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Circle sieht sich einer Klage gegenüber. Der Herausgeber der zweitgrößten Stablecoin USDC wird von Geschädigten des Drift-Hacks verklagt. Bei diesem Angriff auf die Solana-Plattform wurden Hunderte Millionen Dollar entwendet. Laut Klägern schaute Circle zu, wie die Beute über die eigene Infrastruktur abtransportiert wurde.
Die Sammelklage wurde am Mittwoch bei einem Bundesgericht in Massachusetts eingereicht. Hauptkläger ist Drift-Investor Joshua McCollum, der im Namen von über hundert Geschädigten auftritt. Die Kanzlei Gibbs Mura führt die Klage und fordert eine Schadensersatzsumme, die im Prozess festgelegt wird.
Die Klage bezieht sich auf den Hack vom 1. April, bei dem Angreifer 280 Millionen Dollar von Drift, einer dezentralen Derivatebörse im Solana-Netzwerk, abzweigten.
Laut den Klägern verlagerten die Hacker etwa 230 Millionen Dollar in USDC von Solana zu Ethereum über Circles eigenes Cross-Chain Transfer Protocol (CCTP). Dieses Protokoll ermöglicht die Übertragung von USDC-Beständen zwischen verschiedenen Blockchains.
Nach Angaben der Anwälte hatte Circle sechs Stunden Zeit, um einzugreifen, ließ die Gelder jedoch unberührt. Die Vorwürfe lauten auf Fahrlässigkeit und die bewusste Ermöglichung der Verlagerung gestohlener Gelder.
Die Anwälte verweisen auf ein pikantes Detail. Neun Tage vor dem Hack fror Circle in einem anderen zivilrechtlichen Fall sechzehn Wallets ein. “Circle hatte die technische Möglichkeit, die vertragliche Befugnis und die zuvor gezeigte Fähigkeit, einzugreifen”, so die Juristen.
Krypto-Forscher ZachXBT übt noch schärfere Kritik an Circle. Ihm zufolge zeigte das Unternehmen seit 2022 bei verdächtigen Transaktionen mehrfach Versäumnisse, die insgesamt über 420 Millionen Dollar betrafen. Selbst nach Warnungen von Strafverfolgungsbehörden und Sicherheitsexperten blieben gestohlene USDC-Gelder tagelang unangetastet, so der Forscher.
Laut dem Forschungsunternehmen Elliptic stecken nordkoreanische Hacker hinter dem Drift-Angriff. Sie schleusten die Beute über Tornado Cash, einen sogenannten Krypto-Mixer, der Transaktionen unauffindbar macht.
Der Fall berührt ein juristisches Niemandsland. Kryptounternehmen, die technisch in der Lage wären, Gelder einzufrieren, verweisen bei Hacks oft auf rechtliche Beschränkungen oder das Fehlen eines Gerichtsbeschlusses als Grund für Untätigkeit. Während ein Exploit in Echtzeit stattfindet, bleibt somit unklar, wer eigentlich verantwortlich ist.
Bloomberg-ETF-Analyst James Seyffart meint, dass sich dies ändern sollte. Auf der Social-Media-Plattform X schrieb er:
“Ich hoffe, dass hier ein Präzedenzfall geschaffen wird. Entweder man ist ein dezentrales Protokoll und hat buchstäblich nicht die Macht, einzufrieren, oder man ist es nicht und sollte gehackte Gelder einfrieren. Diese halbherzige ’nur mit Gerichtsbeschluss‘-Erzählung ist schwach. Es fehlt der Blick fürs Wesentliche.”
Circle-CEO Jeremy Allaire verteidigte das Vorgehen zu Beginn der Woche und bezeichnete die eigenmächtige Handlung als ein „bedeutendes ethisches Dilemma“.
Auch Lorenzo Valente, Leiter für digitale Vermögenswerte bei ARK Invest, stärkte Circle den Rücken. Das Einfrieren von Wallets ohne rechtlichen Beschluss öffne laut ihm Tür und Tor für Willkür. Ob Circle korrekt gehandelt hat, hänge davon ab, ob man die Prinzipien des Rechtsstaats oder konkrete Schäden höher gewichte.
Inzwischen ist Drift von USDC auf Tethers USDT umgestiegen und erhielt ein Rettungspaket in Höhe von 147,5 Millionen Dollar.
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