Die deutsche Inflation scheint im März auf den höchsten Stand seit über einem Jahr gestiegen zu sein. Erste Zahlen aus den größten Bundesländern weisen auf einen Anstieg auf 2,8 Prozent im Jahresvergleich hin, gegenüber 2 Prozent im Februar. Diese Zunahme ist nahezu vollständig auf höhere Energiepreise zurückzuführen, die durch den Krieg mit dem Iran gestiegen sind.
Energiepreise treiben Inflation weiter an
Der Einfluss des Krieges auf die deutsche Energierechnung ist deutlich spürbar. Besonders Haushalte sind direkt betroffen. In Bayern lag der Preis für Heizöl fast 45 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Auch Treibstoff wurde deutlich teurer, mit einem Anstieg von etwa zwanzig Prozent.
Diese Preissteigerungen schlagen schnell auf die Inflation durch, da Energie eine entscheidende Rolle in nahezu allen Kosten spielt.
Laut Ökonom Martin Ademmer von Bloomberg Economics werden Rohstoffe in der kommenden Zeit weiterhin die Inflation bestimmen. Bleibt der Ölpreis längere Zeit über 100 Dollar pro Barrel, könnte die durchschnittliche Inflation in diesem Jahr auf etwa drei Prozent steigen.
EZB unter Handlungsdruck
Der eskalierende Konflikt im Nahen Osten erinnert schmerzhaft an die Inflationskrise von 2022. Damals wurde die Europäische Zentralbank (EZB) stark kritisiert, weil sie zu spät reagierte, was dazu führte, dass die Inflation auf über zehn Prozent anstieg.
Dieses Mal wollen die Entscheidungsträger ein solches Szenario vermeiden. Unter der Leitung von EZB-Präsidentin Christine Lagarde betont die Zentralbank, dass sie bereit ist, schnell und entschlossen zu handeln, wenn nötig. Eine Zinserhöhung steht dabei ausdrücklich zur Diskussion und wird bei jeder Sitzung, auch der im nächsten Monat, in Betracht gezogen.
An den Finanzmärkten wird die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im April mittlerweile auf etwa sechzig Prozent geschätzt.
Zinsen steigen auf höchsten Stand seit fünfzehn Jahren
Die Renditen deutscher Staatsanleihen steigen weiter und nähern sich erneut dem höchsten Niveau seit fünfzehn Jahren. Die zehnjährige Rendite liegt bei etwa 3,09 Prozent, knapp unter dem in der vergangenen Woche erreichten Höchststand.
Höhere Zinsen verteuern Kredite. Dies trifft sowohl Verbraucher als auch Unternehmen und erhöht den Druck auf die ohnehin anfällige deutsche Wirtschaft.
Für die Eurozone ist besonders die Entwicklung der deutschen Inflation von großer Bedeutung. Wenn ausgerechnet die größte Volkswirtschaft Europas mit schnell steigenden Preisen konfrontiert wird, erhöht sich der Druck auf die EZB, die Zinsen anzuheben. Dies geschieht in einem Moment, in dem die Sorgen über eine wirtschaftliche Abkühlung zunehmen.
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