Teslas ehrgeiziger Plan, Konzernchef Elon Musk eine Rekordvergütung von 1 Billion US‑Dollar zu gewähren, stößt auf heftigen Widerstand. Der Stimmrechtsberater ISS ruft die Aktionäre auf, bei der Hauptversammlung im November dagegen zu stimmen. Es wäre das größte Vergütungspaket, das je einem CEO zugesprochen wurde.
ISS: „Vergütung ist überzogen und zu wenig flexibel“
Der einflussreiche Stimmrechtsberater Institutional Shareholder Services (ISS) urteilt, Teslas neuer Plan biete „außergewöhnlich hohe Vergütungsmöglichkeiten“ und „schränke den Spielraum des Vorstands, künftige Vergütungen anzupassen, stark ein“. Demnach würde das über zehn Jahre gestreckte Paket Musk Milliarden einbringen – selbst wenn nicht alle ehrgeizigen Ziele erreicht werden.
Tesla stellte im September den neuen Plan vor, der insgesamt mit rund 1 Billion US‑Dollar veranschlagt ist. Das Paket wäre unter anderem an Ziele wie eine Börsenbewertung von bis zu 8,5 Billionen US‑Dollar, die Produktion von 20 Millionen Autos pro Jahr, eine Million Robotaxis sowie 400 Milliarden US‑Dollar Gewinn vor Zinsen und Steuern gekoppelt.
ISS bewertet das Aktienpaket selbst mit 104 Milliarden US‑Dollar – deutlich höher als die 87,8 Milliarden, die Tesla in offiziellen Unterlagen nannte.
Musk darf diesmal mitstimmen
Die Empfehlung von ISS kommt für Tesla zu einem heiklen Zeitpunkt. Am 6. November stimmen die Aktionäre über die neue Regelung ab, während ein früheres Vergütungspaket über 56 Milliarden US‑Dollar erst Anfang dieses Jahres von einem Gericht in Delaware für ungültig erklärt wurde.
Ein wichtiger Unterschied zu 2018: Diesmal darf Musk sein eigenes Stimmrecht nutzen. Mit seinem Anteil von 13,5 Prozent hat er genug Einfluss, um den Plan womöglich dennoch durchzusetzen.
Tesla verteidigt den Vorschlag vehement. In einem Beitrag auf X (vormals Twitter) erklärte das Unternehmen, ISS „grundlegende Aspekte des Investierens und der Corporate Governance völlig verkenne“. Laut Tesla ist das Paket entscheidend, um Musk zu halten und weiter zu motivieren.
Vorstandsmitglied Kathleen Wilson-Thompson sagte in einer Stellungnahme: „Viele Menschen kommen zu Tesla, um mit Elon zu arbeiten. Ihn zu halten hilft uns langfristig, bessere Talente zu gewinnen und zu binden.“
Sorge unter Investoren wächst
Die Kritik von ISS erhöht den Druck auf Teslas Führung. Große institutionelle Anleger wie Pensionskassen und Indexfonds folgen bei Abstimmungen oft den Empfehlungen solcher Stimmrechtsberater.
Kritiker befürchten, das Megagehalt könnte zu einer Verwässerung der Aktien führen und Musk zu viel Macht über das Unternehmen geben. Befürworter sehen darin hingegen einen Anreiz für Wachstum und Innovation – zumal sich Tesla auf Robotik, Künstliche Intelligenz und Robotaxis fokussiert.
Trotz der Kontroverse reagierte der Markt verhalten positiv, als der Plan vergangenen Monat vorgestellt wurde. Anleger hoffen, dass das Paket Musk dazu anspornt, sich weiterhin auf Teslas Langfriststrategie zu konzentrieren – nach einer Phase, in der er viel Zeit auf andere Projekte wie X (Twitter) und SpaceX verwendete.
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