig fehl am Platz gewesen.
Die Spannungen sollen zugenommen haben, nachdem Pierre klarmachte, dass Papst Leo weiterhin seinen eigenen Kurs verfolgen würde, basierend auf kirchlichen Werten.
Laut einer von der Financial Times zitierten Quelle soll während des Gesprächs ein anderer US-Beamter auf das historische Avignon-Szenario verwiesen haben, die Zeit, in der ein Gegenpapst zu Rom existierte.
Diese Anspielung wurde laut derselben Quelle als implizite Drohung aufgefasst: als könnte Washington versuchen, eine alternative päpstliche Linie zu unterstützen, falls der Vatikan die amerikanische Politik nicht mehr unterstützt. Die Financial Times berichtet, dass das Pentagon dieses Bild vehement zurückweist und die gesamte Darstellung als stark übertrieben und verzerrt beschreibt.
Papst Leo zunehmend gegen Kriegsrhetorik
Der Artikel unterstreicht vor allem, dass das Verhältnis zwischen dem Vatikan und dem Trump-Lager schon länger angespannt ist. Laut Financial Times begann dies nicht nur beim Migrationspolitik, sondern eskalierte in diesem Jahr auch durch Meinungsverschiedenheiten über Venezuela, Kuba und vor allem die amerikanischen Bombenangriffe im Iran.
Der Papst soll schließlich sogar eine ungewöhnliche Aufforderung an amerikanische Bürger gerichtet haben, ihre Kongressabgeordneten zu kontaktieren und ein Ende der Bombenangriffe auf den Iran zu fordern. Die Zeitung beschreibt dies, mit Bezug auf einen Experten, als die „nukleare Option“ des Vatikans: eine selten direkte Intervention in die amerikanische Innenpolitik.
Nicht nur politisch, sondern auch religiös aufgeladen
Die Sorgen in Rom gingen offenbar über reine Diplomatie hinaus. Kirchliche Führer sind vor allem über die religiöse Sprache rund um den Krieg besorgt, unter anderem bei Äußerungen von Verteidigungsminister Pete Hegseth.
Im Artikel wird erläutert, dass der Vatikan eine gefährliche Vermischung von Kriegspolitik und religiöser Symbolik befürchtet, insbesondere in einem Konflikt mit einem islamischen Land wie Iran.
Laut der Zeitung liegt darin die größte Besorgnis: nicht nur ein Zusammenstoß zwischen einem Papst und einem Präsidenten, sondern ein Konflikt mit einer Denkweise, in der Krieg wieder eine nahezu heilige Bedeutung erlangt.
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