Stablecoin-Emittent Circle kritisiert, dass Europa zu langsam voranschreitet. Das Unternehmen hinter USDC und EURC hat die Europäische Kommission aufgefordert, die Regelungen für digitale Assets zügiger anzupassen. Andernfalls droht die EU hinter die USA zurückzufallen, wo die Infrastruktur für tokenisierte Märkte schnell voranschreitet.
Circle möchte die Pilotphase beenden
Circle reichte am 20. März Feedback zum Market Integration Package (MIP) ein. Dieses umfassende Gesetzespaket, das am 4. Dezember 2025 vorgestellt wurde, soll die europäischen Kapitalmärkte modernisieren und die Zersplitterung entlang nationaler Linien überwinden. Es betrifft Handel, Abwicklung, Vermögensverwaltung und Kryptoregulierung.
Der größte Schwachpunkt liegt beim DLT-Pilotregime. Dieses europäische Pilotprogramm läuft seit März 2023 und ermöglicht es Marktteilnehmern, mit Blockchain-Technologie für den Handel mit tokenisierten Wertpapieren wie Anleihen oder Aktien, die auf einer Blockchain ausgegeben werden, zu experimentieren.
Das Pilotprogramm setzt derzeit einen Maximalwert für die Wertpapiere fest, die über Blockchain gehandelt werden dürfen. Große institutionelle Akteure, wie Pensionsfonds und Banken, stoßen schnell an diese Grenze. Die Kommission will diese Grenze erhöhen und Circle unterstützt dies, hält es jedoch für unzureichend.
Circle plädiert für flexible Grenzen, die automatisch mit dem Marktwachstum steigen, anstatt fester Grenzen, die nur über langwierige Gesetzgebungsverfahren angepasst werden. Zudem fordert das Unternehmen einen klaren Plan: Wann endet die Pilotphase und wann werden die Regeln dauerhaft?
Solange dies unklar bleibt, scheuen Unternehmen Investitionen in teure Blockchain-Infrastrukturen, die möglicherweise umsonst gebaut werden.
Stablecoins stehen vor einem Henne-Ei-Problem
Circle äußert sich auch kritisch zur Rolle von Stablecoins bei der Abwicklung von Wertpapiertransaktionen. Das MIP erkennt an, dass MiCA-konforme Stablecoins, sogenannte E-Geld-Token (EMT), für den Bargeldanteil von Transaktionen verwendet werden dürfen. Der Zugang ist jedoch auf „signifikante“ Token beschränkt.
Das Problem: Derzeit erfüllt kein Euro-Stablecoin diese Anforderung. Dies schafft eine Henne-Ei-Situation, die das Wachstum von vornherein verhindert. Circle fordert zudem, dass auch Kryptodienstleister Abwicklungskonten anbieten dürfen, nicht nur Banken.
Überwachung muss gezielt bleiben
In Bezug auf die vorgeschlagene zentrale Aufsicht durch die ESMA ist Circle eindeutig: Diese sollte sich auf große, grenzüberschreitende Kryptounternehmen mit systemischem Risiko beschränken. Kleinere Akteure sind bei nationalen Aufsichtsbehörden besser aufgehoben.
Schließlich möchte Circle, dass Stablecoins ausdrücklich als Sicherheiten anerkannt werden. Die US-amerikanische Commodity Futures Trading Commission (CFTC) und die britische Zentralbank prüfen bereits diese Möglichkeit. Wenn Europa hinterherhinkt, verliert es den Anschluss.
Die gemeinsame Marktkapitalisierung der EU-Börsen beträgt nur 73 Prozent des BIP, verglichen mit 270 Prozent in den USA. Das MIP soll diese Lücke schließen, aber Circle warnt: Ohne Tempo verliert Europa das Rennen um institutionelles Kapital.
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