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Der US-Bullenmarkt ist inzwischen bemerkenswert gereift und zugleich ausgesprochen robust. Seit dem Tief im Oktober 2022 hat der S&P 500 um mehr als 100 Prozent zugelegt. Seit der Finanzkrise 2009 hat er sich sogar verzehnfacht.

Damit stellt sich zwangsläufig die Frage, wie lange diese Entwicklung noch anhalten kann. Nach Einschätzung von Ian Harnett von Absolute Strategy Research enden Bullenmärkte selten aus Altersgründen. Meist werden sie von außen beendet. Entscheidend ist also nicht, ob diese Hausse bereits alt ist, sondern was sie am Ende brechen könnte.
Der US-Aktienmarkt ist teuer geworden. Gemessen an den Gewinnen der vergangenen zwölf Monate wird der Markt mit dem 28,4-Fachen der Gewinne bewertet. Das liegt rund 40 Prozent über dem Durchschnitt der vergangenen 40 Jahre.
Auf Basis zyklisch bereinigter Gewinne, also des durchschnittlichen Gewinns über zehn Jahre, liegt die Bewertung sogar bei rund dem 41-Fachen. Solche Niveaus traten historisch vor allem in der Nähe großer Markthochs auf.
Eine hohe Bewertung allein reicht allerdings meist nicht aus, um einen Bullenmarkt zu beenden. Teure Märkte können lange teuer bleiben, vor allem wenn die Gewinne weiter wachsen und Anleger an eine strukturelle Wachstumsstory glauben. Diese Story heißt derzeit KI.
Der jüngste Kursanstieg an den Börsen wird von zwei Faktoren getragen: starkem Gewinnwachstum durch KI und einem vergleichsweise günstigen geldpolitischen Umfeld. Der Markt rechnet in den USA weiterhin mit kräftigen Gewinnzuwächsen. Zugleich hat die Fed die Zinsen weniger stark angehoben, als es angesichts dieses Gewinnwachstums historisch zu erwarten gewesen wäre.
Sollte Kevin Warsh als neuer Fed-Vorsitzender der Entwicklung weiter hinterherlaufen, könnte das den Bullenmarkt kurzfristig sogar verlängern. Genau darin liegt zugleich das Risiko. Historisch wurden große Bullenmärkte oft erst dann gebrochen, nachdem Notenbanken die Zinsen massiv angehoben hatten. Nicht um einen halben Prozentpunkt, sondern um 2 bis 4 Prozentpunkte.
Öl scheint den Bullenmarkt bislang nicht gebrochen zu haben. Der Preisanstieg infolge des Iran-Kriegs war weder stark noch anhaltend genug, um der Wirtschaft ernsthaft zu schaden. Die größere Gefahr liegt bei KI.
Solange die KI-Gewinne kräftig bleiben und Anleger bereit sind, neue Finanzierungsrunden und Börsengänge von Unternehmen wie OpenAI, Anthropic und SpaceX zu finanzieren, bleibt das Momentum intakt. Doch das Risiko verlagert sich allmählich.
Nicht nur die KI-Unternehmen selbst sind entscheidend, sondern vor allem ihre Kunden. Wenn Branchen wie Finanzwesen, Industrie, Medien, Transport, Bildung und Gesundheitswesen aus ihren KI-Investitionen keine ausreichenden Renditen erzielen, kann der Cashflow unter Druck geraten.

Dann wird KI vom Wachstumstreiber zum Kostenfaktor. Genau das könnte der Moment sein, in dem dieser Bullenmarkt bricht. Vorerst deutet jedoch wenig darauf hin.
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