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Der Goldpreis steht erneut unter Druck, da Anleger mit höheren US-Zinsen und anhaltenden Spannungen im Nahen Osten rechnen. Obwohl Gold normalerweise von geopolitischen Unruhen profitiert, befürchtet der Markt derzeit vor allem, dass steigende Energiepreise die Inflation weiter anheizen könnten. Dadurch könnten Zentralbanken die Zinsen länger hoch halten.

Der Spot-Goldpreis verlor heute etwa ein Prozent und schwankt um 4.500 Dollar pro Unze. Damit liegt der Goldpreis nahe dem niedrigsten Stand seit anderthalb Monaten. Analysten sprechen vorerst von einer gesunden Korrektur nach der starken Rallye der vergangenen Monate.
Der größte Druck auf Gold kommt derzeit vom Anleihenmarkt. Anleger erwarten, dass die US-Notenbank vorerst keine Eile bei Zinssenkungen hat. Im Gegenteil: Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung in diesem Jahr steigt.
Inzwischen stieg die Rendite auf 30-jährige US-Staatsanleihen auf 5,177 Prozent, den höchsten Stand seit 2007. Das berichtete Walter Bloomberg auf X. Höhere Anleiherenditen machen sichere Staatsanleihen attraktiver als Gold, das selbst keine Rendite abwirft.
Auch die US-Zehnjahresrendite bleibt in der Nähe des höchsten Standes seit über einem Jahr. Laut CME FedWatch rechnen Händler inzwischen mit einer 38-prozentigen Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Dezember.

Analyst Ricardo Evangelista von ActivTrades meint, dass vor allem die Kombination aus Kriegsdrohungen und steigenden Energiepreisen den Markt fest im Griff hat. Höhere Ölpreise schüren die Angst vor hartnäckiger Inflation.
Neben den Zinsentwicklungen achten Anleger genau auf den Konflikt zwischen den USA und Iran. Donald Trump erklärte am Montag, dass er einen geplanten Angriff auf den Iran vorübergehend gestoppt hat, da „ernsthafte Verhandlungen“ über einen möglichen Deal stattfinden.
Bloomberg berichtet jedoch, dass die Signale aus Washington und Teheran weiterhin widersprüchlich sind. Axios meldete zuvor, dass das Weiße Haus in einem iranischen Vorschlag, der über Pakistan vermittelt wurde, wenig Fortschritte sieht. Iranische Medien erklärten wiederum, dass die amerikanischen Forderungen nach wie vor zu weit gehen.
Die Unsicherheit sorgt für starke Schwankungen an den Finanzmärkten. Brent-Öl wird trotz eines leichten Rückgangs weiterhin über 110 Dollar pro Barrel gehandelt, auch weil die Straße von Hormus weitgehend geschlossen bleibt.
Obwohl Gold oft als Schutz gegen Inflation und geopolitisches Chaos angesehen wird, scheint der Markt derzeit vor allem auf die steigenden Zinsen fokussiert zu sein. Das übt zusätzlichen Druck auf das Edelmetall aus.
Auch große institutionelle Anleger scheinen vorsichtiger zu werden. Das Handelsunternehmen Jane Street verringerte seine Position im größten Silber-ETF der Welt um Millionen von Aktien. Zudem wurde auch die Beteiligung an SPDR Gold Shares (GLD), dem größten Gold-ETF, reduziert.
Citadel Advisors verringerte ebenfalls seine Exponierung gegenüber Goldfonds, während Virtu Financial sogar seine gesamte Position in GLD verkaufte.
Analysten von JPMorgan schreiben, dass neue Investitionszuflüsse in Edelmetalle „nahezu vollständig versiegt“ seien. Laut der Bank könnte eine Lösung des Konflikts zwischen Iran und den USA notwendig sein, um die Nachfrage nach Gold wieder anzukurbeln.
Dennoch erwarten viele Marktbeobachter kurzfristig keinen vollständigen Einbruch des Goldpreises. Zentralbanken kaufen weltweit weiterhin Gold als Schutz gegen wirtschaftliche Unsicherheit und geopolitische Spannungen.
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