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SWIFT, das Netzwerk, über das Banken weltweit Zahlungen untereinander abwickeln, hat einen Test mit einem eigenen Blockchain-Netzwerk gestartet, um grenzüberschreitende Zahlungen zu modernisieren. Damit nimmt SWIFT genau den Markt ins Visier, auf den Ripple mit XRP seit Jahren setzt.
In der Community wurde heftig darüber spekuliert, ob der Coin dabei eine Rolle spielen könnte. Ein früherer SWIFT-Topmanager lässt diese Hoffnung nun jedoch deutlich platzen. Muss Ripple nach der Nachricht des internationalen Zahlungsnetzwerks jetzt um seine Position fürchten?
Das Ledger wurde gestern tatsächlich gestartet. Große Namen wie HSBC, Citi, UBS und Standard Chartered beteiligen sich an der ersten Live-Testphase mit 17 Banken.
Im Mittelpunkt stehen tokenisierte Bankeinlagen. Dabei handelt es sich um digitale Abbilder klassischer Bankguthaben, die sich über eine Blockchain übertragen lassen. Banken können Zahlungen dadurch rund um die Uhr verarbeiten, auch am Wochenende.
Das Tempo ist bemerkenswert. SWIFT stellte die Pläne Ende September 2025 auf seiner jährlichen Sibos-Konferenz in Frankfurt gemeinsam mit dem Technologiepartner Consensys vor. Im März dieses Jahres war das Design fertig, neun Monate nach der Ankündigung ist das System live.
Der Start berührt unmittelbar das Kerngebiet von XRP. Der Coin von Ripple wurde ursprünglich genau für dieses Problem entwickelt: langsame und teure internationale Zahlungsströme.
In der Community kursierten daher seit Monaten Spekulationen, SWIFT könne den Coin übernehmen oder sogar vollständig integrieren. Tom Zschach, bis April Innovationschef von SWIFT, räumte heute damit auf. Auf X antwortete er mit drei Worten: „Daraus wird nichts“.
Schon im September hatte er klare Worte gefunden: „Die entscheidende Frage ist, ob Banken die finale Abwicklung jemals einem Token überlassen würden, der weder eine Einlage noch reguliertes Geld ist und auch nicht in ihrer Bilanz steht.“
Auch die hartnäckige Behauptung, der Nachrichtenstandard ISO 20022 dränge Banken in Richtung XRP, stimmt nicht. Ripple-Technikchef David Schwartz sagte dazu: „XRP hat nichts mit ISO 20022 zu tun.“
Ripple ist längst nicht mehr nur ein Zahlungsunternehmen. Das Flaggschiff bleibt Ripple Payments, das Netzwerk, über das Banken und Zahlungsdienstleister Geld über Grenzen hinweg transferieren. Mehr als 300 Institutionen in über 55 Ländern sind angeschlossen.
Innerhalb dieses Netzwerks spielt XRP nur bei On-Demand Liquidity eine zwingende Rolle. Dabei dient der Coin als Brücke zwischen zwei Währungen, sodass Banken kein Kapital im Ausland vorhalten müssen. Rund 40 Prozent der Partner nutzen diese Funktion.
Daneben verfügt Ripple über den eigenen Stablecoin RLUSD, einen digitalen Dollar, der inzwischen rund 1,6 Milliarden Dollar schwer ist. Er läuft auf dem XRP Ledger und auf Ethereum (ETH) und benötigt XRP dafür nicht.
Außerdem verwahrt Ripple Custody Coins für große Institutionen wie Citi und BBVA. Mit der Übernahme von Hidden Road kam der Prime Broker Ripple Prime hinzu, der für professionelle Marktteilnehmer jährlich Transaktionen in Billionenhöhe abwickelt.
Ende vergangenen Jahres erhielt Ripple zudem eine vorläufige US-Banklizenz für Treuhanddienstleistungen. In dieser Woche kam eine MiCA-Lizenz der luxemburgischen Aufsicht hinzu, mit der das Unternehmen regulierte Dienste in ganz Europa anbieten darf.
CEO Brad Garlinghouse zeigte sich bei der Ankündigung im September noch unbeeindruckt. Er nannte das Projekt „einen Marketingvorstoß im Vorfeld der jährlichen Konferenz und kein vollständig entwickeltes Produkt“. Neun Monate später gibt es dieses Produkt nun doch.
Für Ripple als Unternehmen hält sich der Schaden damit in Grenzen. Es verfügt über funktionierende Produkte, mehr als zehn Jahre Vorsprung und der Schritt von SWIFT unterstreicht, dass Blockchain im Zahlungsverkehr an Bedeutung gewinnt.
Bei XRP sieht es anders aus. SWIFT löst das Problem mit digitalem Geld, dem Banken bereits vertrauen, wodurch ein zwischengeschalteter Coin überflüssig wird. Die meisten Ripple-Dienste kommen zudem schlicht ohne XRP aus: RLUSD funktioniert auch ohne den Coin, Custody verwahrt unterschiedlichste Coins und die Lizenzen stärken vor allem das Unternehmen selbst.
Ganz ohne Chancen ist der Coin dennoch nicht. Viele dieser Dienste laufen auf dem XRP Ledger, dem Netzwerk hinter XRP. Ripple Prime verlagert seine Transaktionsabwicklung auf dieses Netzwerk, und dort liegen inzwischen tokenisierte Vermögenswerte im Wert von Hunderten Millionen Dollar. Jede Transaktion kostet einen Bruchteil eines XRP; je stärker die Auslastung, desto relevanter wird der Coin.
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