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Michael Saylor hat seine langfristige Sicht auf Bitcoin (BTC) in einem ausführlichen Essay auf der Plattform X dargelegt. Der führende Kopf von Strategy, dem größten Unternehmenshalter des Coins, blickt zehn Jahre voraus. Seine Botschaft fällt deutlich aus: Die Stärke von Bitcoin liege gerade darin, dass sich das Netzwerk kaum verändert.

„Bitcoin ist digitales Kapital“

Für Saylor ist Bitcoin kein Technologieunternehmen, das laufend neue Funktionen nachliefern muss, sondern ein monetäres Netzwerk. Es gehe nicht darum, möglichst schnell zu handeln und dabei Brüche zu riskieren, sondern langsam vorzugehen und stabil zu bleiben.

Die erste große Etappe ist aus seiner Sicht bereits erreicht. Die Welt begreift Bitcoin zunehmend als digitales Kapital: knapp, dauerhaft und weltweit übertragbar.

Die Basisschicht des Netzwerks sei dabei nicht für den Kauf eines Kaffees gedacht, sondern für die endgültige Abwicklung großer Transaktionen. Zahlungen, Kredite und Sparprodukte entstünden laut Saylor auf den Ebenen darüber.

Vierjahreszyklus verliert an Bedeutung

Saylor stellt damit auch ein Dogma infrage. Der bekannte Vierjahreszyklus, bei dem der Bitcoin-Kurs eng mit dem Halving verläuft, sei aus seiner Sicht nicht mehr das dominierende Modell.

Beim Halving wird die Ausgabe neuer Bitcoins alle vier Jahre halbiert. In der Vergangenheit folgten darauf meist drei Jahre mit Kursanstiegen, bevor ein Jahr mit Verlusten einsetzte.

Inzwischen sei der Coin jedoch zu stark institutionell geprägt und zu eng mit den Kapitalmärkten verflochten, um noch in dieses einfache Muster zu passen, argumentiert Saylor. Das Halving verknappe zwar das Angebot, doch Kapitalströme bestimmten den Wachstumspfad. Gemeint ist Geld aus börsengehandelten Fonds (ETFs), Unternehmenskassen und sogar staatlichen Reserven.

Eine Schlüsselrolle spielen dabei die Kreditmärkte. Bitcoin als Sicherheit für Kredite bindet den Coin an das breitere Finanzsystem an, ähnlich wie es zuvor bei Gold und Immobilien der Fall war. Der Zugang unterscheidet sich je nach Anleger: Manche verwahren ihre Coins selbst, andere kaufen Anteile an einem Fonds oder wenden sich an ihre Bank.

Gleichwohl bewegt sich der Bitcoin-Kurs bislang weiter nach dem bekannten Muster. Das Hoch des Bullenmarkts fiel erneut in das vierte Quartal des Jahres nach dem Halving. Damit gibt es vorerst wenig Anlass zu der Annahme, dass das Tief des aktuellen Bärenmarkts nicht ebenfalls ein Jahr später erreicht wird.

Das Protokoll soll unverrückbar bleiben

Die Regeln von Bitcoin sollten nach Saylors Ansicht in den kommenden Jahren sogar noch schwerer zu verändern sein. Schlechte Ideen müssten scheitern, bevor sie dem Protokoll schaden. Innovation verlagere sich an die Ränder des Netzwerks, etwa in Wallets und das Zahlungsnetzwerk Lightning.

Auch die Miner, also die Rechner, die Transaktionen verarbeiten und dafür vergütet werden, professionalisieren sich. Mining entwickle sich laut Saylor zu einer ernstzunehmenden Energieindustrie, die Stromnetze stabilisiert und ungenutzte Energie wirtschaftlich verwertet.

„Papier-Bitcoin“ ist das größte Risiko

Risiken sieht der Strategy-Manager ebenfalls. Nicht ein Verschwinden von Bitcoin stehe für ihn an erster Stelle, sondern „Papier-Bitcoin“. Wenn Marktteilnehmer mehr Ansprüche auf den Coin verkaufen, als es tatsächlich Coins gibt, drohen Kreditkrisen.

Zudem warnt er vor zu großer Macht bei Verwahrern, strenger Regulierung und Unsicherheit darüber, ob Transaktionsgebühren Miner langfristig ausreichend finanzieren können, wenn alle 21 Millionen Bitcoins ausgegeben sind.

Sein Bild für das Jahr 2036 ist dennoch klar. Bitcoin wird breiter gehalten, stärker institutionalisiert und entschlossener verteidigt. Bitcoin müsse nicht alles werden, so Saylor. Entscheidend sei, dass Bitcoin das bleibe, was sich nicht verändert.

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