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An den US-Börsen erlebt der IPO-Markt eine auffällige Belebung. Die Zahl neuer Börsennotierungen liegt in diesem Jahr deutlich über dem Vorjahresniveau, das gesamte Emissionsvolumen ist Mitte 2026 bereits mit dem Rekordjahr 2021 vergleichbar. Dennoch sieht die Investmentbank Goldman Sachs bislang keine Anzeichen dafür, dass der Markt erneut auf eine spekulative Blase wie während des Internetbooms Ende der 1990er Jahre zusteuert.
Nach Einschätzung der Bank ist die aktuelle Belebung vor allem Ausdruck einer Normalisierung des Marktumfelds: Unternehmen können wieder leichter Kapital aufnehmen, zugleich ist das Vertrauen der Anleger gestiegen.
Bislang sind 2026 in den USA rund 50 Unternehmen an die Börse gegangen. Das entspricht in etwa einer Verdopplung gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das gesamte Volumen der Börsengänge liegt inzwischen bei rund 120 Milliarden Dollar und hat damit bereits zur Jahresmitte den Rekordwert von 2021 erreicht.
Ben Snider, Chefstratege für US-Aktien bei Goldman Sachs, wertet diese Entwicklung weitgehend als normale Erholung. Er verweist auf den hohen Kapitalbedarf für Investitionen in künstliche Intelligenz sowie auf mehrere große Unternehmen, die gerade jetzt den Schritt an die Börse wagen.
Obwohl die Bewertungen hoch sind und KI das beherrschende Anlagethema bleibt, erkennt Snider bislang keine Euphorie, wie sie frühere Börsenblasen geprägt hat.
Ein wichtiger Unterschied zu früheren Hochphasen ist Goldman Sachs zufolge die Zahl der Börsengänge. Am US-Markt gibt es im Schnitt rund 100 IPOs pro Jahr. Das liegt nahe am aktuellen Tempo.
Während der Corona-Phase im Jahr 2021 gingen allerdings mehr als 250 Unternehmen an die Börse. Auf dem Höhepunkt der Internetblase 1999 waren es sogar fast 400.
Auch wenn das gesamte Emissionsvolumen derzeit außergewöhnlich hoch ist, bleibt die Zahl neuer Börsennotierungen laut Goldman Sachs vergleichsweise begrenzt. Das spricht dafür, dass Anleger weiterhin selektiver vorgehen als in früheren Phasen extremer Spekulation.
Marktbeobachtern zufolge fließt derzeit ein großer Teil des verfügbaren Kapitals in KI-Unternehmen. Ein wichtiges Beispiel ist der Börsengang von SpaceX Anfang des Monats. Das Raumfahrtunternehmen nahm dabei mehr als 85 Milliarden Dollar ein und erreichte kurzzeitig eine Bewertung von 1,77 Billionen Dollar. Seit dem Börsendebüt ist die Aktie jedoch deutlich zurückgefallen, wodurch Anleger die hohen Bewertungen großer Technologiekonzerne kritischer betrachten.
Diese Entwicklung dürfte auch bei OpenAI eine Rolle spielen. Das Unternehmen soll seinen geplanten Börsengang auf 2027 verschoben haben. Vorstandschef Sam Altman halte demnach an einer Bewertung von 1 Billion Dollar fest, während Berater befürchten, dass der Markt dafür derzeit noch nicht bereit ist.
Der Kryptosektor profitiert unterdessen kaum von der Belebung an der Wall Street. Unternehmen wie Payward, die Muttergesellschaft von Kraken, Consensys, Ledger und Grayscale haben ihre Börsenpläne in diesem Jahr verschoben oder vorübergehend auf Eis gelegt. Laut CoinDesk spielen dabei die anhaltende Volatilität am Kryptomarkt, niedrigere Handelsvolumina und enttäuschende Kursentwicklungen jüngster Börsengänge eine wichtige Rolle.
Mehrere Marktteilnehmer verweisen zudem darauf, dass die Popularität von KI Kapitalströme verlagert. Institutionelle Anleger bevorzugen derzeit häufiger große Technologiekonzerne gegenüber neuen Kryptounternehmen. Eine neue Welle von Krypto-IPOs bleibt damit vorerst aus.
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