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Die Klarna-Aktie steht am Dienstag erheblich unter Druck. Der Kurs des schwedischen Zahlungsdienstleisters fiel um rund 20 Prozent, nachdem das Unternehmen seine Umsatzprognose für dieses Jahr gesenkt hatte. Vor allem schwächere Konsumausgaben in Deutschland und ungünstige Wechselkurse belasten das Geschäft.
Der deutliche Kursrückgang ist bemerkenswert, weil die Quartalszahlen selbst besser ausfielen als erwartet. Anleger reagieren offenbar vor allem auf die Perspektiven für den Rest des Jahres. Zugleich sorgt ein Wechsel in der Führungsspitze für zusätzliche Unsicherheit. Finanzchef Niclas Neglén verlässt das Unternehmen im kommenden Jahr, Klarna sucht in New York nach einem Nachfolger.
Vor allem die Entwicklung in Deutschland sorgt für Gegenwind. Klarna erwartet für dieses Jahr nun einen Umsatz zwischen 4,08 Milliarden und 4,16 Milliarden Dollar. Zuvor hatte das Unternehmen noch mit rund 4,3 Milliarden Dollar gerechnet.
Vorstandschef Sebastian Siemiatkowski zufolge geben deutsche Verbraucher weniger Geld für nicht notwendige Anschaffungen aus. Klarna geht davon aus, dass diese Schwäche auch im weiteren Jahresverlauf anhält.
Für den Zahlungsdienstleister ist das ein zentrales Problem. Klarna ist mit dem Modell „Jetzt kaufen, später zahlen“ groß geworden, bei dem Kunden ihre Einkäufe in Raten begleichen können. Wird weniger eingekauft, sinkt auch die Zahl der Transaktionen, an denen das Unternehmen verdient.
Auffällig ist der Unterschied zu den Vereinigten Staaten. Dort sieht Klarna weiteres Wachstum und will seine Präsenz ausbauen. Im vergangenen Monat beantragte das Unternehmen dort eine Banklizenz, wodurch der US-Markt in der Strategie von Klarna eine immer wichtigere Rolle einnimmt.
Ausgerechnet die Quartalszahlen selbst fielen besser aus als erwartet. Klarna erzielte im zweiten Quartal einen Nettogewinn von 9 Millionen Dollar, während Analysten im Schnitt mit einem Verlust von 18 Millionen Dollar gerechnet hatten.
Auch der Umsatz übertraf die Erwartungen. Er stieg gegenüber dem Vorjahr um rund 27 Prozent auf 1,04 Milliarden Dollar.
Für Anleger wiegt diese positive Überraschung jedoch nicht schwer genug, um die eingetrübten Aussichten zu überdecken. Die gesenkte Umsatzprognose wirft Fragen auf, wie viel Wachstum Klarna in der zweiten Jahreshälfte halten kann.
Zugleich stehen in der Führungsspitze mehrere Veränderungen an. Finanzchef Niclas Neglén verlässt Klarna im kommenden Jahr. Das Unternehmen sucht in New York nach seinem Nachfolger. Auch Marketingchef David Sandström scheidet im kommenden Jahr nach neun Jahren aus dem Unternehmen aus.
Analysten von Citizens verweisen genau auf diese Kombination. Die niedrigeren Erwartungen und der Abgang mehrerer Führungskräfte erhöhten ihrer Einschätzung nach die Unsicherheit für die kommenden Quartale.
Gleichzeitig versucht Klarna, seine Abhängigkeit vom Modell „Jetzt kaufen, später zahlen“ zu verringern, mit dem das Unternehmen groß wurde. Der Zahlungsdienstleister setzt deshalb verstärkt auf Produkte, die Kunden häufiger nutzen, etwa Debitkarten und Abonnements.
Diese Verbreiterung des Geschäfts beginnt sich auszuzahlen. Der durchschnittliche Umsatz je aktivem Kunden stieg um 24 Prozent. In der vergangenen Woche startete Klarna zudem ein neues Mitgliedschaftsprogramm in Europa.
Auch das Netzwerk angeschlossener Händler wächst schnell. Inzwischen arbeitet Klarna mit mehr als 1,2 Millionen Händlern zusammen, 54 Prozent mehr als vor einem Jahr. Das Unternehmen kooperiert unter anderem mit der Zahlungssparte von JPMorgan und hat ein neues Leasingprogramm mit Apple aufgelegt.
Vor allem in den Vereinigten Staaten sieht Klarna Spielraum für weiteres Wachstum. Das erklärt auch, warum das Unternehmen seinen neuen Finanzchef in New York suchen will. Siemiatkowski zufolge ist eine stärkere Präsenz dort wichtig und bringt Klarna zugleich näher an amerikanische Anleger und den Aktienmarkt.
Diese Anleger sind vorerst jedoch nicht überzeugt. Klarna ging im vergangenen Jahr in den Vereinigten Staaten an die Börse, die Aktie liegt inzwischen rund 50 Prozent unter dem Ausgabepreis. Seit März hatte eine Erholung eingesetzt, doch der Kursrutsch vom Dienstag macht einen erheblichen Teil davon wieder zunichte.
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