Die Hoffnung auf eine anhaltende Erholung des Kryptomarkts löste sich am Freitag rasch in Luft auf, als ein breiter Ausverkauf nahezu sämtliche Kursgewinne der vergangenen Woche zunichtemachte.
Bitcoin (BTC), der vor wenigen Tagen noch bei rund 88.000 US-Dollar notierte, stürzte deutlich auf 83.800 US-Dollar ab. Der breitere Markt erlitt noch stärkere Verluste. Große Altcoins wie Avalanche (AVAX), Dogecoin (DOGE), Near (NEAR) und Uniswap (UNI) verloren fast 10 % ihres Wertes. Insgesamt wurden laut Daten von TradingView rund 115 Milliarden US-Dollar an Marktkapitalisierung vom globalen Kryptomarkt ausgelöscht.
Ethereum unter Druck
Auch Ethereum (ETH) geriet stark unter Druck und verlor über 6 %. Damit erreichte die ETH-BTC-Ratio den niedrigsten Stand seit Mai 2020 – ein klares Zeichen für die anhaltende Schwäche von Ethereum gegenüber Bitcoin.
Diese Entwicklung wird durch das mangelnde Interesse an Ethereum-ETFs verstärkt. Seit Anfang März gab es keine Nettozuflüsse in Ether-basierte Fonds, während Bitcoin-ETFs im selben Zeitraum über 1 Milliarde US-Dollar an frischem Kapital anzogen, wie Daten von Farside Investors zeigen.
Negatives Sentiment an den Aktienmärkten
Der Abschwung bei Kryptowährungen fiel zeitlich mit deutlichen Verlusten an den US-Aktienmärkten zusammen. Der S&P 500 verlor am Freitag 2 %, während der technologieorientierte Nasdaq-Index sogar um 2,8 % einbrach – vor allem infolge enttäuschender Wirtschaftsdaten. Auch Aktien mit starkem Krypto-Fokus gerieten unter Druck: MicroStrategy (MSTR), der größte institutionelle Bitcoin-Investor, beendete den Tag 10 % im Minus. Die Krypto-Börse Coinbase (COIN) verlor 7,7 %.
Auslöser der Unsicherheit war der PCE-Inflationsbericht für Februar, der einen Preisanstieg von 2,5 % im Jahresvergleich zeigte. Die Kerninflation lag bei 2,8 % und damit leicht über den Erwartungen. Die Konsumausgaben stiegen zwar um 0,4 %, inflationsbereinigt war jedoch kaum reales Wachstum zu erkennen. Laut dem GDPNow-Modell der Federal Reserve Bank of Atlanta könnte die US-Wirtschaft im ersten Quartal um 2,8 % schrumpfen – oder um 0,5 %, wenn man Goldimporte und -exporte berücksichtigt. Diese Aussichten schüren die Angst vor einer drohenden Stagflation.
Zusätzlich belastet das bevorstehende Inkrafttreten neuer umfassender US-Zölle – angekündigt von der Trump-Regierung und gültig ab dem 2. April, dem sogenannten „Liberation Day“ – das Anlegervertrauen weiter.
Korrektur oder gesunde CME-Gap-Füllung?
Bitcoin zeigte zuletzt eine enge Korrelation mit dem Nasdaq. Sollte der US-Aktienmarkt weiter nachgeben, dürfte das auch auf den Kryptomarkt zusätzlichen Druck ausüben. Es gibt jedoch auch eine optimistische Sichtweise: Laut CoinDesk-Analyst James Van Straten könnte der jüngste Rückgang von BTC mit dem Schließen eines sogenannten CME-Gaps im Bereich von 84.000–85.000 US-Dollar zusammenhängen. Diese Kurslücke entstand zwischen dem Wochenbeginn am Montag und dem Schlusskurs der Vorwoche an der Chicago Mercantile Exchange.
Van Straten betonte, dass mögliche weitere Rücksetzer voraussichtlich solide Unterstützung im Bereich von 70.000 bis 75.000 US-Dollar finden dürften.
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