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Kunden des Online-Supermarkts Flink werden nach einem großen Hack direkt erpresst. Kriminelle drohen damit, gestohlene personenbezogene Daten zu veröffentlichen, falls die Betroffenen nicht zahlen. Auffällig ist, dass die Hacker von einzelnen Personen nur einen kleinen Betrag in Kryptowährungen verlangen. Gleichzeitig setzen sie Flink selbst mit einer deutlich höheren Forderung unter Druck.
Das Ausmaß des Datenlecks ist noch nicht vollständig geklärt. Die Hacker behaupten, Daten von rund einer Million Kunden und 13.000 Beschäftigten erbeutet zu haben. Flink bestätigt, dass Kriminelle Kunden und Mitarbeiter kontaktieren, hat diese Zahlen aber nicht bestätigt.
Nach Angaben der NOS verlangen die Hacker von einzelnen Betroffenen etwa 10 bis 15 Euro in Kryptowährungen. Kunden haben demnach bis zum 2. Oktober Zeit zu zahlen. Andernfalls drohen die Kriminellen, ihre personenbezogenen Daten zu veröffentlichen.
„Für ein gutes Gefühl ist das ein kleiner Betrag“, schreiben die Hacker.
Flink ruft Kunden dagegen eindringlich dazu auf, nicht zu zahlen. Wer eine Drohnachricht erhält, soll die Nachricht aufbewahren und Anzeige bei der Polizei erstatten.
Der Sicherheitsexperte Pim Takkenberg von Northwave unterstützt diese Empfehlung. Aus seiner Sicht haben Betroffene keinerlei Garantie, dass ihre Daten nach einer Zahlung tatsächlich gelöscht werden.
„Als Kunde weiß man nach einer Zahlung überhaupt nicht, woran man ist – und ob die eigenen Daten wirklich gelöscht werden“, sagt Takkenberg.
Auffällig ist vor allem das Vorgehen der Hacker. Bei digitaler Erpressung richten sich Kriminelle normalerweise gegen das gehackte Unternehmen oder die betroffene Organisation. In diesem Fall werden einzelne Verbraucher direkt unter Druck gesetzt.
Takkenberg zufolge ist ihm diese Methode bislang nicht begegnet. Die Hackergruppe Shinyhunters habe zwar früher bereits Organisationen kontaktiert, die Kunden einer betroffenen Softwareplattform waren. Die direkte Erpressung einzelner Verbraucher sei aus seiner Sicht aber neu.
Parallel versuchen die Kriminellen, auch Flink selbst unter Druck zu setzen. Wenn das Unternehmen oder alle betroffenen Kunden gemeinsam 100 Ethereum (ETH) überweisen, wollen die Hacker nach eigenen Angaben sämtliche gestohlenen Daten löschen.
Diese Menge ETH entspricht derzeit einem Wert von etwa 238.000 Euro. Die Hacker fordern Kunden sogar dazu auf, ihre Erpressungsmail an Flink weiterzuleiten.
„Leiten Sie diese E-Mail an Flink weiter, damit das Unternehmen reagiert“, schreiben sie.
Nach Einschätzung von Joey Fennis vom Cybersicherheitsunternehmen Responders könnte das Teil der Strategie sein. Durch die direkte Ansprache von Kunden entstehe womöglich zusätzliche Unruhe – und damit mehr Druck auf Flink, zu zahlen.
Am Freitagnachmittag gegen 15.30 Uhr war laut NOS noch kein Geld auf der von den Hackern genutzten Krypto-Adresse eingegangen. Transaktionen mit Kryptowährungen lassen sich über die Blockchain in der Regel öffentlich nachverfolgen.
Flink hat Kunden inzwischen vor dem Sicherheitsvorfall gewarnt. Nach Angaben des Unternehmens gelangte eine unbefugte Person an Zugangsdaten und erhielt damit Zugriff auf interne Systeme.
Dort konnten unter anderem Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern und Postanschriften eingesehen werden. Auch Informationen zu Lieferungen und möglicherweise die Bestellhistorie könnten erbeutet worden sein. Flink betont, dass Passwörter und Zahlungsdaten nicht betroffen seien.
Damit ist die Gefahr allerdings nicht vorbei. Mit Daten wie Name, Telefonnummer, Adresse und Informationen zu früheren Bestellungen können Kriminelle bei neuen Betrugsversuchen glaubwürdiger auftreten. Flink warnt Kunden deshalb, bei unerwarteten E-Mails, SMS und Anrufen besonders wachsam zu sein.
Die Hacker behaupten, Daten von einer Million Kunden gestohlen zu haben. Ob diese Zahl stimmt, ist noch nicht festgestellt. Flink gibt an, in den Niederlanden rund eineinhalb Millionen Kunden zu haben. Unklar ist auch, wie viele Menschen inzwischen direkt eine Erpressungsmail erhalten haben.
Flink ist zudem in Deutschland stark vertreten. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Berlin und liefert in Dutzenden deutschen Städten. Auch in deutschen Internetforen berichten Nutzer am Freitag, sie hätten eine vergleichbare Erpressungsmail sowie eine Warnung von Flink erhalten. Offiziell ist bislang nicht bestätigt, wie viele deutsche Kunden von dem Vorfall betroffen sind.
„Uns ist bekannt, dass Kriminelle den Vorfall derzeit ausnutzen und Kunden sowie Mitarbeiter kontaktieren“, teilte Flink mit. „Wir raten dringend davon ab, auf solche Nachrichten einzugehen.“
Das Unternehmen untersucht den Hack gemeinsam mit externen IT-Forensikern und Cybersicherheitsexperten. Flink gibt außerdem an, zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen zu haben.
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