Ein Mann mit sowohl chinesischer als auch Staatsbürgerschaft von Saint Kitts und Nevis wurde in den USA zu einer 20-jährigen Haftstrafe verurteilt wegen einer groß angelegten internationalen Kryptobetrugsmasche, bei der weltweit über 73 Millionen Dollar erbeutet wurden, hauptsächlich von amerikanischen Investoren. Bemerkenswerterweise ist der Verurteilte noch immer auf der Flucht.
Es handelt sich um den 42-jährigen Daren Li. Ein Bundesgericht im Central District von Kalifornien verhängte die Höchststrafe gegen ihn. Zudem wurde ihm eine dreijährige überwachte Bewährungszeit auferlegt, wie aus einer Erklärung des US-Justizministeriums hervorgeht.
Verurteilt, aber auf freiem Fuß: Li auf der Flucht
Obwohl das Urteil bereits feststeht, sitzt Li nicht in einem US-Gefängnis. Laut dem Justizministerium ist er seit Dezember 2025 auf der Flucht. Er soll seine Fußfessel entfernt und sich an einen unbekannten Ort abgesetzt haben.
Die US-Behörden arbeiten mit internationalen Strafverfolgungsdiensten zusammen, um ihn aufzuspüren und in die Vereinigten Staaten zurückzubringen. Erst dann kann er seine verhängte Haftstrafe tatsächlich antreten.
Opfer über soziale Medien und Dating-Apps angesprochen
Laut Anklage spielte Li eine zentrale Rolle in einem Netzwerk von mindestens acht Komplizen. Die Gruppe erstellte gefälschte Websites und Domains, die kaum von legitimen Handelsplattformen für Kryptowährungen zu unterscheiden waren.
Opfer wurden häufig über soziale Medien und Dating-Apps angesprochen. Zunächst bauten die Betrüger eine persönliche, manchmal sogar romantische Beziehung auf. Erst später folgte die Bitte, in vermeintlich gewinnbringende Krypto-Angebote zu investieren. Tatsächlich verschwand das Geld direkt in den Taschen der Kriminellen. Diese Vorgehensweise ist als „Pig Butchering“ bekannt, eine Form von langfristigem und raffiniertem Online-Betrug innerhalb der Krypto-Welt.
Millionen Dollar über Scheinfirmen gewaschen
Gerichtsdokumenten zufolge überwiesen die Opfer insgesamt mindestens 73,6 Millionen Dollar. Davon flossen rund 59,8 Millionen Dollar über US-amerikanische Scheinfirmen, die eigens eingerichtet wurden, um das Geld zu waschen und dessen Herkunft zu verschleiern.
Li ist der erste Verdächtige in diesem Fall, der verurteilt wurde. Acht weitere Beteiligte haben inzwischen ein Geständnis abgelegt und warten noch auf ihre Strafen. Zuvor hatte Li selbst bereits zugegeben, am Geldwäsche aus Kryptowährungsbetrug und anderen Formen von Online-Betrug beteiligt gewesen zu sein.
Laut dem stellvertretenden Generalstaatsanwalt A. Tysen Duva zeigt das Urteil, wie groß der Schaden für die Opfer ist. Sie verlieren nicht nur erhebliche Geldbeträge, sondern auch ihr Vertrauen in Online-Investitionen und digitale Plattformen.
Kryptobetrug weltweit weiterhin ein großes Problem
Die Untersuchung des Falls wird von der US Secret Service geleitet, mit Unterstützung unter anderem von Homeland Security Investigations und dem US Marshals Service. Die Behörden betonen, dass die Jagd auf flüchtige Verdächtige weitergeht.
Der Fall von Li ist kein Einzelfall. Kryptobetrug nimmt weltweit weiterhin zu. Laut Zahlen des Sicherheitsunternehmens CertiK erbeuteten Betrüger im Januar etwa 370 Millionen Dollar. Der Großteil davon resultierte aus Phishing, bei dem Opfer durch irreführende Nachrichten oder Websites betrogen werden.
Ein Opfer verlor dabei sogar rund 284 Millionen Dollar durch eine extrem raffinierte Form der Täuschung. Der Gesamtverlust im Januar erreichte das höchste Niveau seit fast einem Jahr. Nur im Februar 2025 war der Betrag höher, als Kriminelle etwa 1,5 Milliarden Dollar erbeuteten, vor allem durch den großangelegten Hack der Kryptobörse Bybit.
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