Die Moscow Exchange (MOEX), die größte Börse Russlands, prüft die Möglichkeit, rund um die Uhr Kryptowährungshandel anzubieten. Dies berichtet RBC Investments unter Berufung auf Quellen aus dem russischen Brokerage-Sektor. Diese Pläne kommen zu einem Zeitpunkt, an dem Russland an neuen Vorschriften für digitale Vermögenswerte arbeitet.
Dem Bericht zufolge führt MOEX derzeit Gespräche mit Brokern über die technische und operative Umsetzung des Kryptohandels auf der Plattform. Dabei werden unter anderem Handelszeiten, Kontostrukturen sowie Ein- und Auszahlungsverfahren von Kryptowährungen geprüft.
Mit der möglichen Umstellung auf ein 24/7-Handelsmodell will die Börse sich der internationalen Kryptomarkt anpassen, der kontinuierlich aktiv ist.
MOEX testet Krypto-Ein- und Auszahlungen
Neben den Gesprächen mit Brokern arbeitet die Börse auch an der Infrastruktur für den Kryptohandel. Laut Quellen aus dem Finanzsektor testet MOEX derzeit Krypto-Ein- und Auszahlungen mit einer begrenzten Gruppe von Brokern.
Nutzer würden ihre digitalen Vermögenswerte wahrscheinlich nicht direkt in Wallets der Börse aufbewahren. Stattdessen prüft MOEX ein System, das dem russischen Nationalen Wertpapierdepot ähnelt, bei dem Krypto zentral über eine separate Verwahrstelle gespeichert wird.
Die Moscow Exchange bestätigte gegenüber der Presse, dass das Unternehmen „aktiv Lösungen für den Kryptomarkt entwickelt“.
Neue Krypto-Indizes für XRP, Solana und TRON
MOEX erweitert indes auch sein Angebot an Krypto-bezogenen Produkten. Diese Woche lancierte die Börse vier neue Krypto-Indizes, die an XRP, BNB, Solana und TRON gekoppelt sind.
Ein Krypto-Index verfolgt die Leistung einer digitalen Münze und kann als Grundlage für Finanzprodukte wie Futures oder ETFs dienen. Mit der Einführung der neuen Indizes verfügt MOEX nun über sechs Krypto-Benchmarks zusätzlich zu den bestehenden Bitcoin- und Ethereum-Indizes.
Die Börse hat angekündigt, letztendlich zehn digitale Vermögenswerte unterstützen zu wollen.
Krypto-Futures möglicherweise ab 2026
Die neuen Indizes sollen laut MOEX die Basis für zukünftige Krypto-Futures bilden. Mit Futures können Anleger auf künftige Preisbewegungen digitaler Vermögenswerte spekulieren, ohne die Coins selbst zu besitzen.
Die ersten Futures-Produkte könnten Ende 2026 eingeführt werden. Zunächst bleiben diese Produkte nur für qualifizierte Anleger, wie professionelle Investoren und große Finanzinstitute, zugänglich.
Russland arbeitet an strengeren Kryptoregelungen
Die Expansion von MOEX fällt mit der Einführung neuer russischer Kryptogesetze zusammen. Der Gesetzentwurf, genannt „Digitale Währungen und digitale Rechte“, hat kürzlich die erste Lesung in der Staatsduma bestanden.
Das Gesetz soll ab dem 1. Juli in Kraft treten und Handel mit digitalen Vermögenswerten über lizenzierte Broker und Vermittler ermöglichen.
Gleichzeitig stellt Russland strenge Anforderungen an Krypto-Projekte, die an regulierten Börsen notiert werden wollen. Eine Kryptowährung muss:
- eine durchschnittliche Marktkapitalisierung von mehr als 5 Billionen Rubel über einen Zeitraum von zwei Jahren haben;
- ein durchschnittliches tägliches Handelsvolumen von mehr als 1 Billion Rubel erzielen;
- mindestens fünf Jahre aktiv sein.
Mit diesen Bedingungen scheint Russland vor allem großen und etablierten Krypto-Projekten Raum bieten zu wollen, während kleinere Token außerhalb des regulierten Marktes bleiben.
Russland verstärkt Fokus auf digitale Vermögenswerte
Die Pläne der Moscow Exchange zeigen, dass Russland sich zunehmend auf den Markt für digitale Vermögenswerte konzentriert. Während verschiedene Länder noch an klaren Regelungen für Krypto arbeiten, setzt Russland auf eine kontrollierte Integration von Kryptowährungen in das bestehende Finanzsystem.
Sollte MOEX tatsächlich auf 24/7-Kryptohandel umsteigen, könnte dies ein wichtiger Schritt für die institutionelle Akzeptanz von Krypto in Russland und möglicherweise auch für die internationale Position des Landes innerhalb der digitalen Wirtschaft werden.
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