Die Kryptobörse Coinbase macht einen wichtigen Schritt in Richtung der traditionellen Finanzwelt. Das Unternehmen hat in den Vereinigten Staaten einen Antrag auf eine National Trust Company Charter beim Office of the Comptroller of the Currency (OCC) eingereicht. Mit dieser Lizenz will Coinbase die Lücke zwischen der rasant wachsenden Krypto-Ökonomie und dem traditionellen Bankwesen verkleinern.
Mit der Lizenz kann das US-Unternehmen selbst mehr Finanzdienstleistungen anbieten und strengeren Vorschriften besser entsprechen. Damit folgt Coinbase einem Trend unter großen Kryptounternehmen, die sich auf eine Zukunft vorbereiten, in der digitale Währungen und traditionelle Finanzen zunehmend miteinander verflochten sind.
Coinbase will Krypto für alle zugänglicher machen
Der Antrag ist Teil von Coinbases Strategie, Krypto für ein breiteres Publikum einfacher, sicherer und benutzerfreundlicher zu machen. Das Unternehmen betont, dass es nicht vorhat, eine klassische Bank zu werden, aber mehr Kontrolle über seine Dienste und seine Infrastruktur gewinnen will.
„Wir glauben, dass klare Regulierung und das Vertrauen der Aufsichtsbehörden es uns ermöglichen, weiter zu innovieren“, heißt es in einer Erklärung von Coinbase. „So können wir neue Finanzlösungen entwickeln und zugleich Sicherheit und Aufsicht gewährleisten.“
Wird die Lizenz genehmigt, kann Coinbase sogenannte On-Ramp– und Off-Ramp-Dienste – also das Umtauschen von Euro oder US-Dollar in Krypto und umgekehrt – künftig selbst anbieten. Bislang läuft dies über externe Partnerbanken. Indem die Börse diesen Prozess selbst übernimmt, kann sie den Nutzern ein schnelleres und reibungsloseres Erlebnis bieten.
Bessere Services und stärkere Marktposition
Nach Ansicht von Luke Youngblood, einem ehemaligen Coinbase-Mitarbeiter, der am Aufbau des Belohnungssystems für Staking beteiligt war, ist dieser Schritt eine logische Entwicklung. „Mit dieser Lizenz kann Coinbase selbst die Infrastruktur für den Kauf und Verkauf von Krypto bereitstellen, ohne von anderen Banken abhängig zu sein“, sagt er.
Youngblood sieht zudem, dass das Unternehmen in kurzer Zeit große Fortschritte gemacht hat. „Als ich 2022 dort arbeitete, war die App noch nicht so benutzerfreundlich. Jetzt sieht man, dass sie Top-Talente eingestellt haben – das schlägt sich in besseren Produkten und Funktionen nieder.“
Immer mehr Kryptounternehmen beantragen eine Lizenz
Coinbase ist nicht der einzige Akteur der Branche, der diesen Weg einschlägt. Im Juli beantragte auch Circle, der Herausgeber einer beliebten Stablecoin, eine nationale Trustbank-Lizenz. Kurz darauf folgte Ripple Labs, bekannt für die Kryptowährung XRP.
Brad Garlinghouse, CEO von Ripple, bezeichnete eine mögliche Genehmigung einer solchen Lizenz als „einen neuen und einzigartigen Vertrauensmaßstab für den Stablecoin-Markt“. Laut dem Politik-Analysten Brendan Pedersen unterliegen Trustgesellschaften traditionell strengeren Regeln als Banken, doch dieser Unterschied ist in den vergangenen Jahren immer kleiner geworden.
Krypto und traditionelle Banken rücken näher zusammen
Der Schritt von Coinbase zeigt, dass der Kryptosektor erwachsen wird und sich immer stärker in das bestehende Finanzsystem integriert. Indem das Unternehmen unter Aufsicht der Finanzbehörden arbeitet und mehr Dienste selbst anbietet, will es eine Brücke zwischen zwei lange getrennten Welten schlagen.
Da immer mehr große Kryptounternehmen ähnliche Lizenzen beantragen, zeichnet sich die Zukunft der Finanzwelt immer klarer ab: eine Welt, in der digitale Vermögenswerte und traditionelle Bankdienstleistungen Hand in Hand gehen.
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