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Der US-Dollar wird von einer starken Wirtschaft und steigenden Zinserwartungen gestützt, kann jedoch vorerst nicht wirklich durchstarten. Laut Währungsanalysten von ING liegt das vor allem an der überraschend ruhigen Reaktion des Ölmarktes auf die anhaltenden Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran.

Normalerweise müsste eine solche Situation zu deutlich höheren Ölpreisen führen. Die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran stecken weiterhin fest, während die Lage in der Straße von Hormus unsicher bleibt. Dennoch schafft es Brent-Öl nicht, sich dauerhaft über der Marke von 100 Dollar pro Barrel zu halten.
Nach Auffassung von ING bedeutet das im Grunde nur eines: Die Anleger rechnen damit, dass es letztendlich zu einer Einigung kommt.
Die Bank weist darauf hin, dass die Ölreserven in den letzten anderthalb Monaten um etwa 32 Millionen Barrel gesunken sind. Selbst wenn sich der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus heute vollständig erholen sollte, erwartet ING, dass die Reserven auch im dritten Quartal weiter unter Druck stehen werden.
Aus fundamentaler Sicht müsste der Ölpreis somit eigentlich anfälliger für weitere Anstiege sein. Doch das passiert nicht. Der Markt scheint davon auszugehen, dass ein Friedensabkommen letztlich näher ist, als die Schlagzeilen vermuten lassen.
Diese optimistische Haltung auf dem Ölmarkt verhindert laut ING eine stärkere Aufwertung des Dollars.
Normalerweise würden höhere Ölpreise und geopolitische Unsicherheit dem US-Dollar zusätzlichen Auftrieb geben. Gleichzeitig hat sich das Zinsumfeld in den USA im vergangenen Monat klar zugunsten des Dollars entwickelt.
Anleger rechnen zunehmend mit einer restriktiven Haltung der Federal Reserve. Der Markt preist mittlerweile Zinserhöhungen von etwa 17 Basispunkten für den Rest des Jahres ein. Das bedeutet, dass die US-Notenbank eher in Richtung einer Zinserhöhung als in Richtung Zinssenkungen tendiert.
Das wichtigste Ereignis des Tages ist laut ING der US-Arbeitsmarktbericht für Mai. Die Ökonomen der Bank rechnen mit einem Beschäftigungszuwachs von etwa 100.000 Arbeitsplätzen, was leicht über der Markterwartung von 88.000 liegt. Zudem erwarten sie, dass die Arbeitslosenquote stabil bei 4,3 Prozent bleibt.
Fällt der Arbeitsmarktbericht stärker aus als erwartet, könnte das den Markt dazu bewegen, vollständig mit einer Zinserhöhung der Federal Reserve zu rechnen. Das würde den Dollar wahrscheinlich weiter unterstützen.
Ein Ergebnis, der etwa den Erwartungen entspricht, dürfte nach Einschätzung von ING ausreichen, um den jüngsten Anstieg des Dollars zu festigen, während Anleger weiterhin auf Nachrichten aus dem Nahen Osten warten.
Für den Euro sehen die ING-Analysten vorerst mehr Abwärtsrisiken. Das Währungspaar EUR/USD bewegt sich seit etwa zwei Wochen zwischen 1,160 und 1,165 Dollar pro Euro. Auffallend ist, dass der Euro derzeit etwa 1,5 Prozent niedriger steht als bei einem vergleichbaren Ölpreis im April.
Laut ING zeigt das, dass Zinsunterschiede erneut eine wichtigere Rolle auf den Devisenmärkten spielen. Der Fokus verschiebt sich also von Energiepreisen hin zu den Zentralbanken.
Nächste Woche steht das Zinsmeeting der Europäischen Zentralbank auf der Agenda. ING erwartet eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte, was dem Euro kurzfristig Unterstützung bieten könnte.
Bis dahin besteht laut der Bank jedoch weiterhin das Risiko eines weiteren Rückgangs des EUR/USD-Kurses, sofern es nicht zu unerwarteten Fortschritten bei den Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran kommt.
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