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Die Menge an Bitcoin (BTC) auf Kryptobörsen ist auf den niedrigsten Stand seit 2017 gefallen. Auch bei Ethereum (ETH) liegt der Bestand auf Börsen auf einem historischen Tief. Das klingt positiv, doch es gibt einen Haken.
Jahrelang galt eine einfache Logik: Wenn Anleger ihre Bitcoin von einer Börse abziehen, wollen sie vermutlich nicht kurzfristig verkaufen. Dadurch sinkt das verfügbare Angebot auf Handelsplattformen, was den Kurs auf längere Sicht stützen kann.
Laut Santiment liegen inzwischen nur noch 6,6 Prozent aller Bitcoin und 4,3 Prozent aller Ethereum auf zentralisierten Börsen. Das Analysehaus wertet dies als positives Langfristsignal, betont aber, dass daraus kein schneller Kursanstieg abgeleitet werden kann.
Denn der Markt funktioniert heute anders. Bitcoin, die von einer Börse abgezogen werden, landen nicht zwangsläufig in einer privaten Wallet, um dort über Jahre gehalten zu werden. Die Coins können auch zu institutionellen Verwahrern transferiert, in DeFi-Anwendungen genutzt oder an ein Anlageprodukt gekoppelt werden.
Auf DeFi-Plattformen können Anleger ihre Krypto-Assets beispielsweise verleihen, als Sicherheit hinterlegen oder zur Erzielung von Rendite einsetzen. Die Coins liegen dann nicht mehr auf einer klassischen Börse, bleiben aber weiterhin im Markt aktiv.
Auch Spot-ETFs haben die Aussagekraft von Börsenreserven verändert. Fondsgesellschaften kaufen Bitcoin für ihre Kunden und verwahren sie bei Anbietern wie Coinbase Custody, Fidelity Digital Assets und BitGo. Dadurch sinken die sichtbaren Börsenbestände, während Anleger über ETF-Anteile weiterhin problemlos kaufen und verkaufen können.
US-Bitcoin-ETFs halten inzwischen mehr als 641.400 BTC (73 Milliarden Dollar). Ethereum-ETFs verwalten zudem rund 7,7 Millionen ETH (13,7 Milliarden Dollar). Diese Coins liegen außerhalb klassischer Handelsplattformen, sind wirtschaftlich aber weiterhin verfügbar.
Dennoch bleibt der übergeordnete Trend positiv. Börsennotierte Unternehmen halten zusammen mehr als 1,26 Millionen BTC, zudem wurden Millionen Bitcoin seit Jahren nicht bewegt. Damit befindet sich ein großer Teil des Bestands außerhalb des täglichen Handels.
Niedrige Börsenreserven deuten daher weiterhin auf eine starke langfristige Nachfrage hin. Sie zeigen aber nicht mehr automatisch, dass der Verkaufsdruck nachlässt. Entscheidend ist heute vor allem, wohin die Coins genau wandern.
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