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Ein seit Langem schwelender Streit über Spam im Bitcoin-Netzwerk ist am Wochenende in einer Abspaltung eskaliert. Eine Gruppe von Befürwortern spaltete am Samstag eine eigene Version von Bitcoin (BTC) vom Hauptnetz ab.

Weit über die Startlinie hinaus kam diese Abspaltung allerdings nicht.

„Bitcoin hat genau so funktioniert, wie es vorgesehen war“

Der Plan sieht vor, den Platz, den Nutzer für Bilder, Texte und andere nichtfinanzielle Daten in Transaktionen verwenden, für ein Jahr zu begrenzen. Bekannt wurde diese Praxis vor allem durch Ordinals.

Befürworter argumentieren, diese Daten füllten die Blöcke und trieben die Gebühren für normale Zahlungen nach oben. Gegner sprechen von Zensur: Wer für Blockspace bezahlt, solle selbst entscheiden dürfen, wofür er ihn nutzt. Bitcoin sei schließlich als offenes Netzwerk gedacht, in dem niemand die Kontrolle hat.

Am Samstag kam es zur tatsächlichen Spaltung. Seit Block 961.632 lehnen Computer mit BIP-110-Software jeden Block ab, der den Vorschlag nicht unterstützt. Dadurch entstand neben Bitcoin eine zweite Kette.

Weit kam sie nicht. Am Sonntag stand die Abspaltung nach zwei Blöcken bei 961.633 still, während das Hauptnetz bis 961.721 weiterlief. Das entspricht einer Lücke von 88 Blöcken.

Der Grund liegt in der Technik von Bitcoin selbst. Das Netzwerk passt den Schwierigkeitsgrad, also das Rechenrätsel, das Miner lösen müssen, nur alle 2.016 Blöcke an.

Die neue Kette erbte diese hohe Einstellung, bekam aber kaum Rechenleistung mit. Von den 2.016 Blöcken vor der Abspaltung unterstützten 51 den Vorschlag, also 2,53 Prozent. Für eine Einführung ohne Bruch wären 55 Prozent nötig gewesen.

Damit dauert es fast ein Jahr, bis diese Kette ihren Schwierigkeitsgrad senken darf. Bitcoin selbst benötigt dafür rund zwei Wochen.

„Bitcoin hat genau so funktioniert, wie es vorgesehen war. BIP-110 konnte sich frei abspalten, und das Netzwerk konnte ebenso frei entscheiden, nicht mitzugehen“, schrieb Saylor am Sonntagmorgen auf X.

„BIP 110 macht aus einem Streit über Spam eine Änderung des Konsenses, durch die bestimmte heute gültige, bezahlte Transaktionen ungültig würden. Genau dieser Präzedenzfall ist das Risiko“, schrieb er im vergangenen Monat auf X.

Nicht die erste Abspaltung

Eine solche Spaltung heißt in der Kryptosprache Fork, also eine Verzweigung. Die Bitcoin-Software ist öffentlich, daher kann jeder eine eigene Version betreiben. Weichen deren Regeln ab, laufen die Ketten ab diesem Zeitpunkt auseinander.

Bitcoin hat das bereits erlebt. 2017 führte ein Streit über die Blockgröße zu Bitcoin Cash (BCH), einem eigenständigen Coin mit eigener Kette und eigenem Kurs. Ein Jahr später spaltete sich davon Bitcoin SV (BCV) ab.

Diese Abspaltung hatte allerdings eine Notbremse eingebaut, durch die das Rechenrätsel schnell leichter wurde. Auch Ethereum (ETH), das sich 2016 nach einem großen Hack in zwei Ketten aufteilte, passt dieses Rätsel pro Block an. Beide Ketten liefen innerhalb weniger Tage aus eigener Kraft.

Die BIP-110-Kette hat eine solche Notbremse nicht. Hinzu kommt, dass Börsen den Coin links liegen lassen. Für Miner gibt es daher nichts zu verdienen. Rechenleistung folgt nun einmal dem Geld.

Wer zum Zeitpunkt der Abspaltung BTC besaß, hält die Coins auf beiden Ketten. Das klingt nach Gratisgeld, hat aber einen Haken.

Beide Ketten akzeptieren nämlich dieselben Transaktionen. Verkauft man seine Coins auf der Minderheitskette, kann der Käufer dieselbe Transaktion bei Bitcoin selbst einreichen und sich so auch die echten BTC sichern.

Die verpflichtende Signalisierung läuft noch bis Block 963.647. Diesen Punkt wird die abgespaltene Kette bei diesem Tempo bei Weitem nicht erreichen.

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