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Ein Vorschlag zur Verschärfung der Bitcoin-Regeln (BTC) hat Entwickler, Miner und große Unternehmen in dieser Woche frontal gegeneinander aufgebracht. Längst geht es nicht mehr nur um technische Details, sondern um die Frage, wer bei Bitcoin tatsächlich Einfluss hat.
Es ist der heftigste Governance-Streit seit Jahren. Im kommenden Monat müssen die Beteiligten Farbe bekennen.
Auslöser des Konflikts waren 2023 die Ordinals, eine Entwicklung des Programmierers Casey Rodarmor. Damit lassen sich Bilder, Texte und Videos auf einzelnen Satoshis speichern, der kleinsten Einheit eines Bitcoins.
Möglich wurde das durch das Taproot-Upgrade aus dem Jahr 2021. Die Nachfrage nach Blockspace sprang an, die Transaktionsgebühren zogen mit, und Miner verdienten kräftig daran.
Der langjährige Bitcoin-Entwickler Luke Dashjr sieht darin jedoch keine Zahlungen, sondern Spam. Die zusätzlichen Daten lassen die Blockchain anschwellen und machen den Betrieb einer eigenen Node, also der Software zur Prüfung aller Transaktionen, immer aufwendiger.
Wer daran etwas ändern will, verfasst ein Bitcoin Improvement Proposal. Das ist ein öffentlicher Vorschlag, den jeder lesen und kritisieren kann. Eine zentrale Instanz, die Entscheidungen trifft, gibt es nicht.
Eine Änderung setzt sich erst durch, wenn nahezu die gesamte Kette mitzieht. Miner signalisieren ihre Unterstützung über die Blöcke, die sie finden. Bleibt diese Unterstützung aus, passiert nichts.
BIP-110 wurde im Dezember vergangenen Jahres eingereicht und soll nichtfinanzielle Daten auf der Blockchain von Bitcoin aussperren. Der Vorschlag begrenzt den verfügbaren Platz in einer Transaktion so stark, dass weder Bilder noch Texte hineinpassen.
Es handelt sich um eine sogenannte Soft Fork: eine Verschärfung der Regeln, mit der ältere Software weiterhin kompatibel bleibt. Die Begrenzung soll rund ein Jahr gelten, damit Entwickler an einer dauerhaften Lösung arbeiten können.
Befürworter sehen darin eine Rückkehr zum ursprünglichen Zweck von Bitcoin: Geld, das ohne Zwischeninstanz übertragen wird, und keine teure Festplatte für Bilder.
Gegner sprechen von Zensur. Bitcoin habe nie danach gefragt, was in einer Transaktion steckt, sondern nur, ob die Gebühren bezahlt wurden. Genau dieses Prinzip würde nun erstmals aufgegeben.
Michael Saylor, Gründer von Strategy und einer der bekanntesten Bitcoin-Befürworter, sieht Spam nicht als Bedrohung. Er schrieb auf X, es gebe „110 Dinge“, die für Bitcoin gefährlicher seien als Spam – eine Anspielung auf die Nummer des Vorschlags.
„BIP-110 macht aus einem Streit über Spam eine Konsensänderung, durch die bestimmte heute gültige, gebührenzahlende Transaktionen ungültig würden“, führte er aus. „Genau dieser Präzedenzfall ist gefährlich.“
Saylor geht es damit nicht um die Bilder, sondern um das dahinterstehende Prinzip. Bitcoin habe noch nie bewertet, was in einer Transaktion enthalten ist, sondern nur, ob die Gebühren bezahlt wurden.
Geschieht das ein einziges Mal, ist die nächste Einschränkung nur noch Verhandlungssache. Dann entscheidet jemand anderes, was unerwünscht ist.
Adam Back, Mitgründer von Blockstream, äußert sich ebenso deutlich. Dezentralisierung habe zwei Seiten: Sie schütze vor dem Willen anderer, hindere aber auch einen selbst daran, anderen den eigenen Willen aufzuzwingen.
Wer das unbedingt wolle, könne sich aus seiner Sicht zusammenschließen und eine eigene Fork starten. „Bitcoin macht dabei nicht mit.“
Die Blocksize Wars von 2015 bis 2017 endeten genau so: mit einer Abspaltung, die als Bitcoin Cash (BCH) weiterlief.
Von den Minern signalisieren bislang nicht einmal 0,7 Prozent Unterstützung, also weniger als einer von 140 Blöcken. Für einen frühen Lock-in wären 55 Prozent nötig.
Die verpflichtende Signalisierungsphase beginnt zwischen dem 7. und 15. August. Kommt die Unterstützung auch dann nicht zustande, setzt nur eine Handvoll Nodes die neuen Regeln durch, während Bitcoin bleibt, wie es ist.
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