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Der rasante Aufstieg von Stablecoins birgt laut der Europäischen Zentralbank nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. Isabel Schnabel, Vorstandsmitglied der EZB, warnt, dass das Wachstum digitaler Dollars langfristig Auswirkungen auf die finanzielle Stabilität und die Kontrolle der Zentralbanken über die Geldpolitik haben könnte.
Laut Schnabel ist die Einführung eines digitalen Euro deshalb wichtiger denn je. Öffentliches Geld, das von einer Zentralbank ausgegeben wird, müsse ihrer Meinung nach weiterhin das Rückgrat des Finanzsystems bilden.
Die EZB-Direktorin äußerte sich am Montag während einer Konferenz der südkoreanischen Zentralbank in Seoul. Obwohl sie anerkannte, dass Stablecoins Innovationen fördern und effizientere Zahlungen ermöglichen können, wies sie auch auf die Risiken einer Finanzwelt hin, die zunehmend von privaten digitalen Währungen abhängig wird.
Schnabel zufolge könnten Stablecoins in Krisenzeiten Bank-Runs auslösen. Zudem könnten sie die Wirksamkeit von Zinsentscheidungen schwächen und die internationale Dominanz des US-Dollars weiter stärken.
„Zentralbanken und Aufsichtsbehörden müssen bereit sein, Regulierung, Geldpolitik und Zahlungsinfrastruktur flexibel anzupassen“, so Schnabel. Dies sei notwendig, um die finanzielle Stabilität zu sichern, die Kontrolle über die Geldpolitik zu bewahren und die Rolle der eigenen Währung im digitalen Zeitalter zu verankern.
Die Strategie der EZB beruht laut Schnabel auf zwei Säulen: einem digitalen Euro für Verbraucher und tokenisiertem Zentralbankgeld für den Unternehmensmarkt.
Der Markt für Stablecoins ist in den letzten Jahren rasant gewachsen. Vor allem an den Dollar gekoppelte Coins gewinnen schnell an Boden, auch weil sich die Vereinigten Staaten zunehmend als Befürworter der Branche positionieren. Unter Präsident Donald Trump erhält Krypto zudem immer mehr politische Unterstützung.
Diese Entwicklung sorgt nicht nur für Begeisterung, sondern auch für Bedenken bei Zentralbanken und Aufsichtsbehörden. Verschiedene Entscheidungsträger haben bereits gewarnt, dass eine immer größere Rolle privater digitaler Dollars Risiken für die finanzielle Stabilität mit sich bringen kann.
In Europa wächst zudem die Sorge, dass Dollar-Stablecoins die Position europäischer Banken schwächen und die Abhängigkeit von der amerikanischen Währung weiter erhöhen könnten. Dadurch gewinnt auch die Debatte darüber an Fahrt, wie Europa reagieren sollte.
Einige Entscheidungsträger sehen einen Euro-Stablecoin als mögliche Lösung. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel äußerte sich Anfang dieses Jahres positiv zu dieser Idee. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hingegen zeigte sich letzten Monat zurückhaltender und betonte die Bedeutung eines digitalen Euro, der direkt von der Zentralbank ausgegeben wird.
Bemerkenswerterweise steht die Sichtweise der EZB im Widerspruch zu der der US-amerikanischen Federal Reserve. Fed-Gouverneur Christopher Waller erklärte Anfang dieser Woche, dass Stablecoins die Position des Dollars stärken und sogar dazu beitragen könnten, die Reichweite der US-Geldpolitik zu vergrößern.
Waller äußerte zudem Zweifel am Nutzen digitaler Zentralbankwährungen. Er bezeichnete die Idee eines digitalen Dollars sogar als „eine dumme Idee“ und distanzierte sich damit klar von dem Kurs, den Europa derzeit verfolgt.
Damit entsteht ein immer deutlicherer Gegensatz zwischen den beiden wirtschaftlichen Großmächten. Während die EZB den Vormarsch von Stablecoins vor allem als Risiko sieht und auf einen digitalen Euro als Gegenmaßnahme setzt, betrachten amerikanische Entscheidungsträger Dollar-Stablecoins zunehmend als strategischen Vorteil für die Vereinigten Staaten.
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