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Bitcoin (BTC) gilt heute als eines der sichersten und verlässlichsten Finanznetzwerke der Welt. Das war jedoch nicht immer selbstverständlich. Am 15. August 2010, vor genau 16 Jahren, wurde die Kryptowährung von dem bis heute schwersten Softwarefehler ihrer Geschichte getroffen.

Durch einen Bug entstanden aus dem Nichts mehr als 184 Milliarden Bitcoin, mehr als das Achttausendfache der maximalen Menge von 21 Millionen Coins. Dank einer extrem schnellen Reaktion von Satoshi Nakamoto und der damals noch kleinen Bitcoin-Community ging der Vorfall letztlich glimpflich aus.

Der Tag, an dem die Bitcoin-Obergrenze überschritten wurde

Der Vorfall ist als Value Overflow Incident bekannt. Am 15. August 2010 wurde in Block 74.638 eine Transaktion aufgenommen, die auf den ersten Blick gültig wirkte. Tatsächlich geschah etwas, das nach den Regeln von Bitcoin unmöglich hätte sein müssen.

Screenshot des Value-Overflow-Vorfalls, bei dem durch einen Fehler in Bitcoin in Block 74.638 mehr als 184 Milliarden BTC erzeugt wurden.
Die Transaktion, mit der 184 Milliarden BTC geschaffen wurden. (Quelle: BitcoinTalk)

Durch einen Programmierfehler wurden 184.467.440.737,09551616 Bitcoin erzeugt. Zwei Wallets erhielten jeweils rund 92,2 Milliarden BTC, obwohl die Transaktion nur 0,5 BTC als Input nutzte. Damit wurde die maximale Menge von 21 Millionen Bitcoin auf einen Schlag um ein Vielfaches überschritten.

Ursache war ein sogenannter Integer Overflow. Bitcoin nutzte damals einen 64-Bit-Integer, um Beträge zu speichern. Die beiden enormen Ausgabebeträge ließen die Summe überlaufen; sie wurde dadurch als negativer Wert interpretiert. Da die Software lediglich prüfte, ob der gesamte Output unter der maximalen Bitcoin-Menge lag, wurde die Transaktion fälschlicherweise akzeptiert.

Es war das einzige Mal in der Geschichte, dass Bitcoin infolge eines Softwarefehlers tatsächlich Inflation verzeichnete.

Satoshi griff sofort ein

Der auffällige Block blieb nicht lange unentdeckt. Entwickler im Bitcointalk-Forum, darunter Jeff Garzik, erkannten nahezu sofort, dass etwas gravierend schiefgelaufen war.

Daraufhin veröffentlichte Satoshi Nakamoto eine dringende Warnung:

“*** WARNUNG *** Wir untersuchen ein Problem. VERTRAUEN SIE BIS ZUR KLÄRUNG KEINEN TRANSAKTIONEN, DIE NACH DEM 15.08.2010 UM 17:05 UTC (Block 74638) ERFOLGT SIND.”

Innerhalb von rund fünf Stunden erschien Bitcoin-Version 0.3.10, in der die Schwachstelle behoben war. Die Lösung bestand aus einer Soft Fork, durch die die neue Software die betrügerische Transaktion automatisch zurückwies.

Als genügend Nutzer ihre Software aktualisiert hatten, holte die neue Blockchain die alte Kette bei Block 74.691 ein. Die Version, in der die 184 Milliarden Bitcoin existierten, wurde damit endgültig aufgegeben. Die gefälschten Coins verschwanden vollständig aus der Bitcoin-Historie.

Bemerkenswert ist, dass der ursprüngliche Input von 0,5 BTC bis heute existiert. Diese Bitcoin wurden nie wieder ausgegeben.

Was wäre passiert, wenn der Bug nicht rechtzeitig entdeckt worden wäre?

Rückblickend ist kaum vorstellbar, wie verwundbar Bitcoin damals noch war. Der Coin war erst anderthalb Jahre alt, der Kurs lag unter zehn US-Cent, und nur eine kleine Gruppe von Entwicklern und Enthusiasten hielt das Netzwerk am Laufen. Satoshi Nakamoto war zudem noch aktiv an der Entwicklung des Protokolls beteiligt.

Genau deshalb konnte so schnell reagiert werden. Innerhalb weniger Stunden war der Fehler gefunden, ein Fix geschrieben, und genug Nutzer wechselten auf die neue Software, um die Blockchain wiederherzustellen.

Andernfalls hätte die Glaubwürdigkeit von Bitcoin wohl einen massiven Schaden erlitten. Die feste Obergrenze von 21 Millionen Bitcoin bildet schließlich die Grundlage der Geldpolitik des Netzwerks. Hätte diese Grenze dauerhaft überschritten werden können, wäre das Vertrauen in die Knappheit von Bitcoin womöglich endgültig verloren gegangen.

16 Jahre später gilt der Vorfall weiterhin als wichtiges Kapitel der Bitcoin-Geschichte. Nicht nur, weil es der größte Softwarefehler überhaupt war, sondern auch, weil er zeigte, wie schnell Entwickler und Nutzer gemeinsam eingreifen konnten, um das Netzwerk zu schützen. Seitdem wurde die maximale Menge von 21 Millionen Bitcoin nie wieder durch einen Bug verletzt.

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