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Der US-Dollar verliert als wichtigste Reservewährung der Welt offenbar schrittweise an Boden. Erstmals rechnen mehr Zentralbanken damit, ihre Dollarbestände abzubauen, als sie auszuweiten. Das geht aus einer neuen Umfrage der Denkfabrik OMFIF unter 90 Zentralbanken, Staatsfonds und Pensionsfonds hervor, die zusammen Vermögen von rund 10 Billionen Dollar verwalten.
Die Verschiebung fällt in eine Phase wachsender geopolitischer Spannungen und schwindenden Vertrauens in die Vereinigten Staaten. Zugleich nimmt das Interesse an Gold und kleineren Währungen zu. Auch künstliche Intelligenz spielt bei der Verwaltung von Reserven eine immer größere Rolle.
Laut der Umfrage erwarten Zentralbanken erstmals unter dem Strich, ihre Dollarreserven in den kommenden zehn Jahren zu reduzieren. Das Ergebnis fügt sich in einen breiteren Trend ein: Immer mehr Länder wollen ihre Abhängigkeit vom internationalen Finanzsystem unter Führung der USA verringern.
Ein unmittelbarer Ersatz für den Dollar ist vorerst nicht in Sicht. Die Währung hat in diesem Jahr sogar zugelegt, gestützt durch vergleichsweise hohe US-Zinsen, die anhaltende Nachfrage nach amerikanischen Anlagen und die Flucht in sichere Anlagen während der Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran.
Dennoch gehen 79 Prozent der Zentralbanken davon aus, dass sich das globale Währungssystem in Richtung einer multipolaren Ordnung entwickelt, in der mehrere Währungen nebeneinander eine wichtige Rolle spielen.
Vor allem Gold profitiert von dieser Entwicklung. Das Edelmetall befindet sich inzwischen im Besitz von 82 Prozent der befragten Zentralbanken und steht OMFIF zufolge im Zentrum ihrer Reservestrategie. Kurzfristig ist Gold sogar die Anlageklasse, in der Zentralbanken ihre Positionen am häufigsten ausbauen wollen.
Auch Währungen wie die norwegische Krone, der Neuseeland-Dollar und das britische Pfund gewinnen vorsichtig an Zuspruch. Der Euro und der chinesische Yuan bleiben ebenfalls im Blick, auch wenn Zentralbanken weiterhin strukturelle Grenzen sehen, die einer größeren Rolle beider Währungen entgegenstehen.
Neben Veränderungen bei der Zusammensetzung der Reserven zeigt die Umfrage auch, dass Zentralbanken immer häufiger künstliche Intelligenz einsetzen. Mehr als zwei Drittel erwarten, KI in den kommenden Jahren stärker zu nutzen, vor allem für Datenanalysen und administrative Prozesse.
In Industrieländern hält praktisch keine Zentralbank den bisherigen KI-Einsatz für ausreichend. Zugleich bleibt ein deutlicher Unterschied zwischen entwickelten Volkswirtschaften und Schwellenländern sichtbar. Fast neun von zehn Zentralbanken in Industrieländern nutzen bereits KI, gegenüber weniger als der Hälfte der Zentralbanken in Schwellenländern.
Auch Staatsfonds passen ihre Strategie an. Sie erhöhen vor allem ihre Investments in Sachwerte wie Infrastruktur und Immobilien. Zudem wächst das Interesse an Schwellenländern, während die Präferenz für entwickelte Volkswirtschaften abnimmt.
Auch wenn der US-Dollar vorerst die dominierende Reservewährung bleibt, zeigt die Umfrage, dass sich immer mehr Zentralbanken auf eine Welt vorbereiten, in der diese Stellung weniger selbstverständlich ist.
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