Jeff Bezos hat ehrgeizige Pläne. Der Amazon-Gründer verhandelt mit den größten Vermögensverwaltern weltweit, um ein Investitionsfonds von sage und schreibe 100 Milliarden Dollar aufzulegen. Dieses Fonds soll Fabriken aufkaufen und sie mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) radikal modernisieren.
Bezos auf globaler Kapital-Tour
Das Wall Street Journal enthüllte gestern, dass Bezos an einem Megafonds arbeitet, der in Investoren-Dokumenten als ‚manufacturing transformation vehicle‘ beschrieben wird. Es zielt auf Unternehmen aus Bereichen wie Chipproduktion, Verteidigung und Luftfahrt ab. Bereits drei Wochen zuvor hatte die Financial Times über die Existenz des Fonds berichtet.
Die Idee ist im Kern recht simpel. Bezos möchte bestehende Fabriken aufkaufen und mit KI-Technologie ausstatten, um sie schneller, kostengünstiger und effizienter zu betreiben. Man denke an Software, die eigenständig vorhersagt, wann eine Maschine ausfallen wird, oder die ein komplettes Fabrikdesign simulieren kann, bevor auch nur eine Schraube gedreht wird.
Vom Umfang her wäre es in derselben Größenordnung wie SoftBanks Vision Fund, der ebenfalls 100 Milliarden Dollar umfasste. Im Gegensatz zu SoftBank, das auf Tech-Unternehmen setzte, zielt Bezos jedoch speziell auf die physische Industrie ab.
Um das Kapital zu beschaffen, hat Bezos in den letzten Monaten eine regelrechte Roadshow absolviert. Er reiste in den Nahen Osten, um mit Staatsfonds wie der Abu Dhabi Investment Authority aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zu verhandeln. Zudem traf er sich mit JPMorgan-Chef Jamie Dimon. Kürzlich zog es ihn nach Singapur, um zusätzliche Finanzierung zu sichern.
Project Prometheus als treibende Kraft
Der Schlüssel zu dem gesamten Plan ist Project Prometheus, das KI-Startup, bei dem Bezos letztes Jahr Co-CEO wurde. Es ist seine erste operative Rolle, seitdem er im Juli 2021 als Amazon-Chef zurücktrat.
Prometheus entwickelt KI-Systeme, die die physische Welt nachbilden können. Die Technologie kann beispielsweise simulieren, wie Luft um eine Flugzeugflügel strömt, oder vorhersagen, wo ein Metallteil unter Druck brechen könnte. Diese Software will Bezos bei den Unternehmen einsetzen, die das Fonds übernimmt.
Project Prometheus ist unabhängig vom Megafonds und führt eine eigene Finanzierungsrunde von bis zu 6 Milliarden Dollar durch. Bereits letztes Jahr sammelte das Startup 6,2 Milliarden Dollar ein, wie die Financial Times zuvor berichtete.
Das Unternehmen wird von Bezos und Vik Bajaj geleitet, einem Stanford-Professor, der zuvor die Lebenswissenschaften-Abteilung von Google mitbegründet hat. Prometheus hat mittlerweile Mitarbeiter von OpenAI und Google DeepMind angeworben.
KI erobert die Fabrik
Bisher drehte sich die KI-Revolution vor allem um Sprachmodelle, die Software schreiben und Büroarbeiten übernehmen. Doch immer mehr Kapital fließt in Unternehmen, die KI für Robotik und Produktion einsetzen.
Amazon selbst ist hier führend. Der Webriese beschäftigt mittlerweile fast genauso viele Roboter wie Menschen in seinen Lagerhäusern. Dennoch steht die Automatisierung der Schwerindustrie noch am Anfang im Vergleich zu den Entwicklungen im Techsektor.
Bezos ist nicht der Einzige, der Eisen im Feuer hat. Der ehemalige Uber-Chef Travis Kalanick enthüllte kürzlich sein Projekt Atoms, das ebenfalls die Fertigungsindustrie mit KI transformieren will. Auch Elon Musk propagiert schon länger Teslas Pläne zum Bau humanoider Roboter.
Auch JPMorgan Chase führt Sondierungsgespräche, um über seine neue Security and Resiliency Initiative in das Projekt einzusteigen. Die Investmentbank startete im Dezember ein Fonds von 10 Milliarden Dollar für dieses Vorhaben und holte den ehemaligen Berkshire Hathaway-Investor Todd Combs an Bord.
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