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Amazon-Gründer Jeff Bezos plädiert für ein radikales Steuerkonzept in den USA. Seiner Ansicht nach sollte die Einkommenssteuer für die unteren 50 Prozent der Einkommensbezieher komplett abgeschafft werden.

Bezos äußerte diese Ansicht in einem Interview mit CNBC und wiederholte seine Aussage anschließend in den sozialen Medien. Seiner Meinung nach trägt die untere Hälfte der amerikanischen Steuerzahler nur einen kleinen Teil zur Einkommenssteuer bei, während diese Steuer für einzelne Haushalte eine erhebliche Belastung darstellt.

Bezos veranschaulicht mit Beispiel einer Krankenschwester

Um seinen Standpunkt zu verdeutlichen, nennt Bezos das Beispiel einer Krankenschwester in Queens, New York, die 75.000 Dollar im Jahr verdient und mehr als 12.000 Dollar an Steuern zahlt.

Laut Bezos entspricht dies über 1.000 Dollar im Monat. Geld, das in einem solchen Haushalt für Miete, Lebensmittel oder andere tägliche Ausgaben verwendet werden könnte.

Untere Hälfte zahlt kleinen Anteil der Steuer

Bezos argumentiert, dass der größte Teil der Einkommenssteuer in den USA ohnehin von den höchsten Einkommensbeziehern gezahlt wird.

Nach Angaben der Tax Foundation zahlte das reichste 1 Prozent der amerikanischen Steuerzahler im Jahr 2022 über 40 Prozent der gesamten Einkommenssteuer. Die untere Hälfte zahlte im darauffolgenden Jahr etwa 3,3 Prozent.

Darauf basierend stellt Bezos fest, dass die Abschaffung der Einkommenssteuer für die untere Hälfte der Bevölkerung den Staat relativ wenig kostet, für diese Haushalte jedoch einen großen Unterschied macht.

Die amerikanische Einkommenssteuer bringt jährlich etwa 2,4 Billionen Dollar ein. Wenn die untere Hälfte davon etwa 3,3 Prozent ausmacht, handelt es sich um etwa 80 Milliarden Dollar pro Jahr.

„Washington hat kein Einnahmenproblem“

Bezos zufolge hat die amerikanische Regierung kein Einnahmenproblem, sondern ein Ausgabenproblem. Er bemängelt, dass Politiker zu schnell zu höheren Steuern greifen, während die eigentliche Frage sein sollte, wie effizient die Regierung ihr Geld verwendet.

Dabei verwies er unter anderem auf die Ausgaben für öffentliche Schulen in New York City. Laut Bezos liegen diese Kosten bei etwa 44.000 Dollar pro Schüler und Jahr, während die Ergebnisse im Vergleich zu anderen Großstädten zurückbleiben.

Zahlen der Federal Reserve Bank of New York sind etwas niedriger, bei etwa 39.000 Dollar pro Schüler, bestätigen jedoch, dass New York zu den teuersten Schulsystemen des Landes gehört.

Keine Vermögenssteuer, sondern Entlastung

Mit seinem Vorschlag wendet sich Bezos implizit gegen die Vorstellung, dass höhere Steuern für Milliardäre die amerikanischen Haushaltsprobleme lösen. Er meinte, selbst eine Verdopplung seiner eigenen Steuerlast würde wenig am Defizit ändern.

Dieses Defizit wird für 2026 auf etwa 2 Billionen Dollar geschätzt. Daher möchte Bezos die Diskussion verschieben. Nicht hin zu höheren Steuern für Reiche, sondern zu niedrigeren Lasten für Arbeitende und mehr Disziplin in Washington.

Politisch schwieriger Vorschlag

Ob der Vorschlag im US-Kongress Chancen hat, ist ungewiss. Demokraten werden wahrscheinlich auf die Ungleichheit in den USA hinweisen und für höhere Steuern auf Vermögen und Spitzeneinkommen plädieren. Republikaner könnten die Idee einer Steuersenkung für Arbeitende attraktiv finden, müssen aber erklären, wie sie das Haushaltsloch stopfen wollen.

Dennoch trifft Bezos einen wunden Punkt. Viele Amerikaner erleben, dass sich Arbeiten wegen hoher Wohnkosten, Inflation, Gesundheitskosten und Steuern immer weniger lohnt. Indem er die untere Hälfte der Einkommen komplett von der Einkommenssteuer befreien will, möchte Bezos dieses Problem direkt angehen.

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